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	<title>portugalmania.de &#187; Literatur</title>
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	<description>Das portugiesische Logbuch im Netz :: Portugal Blog</description>
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		<title>Die Bibliothek der Unruhe: In Lissabon treffen Borges und Pessoa endlich zusammen</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jan 2009 16:48:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ 	Warum führen die Lissaboner Stadtspaziergänge von Literatur-Nobelpreisträger José Saramago neuerdings in den eher unspektakulär daherkommenden Park &#8220;Arco do Cego&#8221;, mitten im Banken- und Geschäftsviertel der Avenidas Novas gelegen? Eine neue Statue zu Ehren des argentinischen Schriftstellers Jorge Luís Borges ist es, die das Interesse Saramagos weckt. Hier, auf dem Gelände eines ehemaligen Busbahnhofs, kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Warum führen die Lissaboner Stadtspaziergänge von Literatur-Nobelpreisträger <strong>José Saramago</strong> neuerdings in den eher unspektakulär daherkommenden Park &#8220;Arco do Cego&#8221;, mitten im Banken- und Geschäftsviertel der Avenidas Novas gelegen? Eine <strong>neue Statue</strong> zu Ehren des argentinischen Schriftstellers<strong> Jorge Luís Borges</strong> ist es, die das Interesse Saramagos weckt. Hier, auf dem Gelände eines ehemaligen Busbahnhofs, kann den realen und virtuellen Spuren Portugals im Werk von Borges nachgespürt werden.</p>
<p><span id="more-506"></span></p>
<p>Eine<strong> Wolke</strong> als Sinnbild für grenzenlos umherschweifende Phantasie. Eine <strong>Hand </strong>als Zeichen für die Schaffenskraft des Künstlers. Mit <a title="Bild des Denkmals " href="http://anossalisboa.cm-lisboa.pt/index.php?id=1885&amp;tx_ttnews[tt_news]=2269" target="_blank">diesen zwei Symbolen</a> fängt der aus Buenos Aires stammende und heute in Italien lebende Bildhauer <a href="http://www.federicobrook.com" target="_blank">Federico Brook</a> das Lebenswerk des argentinischen Schriftstellers <strong>Jorge Luís Borges</strong> in Granit und Marmor ein.</p>
<p>So <strong>geheimnisvoll und vieldeutig </strong>wie die literarischen Arbeiten von Borges kommt die Statue daher, die Anfang Dezember im <a title="Jardim Arco do Cego, Lissabon" href="http://jardinsdigitais.cm-lisboa.pt/index.php?id=1158" target="_blank">Lissaboner Park &#8220;Arco do Cego&#8221;</a> offiziell enthüllt wurde &#8211; und etwas <strong>verloren</strong> steht dieses Denkmal auf der großen, mit Palmen umsäumten Grünfläche, die noch vor <strong>wenigen Jahren ein Busbahnhof</strong> gewesen war.</p>
<p><code><br />
<iframe width="425" height="350" frameborder="0" scrolling="no" marginheight="0" marginwidth="0" src="http://maps.google.de/maps?f=q&amp;hl=de&amp;geocode=&amp;q=av+Duque+de+Avila+10,+lisboa&amp;sll=38.735967,-9.142138&amp;sspn=0.003055,0.006974&amp;ie=UTF8&amp;t=h&amp;g=av+Duque+de+Avila+10,+lisboa&amp;ll=38.744645,-9.137878&amp;spn=0.001527,0.003487&amp;z=14&amp;iwloc=addr&amp;output=embed&amp;s=AARTsJqhvR3KjVEoCKMjT0kG2M2kZC7gLw"></iframe><br /><small><a href="http://maps.google.de/maps?f=q&amp;hl=de&amp;geocode=&amp;q=av+Duque+de+Avila+10,+lisboa&amp;sll=38.735967,-9.142138&amp;sspn=0.003055,0.006974&amp;ie=UTF8&amp;t=h&amp;g=av+Duque+de+Avila+10,+lisboa&amp;ll=38.744645,-9.137878&amp;spn=0.001527,0.003487&amp;z=14&amp;iwloc=addr&amp;source=embed" style="color:#0000FF;text-align:left">Größere Kartenansicht</a></small></code></p>
<p>Doch vielleicht ist gerade dieser noch unbestimmte, irreale Raum des Transits die richtige Heimat für eine Statue von Borges in Lissabon. <strong>Viele Verbindungen</strong>, künstlerisch und biographisch, weisen von Jorge Luís Borges nach <strong>Portugal</strong>. Und vom Terminal in Arco do Cego aus fuhren noch vor wenigen Jahren die Busse auch in den Norden Portugals. Der Region, aus der die Familie Borges entstammt.</p>
<h2>Großmeister der phantastischen Literatur &#8211; mit portugiesischer Herkunft</h2>
<p><a title="Wikipedia über Borges" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jorge_Luis_Borges" target="_blank">Jorge Luís Borges (1899-1986)</a>, gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Borges etablierte einen neuen Typ <strong>phantastischer, &#8220;virtueller Literatur&#8221;</strong>, die auch heute auf einen stetig wachsenden Freundeskreis bauen kann.</p>
