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	<title>portugalmania.de &#187; Kunsthandwerk</title>
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	<description>Das portugiesische Logbuch im Netz :: Portugal Blog</description>
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		<title>Lenços de Namorados: Ein Taschentuch als Liebesbeweis</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Feb 2008 22:50:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunsthandwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Lenço de Namorado]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Minho]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Was macht die junge Portugiesin, wenn sie die Liebe ihres Lebens treffen möchte? Sie bestickt ein Taschentuch: Seit mehreren hundert Jahren dienen die &#8220;Lenços de Namorados&#8221; (Taschentücher der Verliebten) als farbenfroher Liebesbeweis. Und das nicht nur am Valentinstag. 
Der Valentinstag steht vor der Tür: Doch was sind hastig gekaufte Blumen oder Pralinenschachteln schon für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<img align="right" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/11_02_lencos-small.jpg" alt="Lencos de Namorados" />Was macht die junge Portugiesin, wenn sie die Liebe ihres Lebens treffen möchte? Sie bestickt ein <strong>Taschentuch</strong>: Seit mehreren hundert Jahren dienen die &#8220;<strong>Lenços de Namorados</strong>&#8221; (Taschentücher der Verliebten) als farbenfroher Liebesbeweis. Und das nicht nur am Valentinstag. <span id="more-266"></span></p>
<p>Der Valentinstag steht vor der Tür: Doch was sind <strong>hastig gekaufte Blumen</strong> oder Pralinenschachteln schon für ein Liebesbeweis? Das sah <strong>in den guten alten Zeiten</strong> noch etwas anders aus. Damals stickten Mädchen im heiratsfähigen Alter noch <strong>monatelang an Taschentüchern</strong>, die sie ihrem Liebsten näher brinen sollten. Vermutlich seit dem 17. oder 18. Jahrhundert entwickelte sich &#8211; vor allem im Minho &#8211; die Tradition der &#8220;<strong>Lenços de Namorados</strong>&#8220;.</p>
<p>Der weiße Baumwollstoff der Taschentücher diente dabei den jungen Frauen auch als <strong>Projektionsfläche: </strong>Für ihre <strong>Träume, Wünsche, Botschaften </strong>an das Leben &#8211; und an den möglichen künftigen Ehemann. Mit Seitenlängen von 40 bis 60 Zentimetern gaben die Tücher auch einigen Platz her, den es mit allerlei Motiven zu füllen galt. Beliebt waren zum Beispiel <strong>allegorische Darstellungen</strong> von Tugenden und Werten, wie zum Beispiel Treue oder Redlichkeit. Andere Mädchen ergänzten Blumen- und andere Naturbilder.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/11_02_lencos.jpg" alt="Lencos" /><br />
<em>Mit Liebe gestickt: Ein Lenço de Namorado. Foto: <a target="_blank" href="http://www.aartedaterra.pt/" title="A Arte da Terra">A Arte da Terra</a></em></p>
<p>Und, ganz wichtig: Fast wie ein Poesiealbum enthielten die &#8220;Lenços de Namorados&#8221; auch<strong> sinnige Sprüche</strong>, die die Wünsche an Leben und Liebe ausdrückten. Je nach Charakter reichte die Bandbreite der meist als Vierzeiler <em>(Quadra)</em> gehaltenen Weisheiten vom großen Gefühl bis hin zur sanften Ironie. Zum Beispiel heißt es auf einem Taschentuch:</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Além da eternidade<br />
Durará tua paixão<br />
Eu feliz te devo tanto<br />
Do meu o teu coração&#8221;<br />
(Jenseits der Ewigkeit hält deine Leidenschaft, ich Glückliche schulde dir so viel von meinem zu deinem Herz)</em></p></blockquote>
