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	<title>portugalmania.de &#187; Geschichte</title>
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	<description>Das portugiesische Logbuch im Netz :: Portugal Blog</description>
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		<title>Die (portugiesischen) Stimmen der Vergangenheit, sie wispern noch: Malakka ist jetzt Weltkulturerbe</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2008 17:54:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entdeckungen]]></category>
		<category><![CDATA[Afonso de Albuquerque]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Malakka]]></category>
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		<description><![CDATA[ 	Zu den 27 soeben von der UNESCO frisch ernannten Weltkulturerbestätten gehört auch Malakka. Selten passte der Titel &#8220;Weltkulturerbe&#8221; besser auf einen Ort als auf die Hafenstadt in Malaysia: Über Jahrhunderte hinweg war Malakka eine kulturelle und wirtschaftliche Drehscheibe der Welt, ein frühes Experiment der Globalisierung. Und auch die Portugiesen mischten einst in Malakka kräftig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Zu den 27 soeben von der UNESCO frisch ernannten Weltkulturerbestätten gehört auch Malakka. Selten passte der Titel &#8220;Weltkulturerbe&#8221; besser auf einen Ort als auf die Hafenstadt in Malaysia: Über Jahrhunderte hinweg war Malakka eine kulturelle und wirtschaftliche Drehscheibe der Welt, ein frühes Experiment der Globalisierung. Und auch die Portugiesen mischten einst in Malakka kräftig mit &#8211; und hinterließen Spuren, die im Malakka von heute nur mit Mühe entdeckt werden können. <span id="more-397"></span></p>
<p>Als die britische <strong>Reiseschriftstellerin Isabella Bird</strong> im Jahre 1886 Malakka besuchte, fand sie statt einer mythischen und belebten Hafenstadt nur noch ein verschlafenes Nest vor: &#8220;Sehr ruhig, heiß, <strong><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;">tropisch, verschlafen und verträumt</span> </span></strong>wirkt Malakka wie eine Stadt völlig außerhalb der Zeiten.&#8221;</p>
<p>Kaum etwas schien vom früheren Ruf Malakkas übrig geblieben zu sein. Kaum noch ein großes Handelsschiff steuerte noch den einstigen Umschlagsplatz für Gewürze an. Der einstige Mittelpunkt Südostasiens schien an den Rand gewandert zu sein &#8211; an den Rand der Geographie und an den <strong>Rand der Zeit.</strong> In merkwürdiger Manier spiegelt Malakka so auf asiatischer Seite das Schicksal <strong>Lissabons</strong>, der ebenfalls einst Mächtigen und bald schon großen Melancholischen unter den Städten Europas.</p>
<p>Lange Zeit durch die Handelsbeziehungen über die Gewürzroute eng verbunden (und seit 1984 wieder mit einer Städtepartnerschaft geeint) erlebten Lissabon und Malakka gleichermaßen den <strong>Aufstieg und Fall der portugiesischen Expansion</strong>. Mit dem Aufkommen neuer Mächte verabschiedeten sich beide Städte in den <strong>morbiden Charme</strong> einer alternden Schönheit, die längst nicht mehr mit den jungen und ehrgeizigen Bräute mithalten konnte &#8211; aber noch viele Geschichten aus bewegteren Tagen erzählen konnte.</p>
<p>Genau diese Fülle an Geschichten, das Wispern der Erzählungen an jeder Ecke von Malakka, das faszinierte dann auch die anfänglich so enttäuschte Isabella Bird: &#8220;Der Lärm der modernen Welt erreicht die Stadt nur in ihren entferntesten Echos,&#8221; schrieb Bird in ihrem Buch <em>The Golden Chersonese</em>: &#8220;Der Schlaf der Stadt ist nahezu traumlos.&#8221;</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-401" title="Uhrmacher in Malakka" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/12_07_malakka-time.jpg" alt="" width="332" height="500" /><br />