<p>Die <strong>Spuren der Familie</strong> von Borges führen in das nordportugiesische Örtchen <a title="Torre de Moncorvo" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Torre_de_Moncorvo" target="_blank">Torre de Moncorvo am Fluss Douro</a>, von wo aus der Urgroßvater des Dichters vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts nach Argentinien emigierte.</p>
<p>Über das Leben der Familie Borges in Nordportugal ist wenig bekannt. Auch dem gut 100 Jahre nach der Emigration nach Argentinien geborenen Jorge Luís Borges blieb die <strong>Familiengeschichte ein Rätsel</strong>, wie er selbst in dem Gedicht &#8220;<strong>Los Borges</strong>&#8221; schreibt:</p>
<blockquote><p>Nichts oder wenig weiß ich von meinen portugiesischen<br />
Ahnen, den Borges: Unbestimmte Menschen,<br />
die in meinem Fleisch fortbestehen, unklar,<br />
ihre Gewohnheiten, ihre Haltungen und Ängste.</p></blockquote>
<p><a title="Los Borges" href="http://www.poema-de-amor.com.ar/mostrar-poema.php?poema=3390" target="_blank"><em>Zum vollständigen Gedicht auf Spanisch</em></a></p>
<h2>Saudade im Blut</h2>
<p>So sehr sich die Familiengeschichte im Dunkeln verliert, so sehr war Borges doch davon überzeugt, von seiner portugiesischen Herkunft geprägt worden zu sein. Vor allem das <strong>so typisch portugiesische Gefühl der &#8220;Saudade&#8221;</strong> beschäftigte ihn, ja, bestimmte sogar einen Teil seines Schaffens &#8211; so berichtete es zumindest <strong>Maria Kodama</strong>, die Witwe von Borges, die neben Literatur-Nobelpreisträger José Saramago bei der Enthüllung der Borges-Statue Anfang Dezember in Lissabon als Ehrengast anwesend war.</p>
<p>Mit dieser Würdigung in Stein kommt Jorge Luís Borges in der Stadt an, die auch das Spielfeld seines großen und doch unbekannten <strong>Freundes Fernando Pessoa</strong> war. Obwohl sich die beiden Künstler nie kennengelernt haben (Fernando Pessoa dürfte noch nicht einmal etwas von Borges gewusst haben), so ähneln sich auf verblüffende Weise <strong>grundlegende Linien in ihren Werken</strong>.</p>
<h2>Pessoa und Borges: Zwei Geistesverwandte</h2>
<p>Die Saudade, die wehmütige Lust an der Sehnsucht. Die <strong>Auflösung des Autors</strong> in verschiedene Persönlichkeiten. Das Misstrauen gegen die nur scheinbar reale Welt, gegen das ach so Dingliche. <strong>Ähnlichkeiten, Kreuzungen</strong>, die nicht unentdeckt blieben &#8211; in der <strong>Forschung</strong>, die bereits mehrere Disserationen dem Thema widmete, aber auch bei den <a title="Literaturlandkarte Borges" href="http://www.literaturlandkarte.de/fernando+pessoa.html" target="_blank">Lesern</a>.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-508" title="pessoa-borges" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/pessoa-borges.jpg" alt="" width="500" height="156" /></p>
<p style="text-align: center;"><em>Wer Pessoa kauft, der mag auch Borges (und Hesse): Screenshot von <a href="http://www.amazon.de" target="_blank">Amazon.de</a></em></p>
<p>Borges muss sein &#8220;Heteronym&#8221; Fernando Pessoa <strong>erst spät en</strong><strong>tdeckt haben</strong>.  Noch 1968 reagierte Borges <a title="Art &amp; Culture über Pessoa" href="http://www.artandculture.com/cgi-bin/WebObjects/ACLive.woa/wa/artist?id=1404" target="_blank">nach Angaben des  Portals art &amp; culture</a> auf die Frage nach Fernando Pessoa mit der Antwort: &#8220;<strong>Who is he?</strong>&#8221; &#8211; wer ist er? (Eine Antwort, die man freilich auch angesichts der vielen Persönlichkeiten von Pessoa auch als subtile Anspielung auf die <strong>Unbestimmbarkeit Pessoas</strong> interpretieren könnte). Aber auch in der in den 40er Jahren von Borges zusammengestellten &#8220;<a title="Bibliothek von Babel" href="http://www.bibliothekvonbabel.de/" target="_blank">Bibliothek von Babel</a>&#8220;, die 30 Meisterwerke der phantastischen Literatur versammelte, fand kein Werk Pessoas seinen Platz. Hätte Borges Pessoa damals schon gekannt, wäre dies sicherlich anders gewesen.</p>
<h2>Lass mich dein Freund sein!</h2>
<p>Doch Jahre später war alles anders. Pessoa war im <strong>Universum Borges</strong> angekommen. Am 2. Januar 1985 schrieb Jorge Luís Borges sogar einen Brief an Fernando Pessoa:</p>
<blockquote><p>Du hast für dich geschrieben, nicht für den Ruhm&#8230; lass mich dein Freund sein!!! (Quelle: <a title="Carta a Fernando Pessoa" href="http://www.pessoa.art.br/?p=551" target="_blank">pessoa.art.br</a>)</p></blockquote>