<p>Später kamen weitere <strong>Elemente und Farben</strong> hinzu. Im vergangenen Jahrhundert wurde es populär, persönliche <strong>Lebenserfahrungen</strong> &#8211; wie etwa Emigrationen nach Brasilien &#8211; auf den Taschentüchern zu vermerken. In welcher Form auch immer: Die &#8220;Lenços de Namorados&#8221; waren nicht nur <strong>Ausdruck der Kreativität</strong> und des künstlerischen Könnens ihrer Gestalterinnen. Die <strong>Herstellung </strong>der Taschentücher war auch <strong>aufwändig</strong> und mit viel Zeit verbunden. Oft dauerte es monatelang, bis ein Lenço de Namorado fertig wurde.</p>
<p>In die Taschentücher flossen die <strong>Träume und Hoffnungen ganzer Generationen</strong> hinein. Ob sich diese Wünsche dann später so erfüllten, musste das Leben beweisen. Immerhin, in vielen Orten Nord-Portugals schufen die Liebes-Taschentücher oftmals eine <strong>ganz praktische Verbindung</strong> auf dem Heiratsmarkt: Auf Festen übergaben die Mädchen den Jungen, die sie interessierten, ihre Tücher. Die Herren sagten nicht nein &#8211; und nahmen im Zweifel gerne auch einmal von mehreren Mädchen Taschentücher an, selbst wenn sie schon eine Freundin hatten. <a target="_blank" href="http://www.ceramicarte.com/exposicoes/sala3/mariasameiro/historia.html" title="Lenços de Namorados">Wie diese Website berichtet</a>, kam es deshalb auf so manch einem Dorffest schon zu <strong>Zwist unter Frauen</strong> wegen der neckischen Taschentuch-Diebstähle.</p>
<p>Heute sticken nur noch die wenigsten Portugiesinnen <strong>Lenços de Namorados</strong> &#8211; und wenn, dann in deutlich kleinerer Form als es früher üblich war. Im Minho gibt es jedoch Versuche, die Tradition am Leben zu erhalten (siehe die schöne Website <a target="_blank" href="http://www.adereminho.pt/lencos/" title="Lencos">http://www.adereminho.pt/lencos/</a>). Und auf jeden Fall bleibt auch die Erinnerung: An eine <strong>besondere Form des Liebesbeweises</strong>, die eine hauchdünne Verbindung von Wunsch und Wirklichkeit herstellen konnte.</p>
<p><em>Noch bis zum 2. März 2008 stellt die <a target="_blank" href="http://www.aartedaterra.pt/" title="A Arte da Terra">Galerie &#8220;A Arte da Terra&#8221;</a> in Lissabon (Rua Augusto Rosa 40, oberhalb der Kathedrale Sé) eine Reihe von &#8220;Lenços de Namorados&#8221; aus. Geöffnet Dienstags bis Sonntags von 11 bis 20 Uhr. </em></p>
<p>Ein <strong>neues Video</strong> des Blogs <em>&#8220;In Love with Lisbon&#8221;</em> gibt übrigens ein paar Ideen, was man auf sein Lenço de Namorado so an süßen Worten sticken könnte: <a target="_blank" href="http://www.inlovewithlisbon.com/2008/02/10/portuguese-love-phrases-the-video" title="Portuguese Love Phrases"><strong>Portuguese love phrases</strong></a> Wort für Wort. Für Anfänger und Fortgeschrittene!</p>
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		<title>SOS Azulejo: Ein portugiesisches Kulturgut gerät ins Visier internationaler Kunsträuber</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Jan 2008 17:58:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunsthandwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Azulejos]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalität]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Was wäre Portugal ohne seine Azulejos? Die meist großformatigen Wandmosaike aus blauen Kacheln schmücken bis heute viele Häuser und Kirchen im Land. In den letzten Jahren häufen sich jedoch die Fälle dreister Azulejo-Diebstähle im Land. Ein neues Projekt mit Namen &#8220;SOS Azulejo&#8221; will nun Käufer und Besitzer historischer Azulejos sensibilisieren. 