<em>Zeiten kommen, Zeiten gehen: Ein Uhrmacher in der historischen Altstadt von Malakka. Foto: <a title="Flickr-Fotoseite" href="http://www.flickr.com/photos/juin/70327203/" target="_blank">Juin Hoo auf Flickr</a></em></p>
<p>Es genügt, einfach <strong>lauschend durch die Gassen</strong> von Malakka zu streifen, um die hier in fünf Jahrhunderten angesammelte Geschichten wieder zum Klingen zu bringen. Den Stimmen der Vergangenheit und der Gegenwart zuhören war auch der Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt &#8220;<strong>Malacca &#8211; Voices from the street</strong>&#8220;. In jahrelanger Arbeit zogen der Portugiese Fernando Jorge und sein malayischer Partner Lim Huck Chin durch Malakka, um <strong>Geschichte und Gegenwart</strong> der Stadt aufzuschreiben &#8211; und für die Zukunft aufzubewahren:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir begannen damit, den Stimmen von normalen Einwohnern Malakkas zu lauschen. Wir hörten auf die Straßen der Stadt, wenn wir die versteckten Ecken und verlassenen Gässchen aufsuchten. Wir hörten auf die Häuser und die Tempel, auf die Ruinen und Friedhöfe. Selbst auf das Murmeln und Gewisper der verlassenen Räume. Wir hörten an jeder Ecke, bei jedem Schritt. Auf die Lebenden und die Toten. Die Vergangenheit und die Gegenwart. In der Hoffnung, die Geschichte eines außergewöhlichen Ortes und seiner Menschen würde erzählt werden. Und wir hörten sie sprechen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Erzählungen von Malakka könnten endlos sein &#8211; und setzen sich zusammen aus einem Flickenteppich der unterschiedlichsten Sprachen, Kulturen und Religionen. Von Chinesen an strategisch günstiger Stelle als <strong>Umschlagsort für Gewürze</strong> von den Molukken gegründet, entwickelte sich Malakka bald zu einem der <strong>führenden Handelszentren Südostasiens</strong>: Ein Treffpunkt für Chinesen, Inder und Araber. Anfang des 15. Jahrhunderts ließ sich dann der Sultan Parameswara aus dem indonesischen Handelsstaat Srivijaya in Malakka nieder und gründete ein malayisches Sultanat. 1414 nahm Parameswara muslimischen Glauben an und leitete so die Islamisierung Südostasiens ein. Zur Staatsreligion wurde der Islam aber nicht: Weiterhin wurde munter in Malakka gehandelt, und es waren vor allem ausländische Kaufleute vor allem aus Indien und China, die die Hafenstadt dann groß machten.</p>
<h2>Florierendes Handelszentrum für die Welt</h2>
<p>In die Zeit von Sultan Parameswara fällt denn auch der <strong>beispiellose Aufstieg Malakkas</strong> als zunächst regionales und später <strong>globales Handelszentrum</strong>. Die Stadt entwickelte sich zum Anziehungspunkt für Menschen aus der gesamten asiatischen Welt. Die wohlhabenden Herrscher und Kaufleute Malakkas leisteten sich ein &#8211; für europäische Verhältnisse &#8211; kaum vorstellbares Luxus. Um die Stadt zu ernähren, fuhren Jahr für Jahr 50 bis 60 Dschunken von Zentral-Java nach Malakka, jeweils beladen mit <strong>15.000 Tonnen Reis</strong>. Malakka muss ein wahrer Schmelztiegel der Kulturen, Sprachen und Religionen gewesen sein: Historiker berichten, dass im 15. Jahrhundert <strong>84 Sprachen</strong> in der Stadt gesprochen wurden. Bei so viel Vielfalt gab es fast nur ein einziges einigendes Band: Die malayische Sprache, die sich als Lingua Franca für den Handel in Asiens Hafenstädte etablierte.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="alignnone size-medium wp-image-398 aligncenter" title="Fortaleza de Malacca" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/12_07_fortaleza-malacca-300x204.jpg" alt="Das Fort von Malakka, A Formosa" width="300" height="204" /><br />