<p>Nun treffen sich die beiden unbekannten und doch vertrauten Freunde in <strong>Lissabon </strong>- der Stadt, ohne die das Werk Fernando Pessoas nicht denkbar wäre. <strong></strong></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-509" title="Pessoa in Lissabon" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/496784954_2a8515ea1b_m.jpg" alt="" width="240" height="172" /></p>
<p style="text-align: center;"><em>Begegnung mit Fernando Pessoa in Lissabon. Nun ist auch Borges in der Stadt angekommen&#8230;<br />
<a href="http://www.flickr.com/photos/arteurbana/496784954/" target="_blank">Foto: Graffiti Land auf Flickr</a></em> (Creative Commons)</p>
<p><strong>Noch so eine Parallele</strong>: Ohne Buenos Aires, die argentinische Schwester von Lissabon, wäre Jorge Luís Borges ebenfalls kaum vorstellbar. Es scheint, als ob beide in ihren Städten das <strong>geheime Tor zur magischen und phantastischen Welt</strong> gefunden haben. Ein Tor, dessen Schlüssel die Leser beider Autoren nun in Lissabon weiter suchen müssen, um es aufzuschließen.</p>
<p><em>Buenos Aires in Lissabon: Wer auch kulinarisch die Spuren Argentininens in Portugal sucht, dem sei das <a title="Restaurant Buenos Aires" href="http://www.lifecooler.com/edicoes/lifecooler/desenvRegArtigo.asp?reg=385522" target="_blank">Restaurant Buenos Aires </a>oberhalb des Rossio-Bahnhofs (Calçada do Duque 31B) empfohlen. Den Park Arco do Cego erreicht man am besten mit der Metrohaltestelle Alameda (rote und grüne Linie). </em></p>
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		<title>Auch mit 120 sorgt Pessoa noch für Unruhe</title>
		<link>http://www.portugalmania.de/2008/06/auch-mit-120-sorgt-pessoa-noch-fur-unruhe/</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Jun 2008 20:16:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<description><![CDATA[ 	Am 13. Juni wäre Fernando Pessoa 120 Jahre alt geworden. Pünktlich zum runden Geburtstag sorgt der Autor des &#8220;Buchs der Unruhe&#8221; wieder für einigen Wirbel: Teile aus dem Nachlass des Dichters stehen zum Verkauf &#8211; und drohen außer Landes zu verschwinden. Ein Trost bleibt: Das Internet bietet sich als letzte Heimat für Pessoas Erbe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Am 13. Juni wäre Fernando Pessoa 120 Jahre alt geworden. Pünktlich zum runden Geburtstag sorgt der Autor des &#8220;Buchs der Unruhe&#8221; wieder für einigen Wirbel: Teile aus dem Nachlass des Dichters stehen zum Verkauf &#8211; und drohen außer Landes zu verschwinden. Ein Trost bleibt: Das Internet bietet sich als letzte Heimat für Pessoas Erbe an. <span id="more-382"></span></p>
<p>Was hätte <strong>Fernando Pessoa</strong> wohl zum <strong><span style="color: #000000;">Internet </span></strong>gesagt? Vieles spricht dafür, dass der Dichter mit den vielen Persönlichkeiten seinen Spaß an diesem ebenfalls so zersplitterten und vielschichtigen Medium gefunden hätte: <strong>Ungeordnete Texte</strong>, die sich im Cyberspace wie in der großen Truhe Pessoas versenken. Links, die das Internet fast so undurchschaubar machen wie das Straßengewirr der Alfama. Ja, vielleicht hätte Pessoa statt im <em>Martinho da Arcada</em> das ein oder andere Mal sogar in ein <strong>Internet-Café</strong> verirrt.</p>
<p>Nun könnte sich das Internet sogar als <strong>letzter Bewahrer von Pessoas Nachlass</strong> erweisen. Nicht nur, dass Texte von Fernando Pessoa und seinen verschiedenen Heteronymen bereits viel Verbreitung im Web gefunden haben: Bald könnte das Internet der einzige, wenn auch virtuelle Ort sein, in dem <strong>Pessoas persönliche Bibliothek</strong> noch in ihrem ganzen Zusammenhang abrufbar ist.</p>
<p>Nach seinem Tod hinterließ Fernando Pessoa nicht nur die <strong>legendäre Truhe</strong> voller zumeist unveröffentlichter Manuskripte und Texte, sondern auch eine <strong>umfangreiche Privat-Bibliothek</strong>. Einen Teil dieses Nachlasses, rund 1.200 Bücher, verkauften die Erben an den portugiesischen Staat. Diese Dokumente befinden sich heute im Literatur- und Dokumentationszentrum &#8220;Casa Fernando Pessoa&#8221; in Lissabon. Der<strong> Rest der Sammlung</strong> verblieb jedoch im Familienbesitz &#8211; und sorgt nun für Ärger. Denn die Besitzer &#8211; eine Nichte und ein Neffe Pessoas &#8211; scheinen wild entschlossen zu sein, einige Teile &#8220;ihres&#8221; Pessoa-Nachlasses in klingende Münze zu verwandeln.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-383" title="Pessoa-Website" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/17_06_pessoa.jpg" alt="" width="411" height="298" /><br />
<em>Die Website der Unruhe: <a href="http://casafernandopessoa.cm-lisboa.pt" target="_blank">http://casafernandopessoa.cm-lisboa.pt</a></em></p>