Nicht nur Politik und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<img align="right" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/19_01_azulejo-dieb1.jpg" alt="Azulejo-Dieb" />Was wäre Portugal ohne seine <strong>Azulejos</strong>? Die meist großformatigen Wandmosaike aus blauen Kacheln schmücken bis heute viele Häuser und Kirchen im Land. In den letzten Jahren häufen sich jedoch die Fälle<strong> dreister Azulejo-Diebstähle</strong> im Land. Ein neues Projekt mit Namen &#8220;<strong>SOS Azulejo</strong>&#8221; will nun Käufer und Besitzer historischer Azulejos sensibilisieren. <span id="more-237"></span></p>
<p>Nicht nur Politik und Wirtschaft haben sich globalisiert &#8211; auch die <strong>Kriminalität</strong> agiert längst über Grenzen. Und neben Drogen- und Menschenhandel hat sich auch das Verschieben <strong>geraubter Kunst</strong> zum lukrativen Geschäft entwickelt. Und in diesem düsteren Business sind die blau strahlenden historischen <strong>Azulejos aus Portugal </strong>ein überaus lohnendes Objekt: Sie sind wertvoll &#8211; und leicht zu transportieren .&#8221;Was gibt es Besseres, um Geldwäsche zu betreiben?&#8221; fragt dann auch Leonor Sá vom Museum der portugiesischen<em> Polícia Judiciária</em> in der Wochenzeitung &#8220;<a target="_blank" href="http://www.sol.pt" title="SOL">Sol</a>&#8220;.</p>
<p>Und so hat die Zahl der Fälle von geraubten Azulejos in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Allein im Jahr 2006 zählte die Polizei nur im Großraum Lissabon <strong>über 30 Fälle von Azulejo-Diebstahl </strong>- mit einer wesentlich höheren Dunkelziffer. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/19_01_azulejo.jpg" alt="Azulejos in Lissabon" /><br />
<em>Vorsicht, Azulejo-Piraten! Ausschnitt eines Azulejo in Lissabon. Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/zoe52/217224015/" title="Flickr-Fotoseite">zoe52 auf Flickr</a></em></p>
<p>Die Diebe schlagen vor allem in <strong>leer stehenden Landhäusern und Quintas</strong> vor den Toren Lissabons zu. Diese Häuser sind oftmals unzureichend geschützt &#8211; und die Azulejo-Klauer haben alle Zeit der Welt, die Kacheln von den Wänden abzulösen. Auch <strong>zahlreiche Häuser in Lissabons Innenstadt</strong> wurden schon ihrer Azulejos entledigt: Selbst auf der Burg von Lissabon, dem Castelo de São Jorge, verschwand vor ein paar Jahren ein<strong> großes Wandmosaik</strong>, das unsere liebe Frau von Karmel mit dem Jesuskind darstellte (siehe Auflistung unten).</p>
<p>Leonor Sá bestätigt, dass die Räuber normalerweise &#8220;sehr genau&#8221; wüssten, auf welche Azulejos sie es abgesehen hätten &#8211; offensichtlich erfolgen einige Diebstähle aufgrund<strong> gezielter Bestellungen</strong> wohlhabender Kunstsammler. Und oftmals verrichten die Täter ihr Werk ganz offen, wie der Lissaboner Architekt Fernando Jorge bei einem Spaziergang durch die Stadt feststellen musste. Er <a target="_blank" href="http://cidadanialx.blogspot.com/2007/02/fernando-pessoa-azulejos-arte-nova-e.html" title="Fernando Pessoa, azulejos Arte Nova e a brutalidade de Lisboa ">erwischte einen Azulejo-Dieb in flagranti</a>, wie er sich am heruntergekommenen <strong>ehemaligen Wohnhaus von Fernando Pessoa</strong> in der Avenida Casal Ribeiro 1 zu schaffen machte. Auch die eilig herbeigerufene Polizei konnte in diesem Fall nichts mehr ausrichten.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/19_01_azulejodiebstahl.jpg" alt="Ein Azulejodiebstahl an der Avenida Casal Ribeiro 1" /><br />