<em>Das portugiesische Fort &#8220;A Formosa&#8221; in Malakka. Karte ca. aus dem Jahr 1630. Quelle: <a title="Wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Malacca_1630.jpg" target="_blank">Wikipedia</a></em></p>
<p>Der Reichtum Malakkas blieb natürlich auch in Europa nicht unbemerkt. Vor allem die Portugiesen, die im Wettlauf mit Spanien wie besessen den Seeweg nach Indien aufspüren wollten, zeigten sich an den Handelsmöglichkeiten von Malakka interessiert. Und es war ja auch klar: Wer in Malakka Fuß fassen konnte, hatte unmittelbaren Zugriff auf die <strong>lukrative Gewürzroute</strong>. Den Gewürzhandel zwischen Asien und Europa beherrschten damals noch die Araber. So waren die portugiesischen Expeditionen nach Asien auch weniger vom Motiv geleitet, Land zu gewinnen als das <strong>arabische Handelsmonopol zu brechen</strong>.</p>
<p>Vor genau 500 Jahren unternahm der damalige portugiesische König Manuel I. den ersten Versuch, Verbindung mit Malakka aufzunehmen. Am 5. April 1508 verabschiedete der König in Lissabon eine Handelsflotte unter Führung von Diogo Lopes de Sequeira, um einen <strong>Stützpunkt in Malakka </strong>aufzubauen.</p>
<p>Die Araber waren von der neuen Konkurrenz aus Westeuropa freilich alles andere als begeistert &#8211; und wehrten deshalb die Ankunft der Portugiesen in Malakka mit aller Macht ab. Sequeira konnte fliehen, musste aber <strong>einige seiner Männer in Asien zurücklassen</strong> &#8211; einige starben bei den Gefechten, andere gerieten in malayische Gefangenschaft. Die portugiesischen Gefangenen, so schreiben Fernando Jorge und Lim Huck Chin in &#8220;Voices from the street&#8221;, waren denn auch interessanterweise die<strong> ersten Kontaktpersonen zwischen Ost und West</strong>. Denn sie schafften es, die malayische Sprache zu erlernen und Botschaften nach Hause zu übermitteln.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-400" title="Fortaleza Malakka" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/12_07_fortaleza-malacca2.jpg" alt="" width="500" height="375" /><br />
<em>Was vom Fortaleza übrig blieb: Das Santiago-Tor (Porta do Santiago). Foto: <a title="Flickr-Fotoseite" href="http://www.flickr.com/photos/ianlloyd/322571115/" target="_blank">lloydi auf Flickr</a></em></p>
<p>Portugal verfügte bald also über bessere Kenntnisse der Lage in Malakka und wagte drei Jahre <strong>einen zweiten Anlauf</strong>. Dieses Mal führte Afonso de Albuquerque die Mission an, und zunächst schien alles glatt zu laufen: Am 1. Juli 1511 betrat Albuquerque malakkischen Boden und versuchte, wie damalige Chronisten berichten, zunächst <strong>Signale des Friedens</strong> auszusenden. Dennoch eskalierten bald Aggressionen gegen die portugiesischen Neuankömmlinge, so dass Albuqerque doch zu den Waffen griff.</p>
<p>Am <strong>15. August 1511</strong> fiel Malakka dann endgültig unter portugiesische Gewalt. Damit eroberte sich das aufstrebende portugiesische Weltreich östlich des bereits etablierten Stützpunktes Goa einen Handelsposten, von dem aus das gewinnbringende Gewürzgeschäft aufgerollt werden konnte. Und obwohl Afonso de Albuquerque auch das gewaltige Fort &#8220;A Formosa&#8221; errichtete, hielt er sich <strong>nicht allzu viel mit Machtpolitik </strong>auf. Vielmehr versuchte er mit aller Macht, den Handel am Leben zu erhalten. Und das mit viel Multi-Kulti: Albuquerque förderte beispielsweise Ehen zwischen Portugiesen und Einwohnern Malakkas &#8211; und baute auf die Loyalität einer zunehmend gemischten portugiesisch-asiatischen Bevölkerung.</p>