<p>Schon im <strong>letzten Jahr</strong> brachten sie einige Werke aus der persönlichen Sammlung Pessoas unter den Hammer. Buchstäblich in letzter Minute schaffte es der renommierte Pessoa-Forscher Jerónimo Pizarro, die veräußerten Bücher mit einem Hochleistungs-Scanner zu <strong>digitalisieren</strong>: &#8220;An einem Tag arbeiteten wir bis Mitternacht&#8221;, berichtete Pizarro später im Público. &#8220;Immer als wir dachten, wir hätten es nun geschafft, tauchte schon wieder etwas Neues auf.&#8221; Nun steht wieder eine Verkaufstranche an: Im Dezember möchten die Erben von Fernando Pessoa <a title="TFM: Pessoa-Nachlass wird teilweise versteigert" href="http://tfmonline.wordpress.com/2008/05/26/pessoa-nachlass-wird-teilweise-versteigert/" target="_blank">einige astrologische Schriften aus dem Besitz des Dichters</a> unter den Hammer bringen. Darunter befindet sich auch der möglicherweise unter englischen Liebhabern hoch gehandelte <strong>Briefwechsel </strong>Pessoas mit dem obskuren britischen Magier<strong> Alestair Crowley</strong> (zur denkwürdigen Begegnung Pessoas mit Crowley findet sich <a title="Pessoa und Crowley" href="http://briefeankonrad.blogspot.com/2008/03/aleister-crowley-kommt-nach-portugal.html" target="_blank">hier ein ausführlicher Bericht</a>).</p>
<p>Sollte am Schluss nicht doch noch der noch<strong> betont uninteressierte portugiesische Staat</strong> zuschlagen (wer will auch schon frühzeitig die Preise in die Höhe treiben?), müsste Pizarro also wieder mit seinen Scannern anrücken &#8211; und könnte so zumindest ein weiteres Stück des Nachlasses für die Nachwelt sichern. Vollständig kann die Bibliothek Pessoas ohnehin nicht mehr abgebildet werden. Denn schon zu Lebzeiten entfernte der Dichter Werke aus seinem Besitz &#8211; und auch in den Jahrzehnten nach seinem Tod 1935 verschwanden einige Stücke aus dem Nachlass.</p>
<h2>Ausgewählte Werke aus der Pessoa-Bibliothek im Internet</h2>
<p>Noch stehen die Digitalisierungen Pizarros nicht im Internet zur Verfügung, sondern werden für rein universitäre Zwecke genutzt. Doch für ein paar andere Werke aus der Pessoa-Bibliothek dürfte sich das schon bald ändern. Denn Pizarro hat nun auch in der &#8220;Casa Fernando Pessoa&#8221; &#8211; dem ehemaligen Wohnhaus des Dichters im Stadtteil Campo Pequeno &#8211; <strong>zahlreiche Werke</strong> aus dem dortigen Bibliothek digitalisiert. Über Wochen hinweg herrschte im ersten Obergeschoss des Hauses <strong>ein reges Treiben</strong>: Bücher wurden hin- und hergeschleppt, die einzelnen Seiten wurden im Tageslicht auf dem Balkon fotografiert.</p>
<p>Pünktlich zum 120. Geburtstag sollten dann die <strong>ersten 200 Werke digitalisiert im Internet abrufbar sein</strong>. Ganz geklappt hat dieses ambitionierte Projekt noch nicht &#8211; Probleme mit der Scan-Software haben den pünktlichen Start verhindert. Aber, immerhin, ein kleines Geschenk wurde Fernando Pessoa zu seinem 120. Geburtstag doch noch kredenzt: Das &#8220;Casa Fernando Pessoa&#8221; nahm seine <strong>neue Website</strong> in Betrieb, auf der sich dann bald auch die eingescannten Werke finden werden.</p>
<p>Unter der Adresse <strong><a title="Casa Fernando Pessoa" href="http://casafernandopessoa.cm-lisboa.pt" target="_blank">casafernandopessoa.cm-lisboa.pt</a></strong> verfügt das &#8220;Casa Fernando Pessoa&#8221; endlich wieder über einen würdigen Internetauftritt, nachdem die alte und bei Google noch hoch gelistete Webpräsenz seit Jahren in den Händen einer amerikanischen Spam-Firma liegt und nicht mehr abgeschaltet werden kann. Aber auch diese kleine Ungereimtheit aus dem Cyberspace ist vielleicht wieder eine der typischen <strong>pessoanischen Verwirrungen</strong>. Denn auch mehr als sieben Jahrzehnte nach seinem Tod vermag Pessoa weiterhin zu überraschen. Selbst aus Büchern, die im &#8220;Casa Fernando Pessoa&#8221; gelagert würden, fielen <strong>immer mal wieder Zettel mit bisher unbekannten Gedichten</strong> Pessoas heraus, wie die Institutsleiterin Inês Pedrosa kürzlich der Wochenzeitung Sexta berichtete. Wer weiß, was sich dann noch im Internet aus Pessoas Privat-Bibliothek herausfinden lässt.</p>
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		<title>Große Versprechen für Portugals Buchmarkt: Doch was will der neue Verlagsriese &#8220;LeYa&#8221; wirklich?</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jan 2008 22:11:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Buchmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[LeYa]]></category>