<em>Illegale Ablösung von Azulejos am ehemaligen Wohnhaus von Fernando Pessoa in der Avenida Casal Ribeiro. Foto: Fernando Jorge, Lissabon</em></p>
<p>Die <em>Polícia Judiciária </em>will dem Treiben der Azulejo-Diebe nun mit einer<strong> Informationskampagne</strong> unter dem Titel &#8220;<strong>SOS Azulejo</strong>&#8221; entgegen treten. Das Projekt, gestartet im März vergangenen Jahres unter Leitung von Leonor Sá, beginnt langsam, Fahrt aufzunehmen. <strong>Wichtigster Meilenstein</strong> wird am 28. Februar 2008 die Freischaltung einer Website unter der Adresse <a target="_blank" href="http://www.sosazulejo.com" title="SOS Azulejo">www.sosazulejo.com</a> sein.</p>
<p><img align="left" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/19_01_sosazulejo.jpg" alt="Logo SOS Azulejo" />Die Website wird Informationen für Azulejo-Käufer wie auch für Besitzer von Häusern mit alten Azulejos enthalten &#8211; sowie über eine<strong> Bilddatenbank geraubter Azulejos </strong>verfügen. Information hilft schon weiter &#8211; denn bereits mit einfachen Handlungsanweisungen könnte man dem Problem des Azulejo-Diebstahls entgegenschreiten, erklärt Leonor Sá.</p>
<p>So sollten <strong>Käufer </strong>historischer Azulejos auf einen <strong>genauen Herkunftsnachweis</strong> achten. Und für <strong>Besitzer von Azulejos</strong> gilt, dass sie ihre kunsthistorischen Schätze besser schützen und zumindest auch &#8211; zum Beispiel mit Fotos &#8211; dokumentieren müssten.</p>
<p>Vorbild der Kampagne &#8220;SOS Azulejo&#8221; ist die vor drei Jahren gestartete Aktion &#8220;<a target="_blank" href="http://www.igrejasegura.com.pt/" title="Igreja Segura">Igreja Segura</a>&#8220;, die ebenfalls auf<strong> Prävention durch Information</strong> setzte. In der Zwischenzeit konnte dank dieser Aktion die Zahl an Kunstdiebstählen aus Kirchen verringert werden. Man kann nur hoffen, dass der <strong>Erfolg der Azulejo-Kampagne</strong> ähnlich ausfallen wird &#8211; und wir die Mosaike auch weiterhin dort bestaunen dürfen, wo sie hingehören: An der Wand.</p>
<h2><strong>Azulejo-Diebstahl: Schwere Fälle in den letzten Jahren*</strong></h2>
<ul>
<li><strong>Nossa Senhora das Prazeres, Amadora:</strong> Innerhalb von drei Tagen wurden im <strong>April 2006</strong> tausende Azulejos aus einem Landhaus bei Buraca entwendet.</li>
<li><strong>Palácio de Marques de Pômbal, Oeiras:</strong> Im <strong>Dezember 2006</strong> wurde in diesem vom ungarischen Architekten Carlos Mardel erbauten Palast aus dem 18. Jahrhundert der Diebstahl eines Wandmosaiks von 1770, bestehend aus 72 Kacheln, festgestellt.</li>
<li><strong>Largo da Trindade, Lissabon:</strong> Innerhalb einer Woche im Mai 2002 wurden im Haus mit der Nummer 16 am Largo da Trindade (Chiado) rund 225 Azulejo-Kacheln aus dem Jahr 1730 entwendet.</li>
<li><strong>Palácio Belmonte, Lissabon: </strong>In <a target="_blank" href="http://www.palaciobelmonte.com/" title="Palacio Belmonte">diesem Palast</a> direkt an der Lissaboner Burg, Drehort von Wim Wenders&#8217; Film &#8220;Lisbon Story&#8221;, verschwanden im<strong> Januar 2001</strong> 17 Wandmosaike mit Azulejos aus dem 18. Jahrhundert</li>
<li><strong>Castelo de São Jorge, Lissabon:</strong> Auch in der Burg von Lissabon selbst kam es im <strong>Mai 2000 </strong>zu einem Diebstahl eines Azulejo-Wandbildes aus dem 18. Jahrhundert</li>