<p>Mit der Dominanz der Portugiesen veränderte auch Malakka langsam sein Gesicht: Bauten die Neuankömmlinge ihre Häuser zunächst noch im lokal üblichen Stil, nämlich mit Holz, so entstanden nach und nach immer mehr Gebäude aus Stein in <strong>europäischer Bauweise</strong>. Neben Wohn- und Geschäftshäusern wurden auch viele Kirchen gebaut &#8211; im Zuge der Händler erreichten schließlich auch die katholischen Missionare Asien. Berühmtester Besucher unter ihnen war der Jesuitenpater <strong>Francisco de Xavier </strong>im Jahr 1545, auf dessen Betreiben auch die heute einzige noch in Teilen erhaltene portugiesische Kirche &#8220;<strong>Nossa Senhora de Monte</strong>&#8221; entstand. Die später St. Paul genannte Kirche diente zeitweise auch als Begräbnisstätte für Francisco de Xavier.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.flickr.com/photos/e-chan/406635413/"><img class="alignnone size-full wp-image-399 aligncenter" title="Texturen der St. Paulskirche" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/12_07_stpauls.jpg" alt="" width="500" height="375" /><br />
</a><em>Texturen der Vergangenheit: Eine Detailaufnahme der St. Paulskirche in Malakka. Foto: </em><a href="http://www.flickr.com/photos/e-chan/406635413/"><em></em></a><em><a title="Flickr-Fotoseite" href="http://www.flickr.com/photos/e-chan/406635413/" target="_blank">e-chan auf Flickr</a></em></p>
<p>Wer heute nach den portugiesischen Zeugnissen in Malakka sucht, muss sich nur noch mit <strong>versteckten Resten</strong> zufrieden geben. Im Jahr 1641 übernahmen die Holländer das Kommando, gefolgt von den Briten &#8211; und beide stülpten auch dem Bild der Stadt ihre Vorstellungen über. Anfang des 19. Jahrhunderts begann die <strong>Abtragung des portugiesischen Forts</strong> &#8211; dies zum Teil aber unter heftigen Protesten der Bevölkerung.</p>
<p>Mit dem Fall von Malakka an die neuen Machthaber setzte auch der <strong>schleichende Niedergang der Stadt</strong> ein. Für Holländer wie für Briten war Malakka nur noch ein Nebenschauplatz &#8211; bei den Niederländern hatte Batavia die Rolle als Handelszentrum übernommen, für das britische Königreich war später dann <strong>Singapur die Referenz</strong>. Von der imposanten Befestigungsanlage &#8220;A Formosa&#8221; ist lediglich ein kleines Tor übrig geblieben. Die St. Paulskirche ist &#8211; in Teilen &#8211; erhalten. Eine kleine <strong>Kristang-Gemeinschaft</strong> pflegt bis heute noch die portugiesische Sprache.</p>
<h2>UNESCO-Weltkulturerbe Malakka: Konflikte vorprogrammiert</h2>
<p>Malakka, heute eine Stadt mit gut 300.000 Einwohnern, fasziniert wie schon vor hundert Jahren Isabella Bird noch immer durch das reiche kulturelle Erbe. Aus diesem Grund ernannte die UNESCO kürzlich bei ihrer Vollversammlung in Kanada <strong>Malakka </strong>(auf malayisch: Melaka) gemeinsam mit der britischen Gründung <strong>George Town</strong> zum <a title="UNESCO Weltkulturerbe Malakka" href="http://whc.unesco.org/en/list/1223" target="_blank">UNESCO-Weltkulturerbe</a>: &#8220;Die Einflüsse Asiens und Europas haben die Städte mit einem <strong>speziellen multikulturellen Erbe</strong> ausgestattet, das berührbar und auch nicht berührbar ist,&#8221; heißt es in der Begründung.</p>