		<category><![CDATA[Verlage]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Bücher verlegen in Portugal &#8211; das bedeutete lange Zeit: Viel Ehre, wenig Lohn. Doch die Zeiten scheinen sich geändert zu haben: Gleich vier große Verlagsgruppen kämpfen nun verbissen um Marktanteile. Jüngster Mitspieler am Markt: Die Gruppe LeYa, die sich unter anderem auch den Hausverlag von António Lobo Antunes einverleibt hat. Ein Gewinn für die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Bücher verlegen in Portugal &#8211; das bedeutete lange Zeit: Viel Ehre, wenig Lohn. Doch die Zeiten scheinen sich geändert zu haben: Gleich vier große Verlagsgruppen kämpfen nun verbissen um Marktanteile. Jüngster Mitspieler am Markt: Die Gruppe LeYa, die sich unter anderem auch den Hausverlag von António Lobo Antunes einverleibt hat. Ein Gewinn für die Leser &#8211; oder doch einfach ein Pokerspiel um Marktanteile, bei dem auch ein pontenter deutscher Medienriese mitmischen könnte? <span id="more-226"></span></p>
<p><strong>Miguel Pais do Amaral</strong> ist ein Unternehmer, der schon so manch ein scheinbar <strong>aussichtsloses Verlustgeschäft</strong> in Portugals Medienlandschaft zum Blühen gebracht hat. Sein bislang größter Coup: Mit der Holding &#8220;Media Capital&#8221; führte Amaral den einstigen Kirchensender TVI innerhalb weniger Jahre an die<strong> Spitze der portugiesischen TV-Charts</strong>. Sein Rezept war einfach: Aufmerksamkeit und Quote durch Krawallfilme und seichte Telenovelas.</p>
<p>Und nachdem er mit seiner Media Capital über den <strong>meist gesehenen Fernsehkanal</strong> und die<strong> meist gehörten Radiostationen </strong>(Radio Comercial, Cidade FM) verfügt, treibt es Amaral nun auch anscheinend an die <strong>Spitze des portugiesischen Buchmarkts</strong>. In den letzten Monaten hat sich der Unternehmer in sechs portugiesische Verlage eingekauft &#8211; darunter beste Adressen wie Texto, Caminhos und &#8211; gerade erst letzte Woche &#8211; Dom Quixote, Stammverlag von António Lobo Antunes.</p>
<p>Obwohl die Verlage nun in die <strong>gemeinsame Dachmarke &#8220;LeYa&#8221;</strong> (<a href="http://www.leya.com" title="LeYa Homepage" target="_blank">offizielle Homepage</a>) eingegliedert wurden, sollten alle Einzelverlage ihre Identität beibehalten, beteuert Miguel Pais do Amaral. Ja, er geht noch weiter: Autoren und Leser würden gleichermaßen gewinnen. Denn mit &#8220;LeYa&#8221; wäre endlich ein portugiesischsprachiger Verlag von internationaler Größe entstanden.<strong> 1.000 Bücher </strong>will Pais do Amaral künftig pro Jahr verlegen &#8211; und zwar für alle Schichten: Das Spektrum reicht von <strong>Schulbüchern</strong> (Texto Editoras) über <strong>Comics</strong> (ASA) bis hin zu anspruchsvollen literarischen Werken.</p>
<p>Wie sehr ihm die portugiesische Literatur am Herzen liegt, will Amaral auch mit der Schaffung eines neuen Preises verdeutlichen: Schon in diesem Jahr soll pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erstmals der neue <strong>Literaturpreis &#8220;LeYa&#8221;</strong> für unveröffentliche portugiesischsprachige Romane vergeben werden. Der Preis wäre mit üppigen 100.000 Euro nicht nur der am <strong>höchsten dotierte Literaturpreis der lusophonen Welt </strong>- sondern auch besser &#8220;bezahlt&#8221; als renommiertere Auszeichnungen wie der Booker Prize (knapp 70.000 Euro), der Deutsche Buchpreis (25.000 Euro) und erst recht als der Prix Goncourt (10 Euro).</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/08_01_leya.jpg" alt="LeYa" /></p>
<p>Solch hohe Summen und hehre Versprechungen sorgen vor allem unter den Konkurrenten von &#8220;LeYa&#8221; für <strong>Misstrauen</strong>. Denn das portugiesische Buchgeschäft zeichnete sich bislang <strong>wenig durch hohe Renditen</strong> aus &#8211; eher durch viel Liebhaberei bei wenig Marge. Schwingen beim Literaturengagement des gewieften Pais do Amaral also noch andere Interessen mit?</p>
<p>Vor allem bei <strong>Porto Editora</strong>, Marktführer bei Schulbüchern in Portugal, fand man klare Worte über den neuen Wettbewerber: Es sei davon auszugehen, dass Pais do Amaral nicht lange im Buchgeschäft verharre &#8211; sondern seine Verlage bald wieder meistbietend verkaufe (was dieser allerdings bestreitet). Und dann drohe die Gefahr, so Porto Editora  nicht ganz frei von Heuchelei, dass ein Teil der portugiesischen Schulbuchverlage in &#8220;<strong>ausländische Hände</strong>&#8221; fallen könnte.</p>