<li><strong>Igreja de Santa Luzia, Lissabon: </strong>Im <strong>Sommer 1996</strong> entwendeten Diebe ein großes Azulejos-Wandbild, das den Terreiro do Paço vor dem großen Erdbeben von 1755 zeigte. Auch der der Kirche vorgelagerte Miradouro verfügt über schöne Azulejos, die sich aufgrund von Bauarbeiten in einem <a href="http://www.portugalmania.de/land-leute/lissabon-land-leute/2007/lissabons-schonster-aussichtspunkt-in-gefahr-ist-der-miradouro-de-santa-luzia-noch-zu-retten/" title="Miradouro Santa Luzia - portugalmania.de">erbarmungswürdigen Zustand</a> befinden.</li>
<li><strong>Convento dos Capuchos, Sintra:</strong> Einer der ersten registrierten Fälle von Azulejo-Diebstahl. Im <strong>Jahr 1984</strong> verschwanden aus einer Kapelle des Kapuzinerkonvents ein wertvolles Wandbild von der Geißelung Christi. Auch mehr als 20 Jahre später fehlt von den Azulejos jede Spur.</li>
</ul>
<p><em>*Quelle: Wochenzeitung Sol, 12. Januar 2008</em></p>
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		<title>Massenware &#8220;made in China&#8221; entzieht portugiesischen Arraiolos-Teppichen den Boden</title>
		<link>http://www.portugalmania.de/2007/11/massenware-made-in-china-entzieht-portugiesischen-arraiolos-teppichen-den-boden/</link>
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		<pubDate>Sat, 24 Nov 2007 17:47:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alentejo]]></category>
		<category><![CDATA[Kunsthandwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Arraiolos]]></category>
		<category><![CDATA[Mauren]]></category>
		<category><![CDATA[Teppich]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Sie gehören zum Edelsten, womit sich portugiesische Häuser schmücken: Die handgearbeiteten Teppiche aus Arraiolos, einem kleinen Städtchen im Alentejo nahe Evora. Bei bis zu 40.000 Stichen pro Quadratmeter brauchen selbst erfahrene Teppichknüpfer Wochen, um einen Teppich fertig zu stellen. Doch die einzigartige Tradition ist bedroht: Massenware aus China macht den portugiesischen Arraiolos-Herstellern das Leben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Sie gehören zum Edelsten, womit sich portugiesische Häuser schmücken: Die<strong> handgearbeiteten Teppiche aus Arraiolos</strong>, einem kleinen Städtchen im Alentejo nahe Evora. Bei bis zu 40.000 Stichen pro Quadratmeter brauchen selbst erfahrene Teppichknüpfer Wochen, um einen Teppich fertig zu stellen. Doch die einzigartige Tradition ist bedroht: Massenware aus China macht den portugiesischen Arraiolos-Herstellern das Leben immer schwerer.  <span id="more-146"></span></p>
<p>Wer den Botanischen Garten in Lissabon durch seinen oberen Ausgang an der Rua da Escola Politécnica verlässt, passiert auf der gegenüberliegenden Straßenseite <strong>ein ganz besonderes Teppichgeschäft</strong>: Das &#8220;<a href="http://www.casatapetesarraiolos.com/" title="Casa dos Tapetes de Arraiolos" target="_blank">Casa dos Tapetes de Arraiolos</a>&#8220;. Es sind nicht Orientteppiche, die hier verkauft werden &#8211; sondern ausschließlich &#8220;Arraiolos&#8221;, <strong>handgestickte Teppiche</strong> aus dem gleichnamigen Ort im Alentejo.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/24_11_arraiolos-wolle.jpg" alt="Wolle für Teppiche aus Arraiolos" /><br />
<em>Beste Wolle für beste Teppiche: Gesehen in der Lissaboner Wollhandlung &#8220;Lãs Imperial&#8221;. <a href="http://www.flickr.com/photos/taniaho/115276793/">Foto: Tania Ho auf FLICKR</a></em></p>