<p>Ausländische Hände? Damit könnte vor allem einer gemeint sein: <strong>Bertelsmann</strong>. Der deutsche Verlagsriese besitzt mit Círculo de Leitores und Bertrand bereits zwei Dependancen in Portugal. Wie zufällig hat sich das Unternehmen auch schon mit <strong>15 Prozent in Media Capital</strong> eingekauft &#8211; Pais do Amaral dürfte also über gute Kontakte nach Gütersloh verfügen.</p>
<p>Und dann gibt es noch einen ganz unbekannten Player im Spiel um Bücher und Leser: Der <strong>Finanzinvestor Explorer Investments</strong> hat ebenfalls schon einige portugiesische Verlagshäuser erworben (<span class="entradilla"><span><span class="txt">Oficina do Livro, Sebenta und Teorema, demnächst vielleicht auch noch Gradiva). Laut einem <a href="http://diarioeconomico.sapo.pt/edicion/diarioeconomico/edicion_impresa/empresas/pt/desarrollo/1075019.html" title="Pais do Amaral está nos livros para ficar" target="_blank">Artikel des Diario Económico</a> gelten Bertelsmann wie auch Porto Editora als Interessenten für diese Häuser. </span></span></span></p>
<p><strong>Wilder Westen und Goldgräberstimmung</strong> scheinen die portugiesische Verlagslandschaft derzeit zu bestimmen. Am Ende des Goldrauschs ist jedoch zu befürchten, dass nur noch <strong>zwei große Verlagsgruppen</strong> übrig bleiben, die die literarische Produktion des Landes dominieren. Ein krasser Gegensatz zur heute noch sehr vielfältigen und bunten Welt portugiesischer Bücherproduktion. <strong>António Lobo Antunes</strong> zeigte sich deshalb auch schon besorgt über den Verkauf von Dom Quixote an Pais do Amaral. Der wundert sich hingegen über solche Kritik: Die Bildung von &#8220;LeYa&#8221; bedeute gute Nachrichten für portugiesischen Autoren: &#8220;Die Bedingungen sind so gut wie niemals zuvor und jetzt gibt es die größte Öffentlichkeit und Werbung&#8221;, so Amaral im Público. Die Regeln des TV-Geschäfts gelten jetzt also wirklich auch auf dem Buchmarkt.</p>
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		<item>
		<title>Linktipp: Die digitale Bibliothek des Alentejo eröffnet neue Blicke auf eine oft verkannte Kulturregion</title>
		<link>http://www.portugalmania.de/2007/12/linktipp-die-neue-digitale-bibliothek-des-alentejo-eroffnet-neue-blicke-auf-eine-oft-verkannte-kulturregion/</link>
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		<pubDate>Sat, 08 Dec 2007 17:41:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alentejo]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<description><![CDATA[ 	Literatur, Geschichte, Agrarstudien: Die soeben eröffnete &#8220;digitale Bibliothek des Alentejo&#8221; ermöglicht den vollen und kostenfreien Zugriff auf fast 200 Bücher mit regionalem Bezug. Stöbern lohnt sich: Denn im Fundus der Online-Bibliothek findet sich so manch ein Klassiker der portugiesischen Literatur. 
Bis heute kämpft die Region Alentejo im Südosten Portugals mit dem Bild des zurückgebliebenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Literatur, Geschichte, Agrarstudien: Die soeben eröffnete &#8220;digitale Bibliothek des Alentejo&#8221; ermöglicht den vollen und kostenfreien Zugriff auf fast 200 Bücher mit regionalem Bezug. Stöbern lohnt sich: Denn im Fundus der Online-Bibliothek findet sich so manch ein Klassiker der portugiesischen Literatur. <span id="more-168"></span></p>
<p>Bis heute kämpft die <strong>Region Alentejo im Südosten Portugals</strong> mit dem Bild des zurückgebliebenen Landstrichs: Groß, faszinierend in seiner Kargheit &#8211; aber auch hoffnungslos einsam und verarmt. Dieser Eindruck stimmt jedoch nur zum Teil: Zwar ist das Alentejo bis heute die ärmste Region Portugals, bietet aber doch an vielen Stellen Zeugnisse überraschender Aufbrüche.</p>
<p>Es scheint, dass der <strong>kulturelle Reichtum des Alentejo</strong> erst noch erschlossen werden muss &#8211; eine Aufgabe, zu der die neue &#8220;<a target="_blank" href="http://www.bdalentejo.net/" title="Biblioteca Digital do Alentejo">digitale Bibliothek des Alentejo</a>&#8221; <em>(Biblioteca Digital do Alentejo, BDA) </em><strong>meisterhaft </strong>beiträgt.</p>
<p style="text-align: center"><a target="_blank" href="http://www.bdalentejo.net/"><img border="0" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/08_12_bda.jpg" alt="Screenshot Digitale Bibliothek des Alentejo" /></a></p>