<p>Schon ein Blick in die Schaufensterauslage zeigt: <strong>Günstig sind diese Teppiche nicht gerade.</strong> Der Preis für einen Arraiolos kann schnell in die Tausende gehen. Aus gutem Grund: Denn in jedem Teppich aus dem Alentejo stecken viele Tage mühsame Handarbeit. Zum Einsatz kommen nur hochwertige Rohstoffe meist aus Portugal selbst: <strong>Reine Wolle</strong>, die noch mit Nadel und mit <strong>bis zu 40.000 Stichen pro Quadratmeter</strong> zu einem meist aus hellen Farbtönen bestehenden Muster geknüpft werden.Als Untersatz wurde lange Zeit meist <strong>Leinen</strong> verwendet. Heute werden die Arraiolos üblicherweise <strong>auf Juteböden geknüpft</strong>.</p>
<p>Billigere Varianten verwenden neuerdings auch Mustervorlagen, auf denen die Einstichlöcher und Muster bereits vorgedruckt sind &#8211; in der traditionellen Herstellung muss sich die Teppichknüpferin (heute ist es meist ein Frauenhandwerk) auf ihren <strong>eigenen Blick und Sachverstand </strong>verlassen. Rund 15 Tage benötigen selbst erfahrener Teppichknüpfer, um einen Quadratmeter Fläche fertig zu stellen. Und auch der Abschluss eines Arraiolos erfordert Geschick &#8211; denn Salleiste (Geweberand) und Fransen werden in einem Arbeitsschritt gefertigt.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/24_11_arraiolos.jpg" alt="Arraiolos-Knüpferin in Portugal" /><br />
<em>Eine Arraiolos-Knüpferin bei der Arbeit in ihrem Geschäft. <a href="http://www.flickr.com/photos/marcopolo1949/1285442737/">Foto: &#8220;marcopolo19492000&#8243; auf FLICKR</a></em></p>
<p align="left"> Eher Kunststück als Gebrauchsgegenstand: So verwundert es nicht, dass Generationen von portugiesischen Familien auf einen Arraiolos-Teppich als <strong>Schmuckstück für ihr Heim</strong> hinsparten. &#8220;Er ist Wunsch von vielen, aber nur Privileg von wenigen&#8221;, schrieb der Correio de Manhã noch vor vier Jahren <a href="http://www.correiomanha.pt/noticia.asp?idCanal=0&amp;id=64613" title="Ein Tag im Leben einer Teppichknüpferin (Portugiesisch)" target="_blank">in einem Beitrag über einen Tag im Leben einer Teppichknüpferin</a>.Doch warum zum Original greifen, <strong>wenn es billiger geht</strong>? Seit einigen Jahren sind vor allem die großen Kaufhäuser und Shoppingzentren in das Geschäft mit handgeknüpften Arraiolos eingestiegen. Nun, nicht ganz die echten Arraiolos: Was dort günstig angepriesen wird, sind <strong>Kopien aus China</strong>. Als die ersten Arraiolos-Imitate in die portugiesischen Läden schwappten, reagierte die Branche noch gelassen: Die Qualität der Importware war zu schlecht, als dass dies eine echte Gefahr für die echten Arraiolos darstellen würde.</p>
<p>Doch auch diese Zeiten haben sich geändert, wie die Wochenzeitung <em>Sexta</em> in ihrer neuen Ausgabe berichtet: Selbst Experten könnten zumindest auf den ersten Blick <strong>kaum noch einen qualitativen Unterschied</strong> zwischen chinesischen und portugiesischen Arraiolos erkennen, heißt es dort. Gingen die Imitate der ersten Generation noch wegen ihrer schlechten Materialien bald wieder kaputt, so haben die Chinesen kräftig aufgeholt: Sie verwenden die <strong>gleichen hochwertigen Ursprungsmaterialien</strong> für die Herstellung der Teppiche wie die portugiesischen Manufakturen. Und auch das notwendige Know-how hat man sich angeeignet &#8211; es heißt sogar, dass viele chinesische Teppichknüpfer eigens einen <strong>Kurs zur Arraiolos-Herstellung</strong> in Portugal  belegt haben. So manch ein traditioneller Teppichhändler vermutet, dass die großen Supermarktketten hinter diesem Wissenstransfer nach Fernost stünden.</p>