<p>Motto der Online-Bibliothek ist, ein &#8220;<strong>Fenster zur alentejanischen Kultur aufzustoßen</strong>&#8220;. Und das tut sie in großartiger Weise: Pünktlich zur offiziellen Eröffnung der Website am 12. Dezember stehen bereits jetzt fast 200 sorgfältig eingescannte Bücher zur <strong>kostenlosen Online-Lektüre</strong> zur Verfügung. Aus urheberrechtlichen Gründen handelt es sich beim Bestand der Online-Bibliothek vor allem um ältere Werke. Darunter finden sich indes jedoch <strong>einige Fundstücke</strong>:</p>
<p><img border="0" align="right" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/08_12_sorormariana.jpg" alt="Cover der Portugiesischen Briefe" />Zum Beispiel <a target="_blank" href="http://www.bdalentejo.net/BDAObra/BDADigital/Obra.aspx?id=278" title="Portugiesische Briefe">eine <strong>schöne Ausgabe der &#8220;portugiesischen Briefe&#8221;.</strong> </a>Diese <strong>glühend heißen Liebesbriefe</strong> wurden im 17. Jahrhundert angeblich von der Klosterfrau Soror Mariana in Beja an den Cavalheiro de Chamilly geschrieben. Mittlerweile geht man zwar eher davon aus, dass diese &#8211; übrigens von Rainer Maria Rilke ins Deutsche übertragenen - Briefe in Frankreich entstanden (es gibt keine portugiesische Originalfassungen). Trotz (oder wegen?) aller Rätsel ist das Werk <strong>fester Bestandteil der alentejanischen Kultur</strong>. Die (angebliche?) Klosterzelle der Schwester Mariana mit einer Replik des Fensters, durch dessen Gitter die Schwester ihrem Offizier die Liebesschwüre zuwisperte, lässt sich bis heute im Städtchen Beja besichtigen.</p>
<p>Außerdem im Fundus: <strong>Weitere Klassiker</strong>, allerhand Lokalgeschichtliches und viele Bücher zur Agrarwirtschaft. Alle Werke eint der Bezug zum Alentejo. Neben den digitalisierten Büchern finden sich auf der <a target="_blank" href="http://www.bdalentejo.net/" title="Biblioteca Digital do Alentejo">BDA-Website </a>auch <a target="_blank" href="http://www.bdalentejo.net/biografias.html" title="Biografien">zahlreiche Biografien bedeutender Schriftsteller des Alentejo </a>(in Portugiesisch) &#8211; ebenfalls eine praktische Informationsquelle für die oft vernachlässigte alentejanische Kultur.</p>
<p><em>Die portugiesische Nationalbibliothek bietet ebenfalls eine gut bestückte digitale Bibliothek an. Diese ist unter <a target="_blank" href="http://purl.pt/" title="Digitale Bibliothek Portugals">http://purl.pt/</a> erreichbar. </em></p>
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		<title>Vaterlandsverräter oder Nationalheld? Auch an seinem 85. Geburtstag hegt Portugal ambivalente Gefühle gegenüber José Saramago</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Nov 2007 22:03:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[josé saramago]]></category>
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		<category><![CDATA[premio camões]]></category>

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Heute, am 16. November, feiert der portugiesische Schriftsteller José Saramago seinen 85. Geburtstag. Für Saramago kein Grund, sich zur Ruhe zu setzen: In schöner Regelmäßigkeit stachelt er in Portugal erregte Debatten an &#8211; wie zuletzt über den Anschluss des Landes an Spanien. Und so polarisiert Saramago bis heute &#8211; und widersteht gekonnt allen Anwandlungen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<!--[CDATA[Wenn heute José Saramago seinen 85. Geburtstag feiert, dann wird dies in der ausländischen Presse stärker gewürdigt als in seinem Heimatland Portugal. Das ist durchaus als symptomatisch zu verstehen: Denn anders als zum Beispiel in Deutschland, wo sich Saramago einen treuen und ihm ergebenen Leserkreis erobert hat, ist der Schriftsteller in Portugal bis heute eine umstrittene Figur. Und so hievt...]]--></p>
<p>Heute, am 16. November, feiert der portugiesische Schriftsteller José Saramago seinen 85. Geburtstag. Für Saramago kein Grund, sich zur Ruhe zu setzen: In schöner Regelmäßigkeit stachelt er in Portugal erregte Debatten an &#8211; wie zuletzt über den Anschluss des Landes an Spanien. Und so polarisiert Saramago bis heute &#8211; und widersteht gekonnt allen Anwandlungen, ihn als Nationalhelden zu verehren&#8230;</p>
<p><span id="more-16"></span></p>
<p>Wenn heute <strong>José Saramago</strong> seinen <strong>85. Geburtstag</strong> feiert, dann wird dies in der ausländischen Presse stärker gewürdigt als in seinem Heimatland Portugal. Das ist durchaus als symptomatisch zu verstehen: Denn anders als zum Beispiel in Deutschland, wo sich Saramago einen treuen und ihm ergebenen Leserkreis erobert hat, ist der Schriftsteller in Portugal bis heute eine<strong> umstrittene Figur</strong>. Und so hievt die <a href="http://dn.sapo.pt/2007/11/16/index.html#papel" target="_blank" title="Diário de Notícias vom 16.11.2007">heutige Ausgabe des Diário de Notícias</a> zwar ein <strong>literarisches Thema</strong> auf ihre Titelseite &#8211; doch dort geht es nicht um Saramago, sondern um die Veröffentlichung der portugiesischen Ausgabe vom letzten Harry Potter-Band.</p>
<p>Vielleicht passt dieses Zusammentreffen aber auch ganz gut ins Bild. Denn es scheint, dass noch immer viele Portugiesen bei José Saramago nicht recht wissen, ob sie es hier mit einem <strong>Dichterfürsten</strong> zu tun haben &#8211; oder doch eher mit <strong>einem bösen Lord Voldemort</strong>, dem &#8220;Gott-sei-bei-uns&#8221; Portugals. Seit seinem literarischen Aufstieg sorgte Saramago immer wieder für heftige Debatten und Polemiken in Portugal &#8211; sei es in der literarischen wie auch politischen Arena.</p>
<p>Andererseits sind in dieser Beziehungskiste immer wieder <strong>aufrichtige Annäherungsversuche</strong> zu verzeichnen. Trotz aller Kritik verfügt Saramago auch in Portugal über zahlreiche Leser. Der nationale Literaturpreis, der <strong>Premio Camões</strong>, wurde ihm nicht verwehrt. Und spätestens seit 1998, als José Saramago der Literatur-Nobelpreis zugesprochen wurde, setzte fast so etwas wie eine <strong>kurze Liebesaffäre</strong> von Portugal und seinem berühmten Sohn ein. Damals tauchten über Nacht an jeder Ecke Lissabons Plakate auf, die José Saramago zum großen Preis beglückwünschten.</p>
<p>Doch Saramago wäre nicht Saramago, wenn er sich von der national angehauchten Begeisterung über den Nobelpreis hätte einwickeln lassen. Und so blieb er<strong> bis heute der große Unabhängige</strong>, der sich von keiner Gruppe vereinnahmen ließ &#8211; nicht von den ihm nahestehenden Kommunisten. Ganz zu schweigen vom bürgerlichen Establishment, zu dessen Feindbild er nach der Veröffentlichung seiner Romane &#8220;Das Memorial&#8221; (1982) oder &#8220;Das Evangelium nach Jesus Christus&#8221; (1991) ohnehin gehörte.</p>
<p>In der schönen Regelmäßigkeit, mit der Saramago bis heute neue Romane produziert, sorgt er auch immer wieder für neue Debatten in seinem Heimatland. So versetzte Saramago in diesem Sommer das Blut vieler Portugiesen in Wallung, <a href="http://portugal.germanblogs.de/archive/2007/07/26/kommt-die-iberische-union.htm" title="Kommt die iberische Union? Artikel in diesem Blog.">als er die Angliederung des Portugals an Spanien befürwortete</a>. Dieses alte <strong>Reizthema</strong> einer &#8220;iberischen Union&#8221; brachte ihm dann auch postwendend das Prädikat des &#8220;Vaterlandsverräters&#8221; ein.</p>
<p>Nichts neues für Saramago &#8211; denn ähnlichen <strong>Verunglimpfungen</strong> war er auch Anfang der 90er Jahre ausgesetzt, als sein Roman &#8220;Das Evangelium nach Jesus Christus&#8221; eine in Portugal bislang nicht gekannte öffentliche Debatte über ein literarisches Werk verursachte. Der Tumult führte am Schluss sogar dazu, dass der damalige Kulturminister Pedro Santana Lopes den Namen Saramagos von der <strong>Vorschlagsliste für den Europäischen Literaturpreis</strong> strich.</p>
<p>Nach dieser Schlammschlacht kehrte Saramago Portugal den Rücken zu &#8211; und zog nach Lanzarote. Ein Schritt, der die Vorbehalte gegen ihn zum Teil noch verstärkte: &#8220;Er verteidigt die iberische Union, er ist Kommunist, <strong>er hat das Land verlassen, um in Spanien zu leben,</strong> er ist mit einer Spanierin verheiratet, die auch noch zwanzig Jahre jünger als er ist&#8221; -so fasst der Filmemacher Miguel Gonçalves Mendes die Probleme zusammen, die Saramago so manch einem Portugiesen bereitet.</p>
<p>Doch genau das ist auch die <strong>Stärke José Saramagos</strong>: Er ist einer der wenigen unabhängigen Geister dieser Welt, der sich durch nichts und niemanden korrumpieren lässt. Vielleicht ist er deshalb auch nie als Politiker groß herausgekommen (bei der Europawahl 2004 kandidierte er auf einem aussichtslosen Listenplatz für die Kommunisten) &#8211; seine Stellung als großen Literaten hat diese <strong>Unbestechlichkeit </strong>aber nur gestärkt, mag man seine Meinungen teilen oder nicht. Parabéns, José Saramago!</p>
<p><em>Der jüngste Roman von José Saramago, &#8220;Eine Zeit ohne Tod&#8221; (&#8220;<em>As intermitências da morte&#8221;) ist diesen Herbst bei Rowohlt auf Deutsch erschienen (19,90 Euro). Das Buch ist auf Deutsch oder Portugiesisch auch <a href="http://www.tfmonline.de/" target="_blank" title="TFM - Portugiesische Buchhandlung">bei TFM erhältlich</a>. </em></em></p>
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