<p>So gibt es vielfach nur noch<strong> einen großen Unterschied</strong> zwischen Arraiolos aus Portugal und China: Den Preis. Denn selbst wohlwollend gerechnet verdient ein chinesischer Arbeiter weitaus weniger als sein ebenfalls nicht gerade üppig bezahlter portugiesischer Kollege. Das sorgt für <strong>Preisdifferenzen</strong>, die dem traditionellen Teppichknüpfhandwerk in Portugal die Luft abzuschnüren droht.</p>
<p>Die Branche ist in heller Aufregung. So wird der Ruf nach einem <strong>Qualitätssiegel für Teppiche made in Portugal </strong>immer lauter. Ein derartiges Bestreben hängt bereits seit fünf Jahren im Gestrüpp der staatlichen Entscheidungsprozesse fest. Und auch unter den Arraiolos-Herstellern selbst gärt es: Sogar Teppichhändler im Herstellungsort Arraiolos würden schon <strong>chinesische Importware verscherbeln</strong>, beklagt etwa António Rodrigues vom Casa dos Tapetes de Arraiolos im Gespräch mit &#8220;Sexta&#8221;.</p>
<p>Vermutlich eine Verzweiflungstat der Händler in Arraiolos &#8211; denn der <strong>Niedergang der Branche</strong> ist unübersehbar. Gab es in Arraiolos Anfang der 90er Jahre laut &#8220;Sexta&#8221; noch  25 Teppichmanufakturen mit insgesamt rund 1.000 Angestellten, so sind davon heute nur noch 14 Teppichhersteller übrig geblieben, die gerade einmal 100 Menschen Arbeit geben.</p>
<p>Damit steht eine Jahrhunderte alte Tradition auf dem Spiel. Das Handwerk geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf <strong>Mauren und Juden zurück</strong>, die nach der Eroberung Lissabons durch christliche Truppen im 13. Jahrhundert den Weg nach Nordafrika antraten. Einige dieser Flüchtlinge ließen sich dann im Alentejo-Nest Arraiolos nieder. Hier, in dieser kargen, steinigen Landschaft, fanden sie <strong>alles, was man für das Teppichmachen so benötigt</strong>: Große Schafherden, die für die notwendige Wolle sorgten &#8211; sowie Pflanzen, mit denen man die Rohstoffe einfärben konnte. Arraiolos entwickelte sich &#8211; neben dem  ebenfalls alentejanischen Portalegre &#8211; zu einem<strong> Zentrum der Teppichherstellung</strong> in Portugal, dessen wertvolle Produkte Paläste und Herrschaftshäuser in der ganzen Welt schmücken sollten.</p>
<p>Nicht nur die Herstellungsweise, auch das Aussehen und die Gestaltung von Arraiolos hat sich über die Jahrhunderte hinweg bewahrt. Ein typischer Arraiolos verfügt in seiner Mitte über ein<strong> zentrales Ornament</strong>. Darum herum ist die Fläche des Teppichs in vier Bereiche aufgeteilt, in denen die Muster symmetrisch zueinander angeordnet werden. <font size="2"><span class="a"></span></font></p>
<p>So sehr nun die Teppichknüpfer von Arraiolos um ihr Überleben auf dem Weltmarkt kämpfen, so unverhofft erleben die Teppiche von Arraiolos andernorts ihre Blüte: Denn nicht nur in Portugal, sondern auch zum Beispiel in Spanien oder England entdecken immer mehr Menschen den Reiz des <strong>Arraiolos-Knüpfens als Freizeitbeschäftigung</strong>. In Lissabon <a href="http://arraiolos.home.sapo.pt/" title="Kurse zur Arraiolos-Herstellung in Lissabon" target="_blank">werden schon Kurse angeboten</a>, und auch <a href="http://www.serranofil.pt/product1.html" target="_blank">Vorlagenbücher zum Teppichknüpfen</a> verkaufen sich bestens. Und selbst das Casa dos Tapetes de Arraiolos in Lissabon verkauft diese Schnitte zu einem günstigen Preis <a href="http://www.casatapetesarraiolos.com/en/kits.htm" title="Kits zur Arraiolos-Herstellung" target="_blank">über seine Internetseite</a> &#8211; ein Versuch, das <strong>Wissen um den Wert der traditionellen Arraiolos</strong> am Leben zu erhalten.</p>
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