<p>Der besondere Schutz von Malakka kommt gerade zur rechten Zeit &#8211; und wird möglicherweise auch zu manch einem Konflikt führen. Denn Lim Huck Chin und Fernando Jorge weisen in &#8220;Malacca &#8211; Voices from the street&#8221;  besorgt darauf hin, dass das historische Stadtzentrum von Malakka <strong>in höchster Gefahr </strong>ist. Immer mehr Gebäude der historischen Altstadt, ja, ganze Straßenzüge verschwinden mittlerweile, um im Namen eines kurz gedachten Fortschritts<strong> gesichtslosen Neubauten</strong> Platz zu machen. An vielen Stellen ist das 2006 erschienene Werk bereits zu einem Dokument verlorener historischer Orte in Malakka geworden.</p>
<p>Noch wispern die alten Mauern Malakkas von den Begebenheiten der Vergangenheit. Von den goldenen Zeiten, als Malakka ein <strong>Treffpunkt der Kulturen</strong> war &#8211; ein erstes Positivbeispiel für die Globalisierung. Doch die Gefahr ist groß, dass die Stimmen bald verstummen &#8211; und vom monotonen Dröhnen der Moderne übertönt werden. Es bleibt zu hoffen, dass der UNESCO-Schutz für ein <strong>Umdenken </strong>sorgt.</p>
<p>Das Buch &#8220;Malacca &#8211; Voices from the street&#8221; ist weltweit in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich. <a title="Malacca - Voices from the Street" href="http://www.malaccavoices.com/" target="_blank"><strong>Alle Informationen auf der Website zum Buch</strong></a></p>
<p><em>Die Autoren sind insbesondere im deutschsprachigen Raum noch an Buchhandlungen interessiert, die das Buch vertreiben möchten  &#8211; Kontakt auch über portugalmania (gilberto@portugalmania.de oder <a title="Kontaktformular zu Gilbert Schwartmann" href="http://www.portugalmania.de/about/impressum/" target="_blank">Kontaktformular</a>). </em></p>
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		<title>Schiffsfund vor Namibia: Eine letzte Spur zu Bartolomeu Dias?</title>
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		<pubDate>Sat, 03 May 2008 08:50:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entdeckungen]]></category>
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		<description><![CDATA[ 	Ein kürzlich vor der Küste Namibias gefundenes Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert gibt viele Rätsel auf. Technisch gesehen war das vermutlich aus Portugal oder Spanien stammende Schiff ziemlich marode &#8211; und doch voll beladen mit Reichtümern und Kostbarkeiten. Handelt es sich hier etwa um das Boot, das den  portugiesischen Entdecker Bartolomeu Dias auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Ein kürzlich vor der Küste Namibias gefundenes Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert gibt viele Rätsel auf. Technisch gesehen war das vermutlich aus Portugal oder Spanien stammende Schiff ziemlich marode &#8211; und doch voll beladen mit Reichtümern und Kostbarkeiten. Handelt es sich hier etwa um das Boot, das den  portugiesischen Entdecker Bartolomeu Dias auf seiner letzten Fahrt in die Tiefe riss?  <span id="more-350"></span></p>
<p>Das beginnende 16. Jahrhundert muss eine aufregende Zeit gewesen sein. Angelockt von den Reichtümern Asiens begannen die europäischen Staaten, insbesondere Portugal und Spanien, mit Macht die <strong>Suche nach neuen Handelsrouten</strong> aufzunehmen. Gerade die <strong>portugiesischen Seefahrer</strong> konnten große Erfolge verbuchen: Schon im Jahr <strong>1488 </strong>entdeckte <strong>Bartolomeu Dias</strong> das Kap der Guten Hoffnung. Wenige Jahre später gelang es dann Vasco da Gama, die Reise nach Indien komplett zu machen.</p>
<p>Vor 500 Jahren entwickelte sich allmählich vor der Atlantikküste Afrikas ein reger Schiffsverkehr. Jetzt galt es, den Handel mit Indien und fernöstlichen Ländern aufzubauen, neue Allianzen zu schmieden, sich handfeste <strong>Vorteile im beginnenden globalen Wettbewerb</strong> zu sichern. Und doch war die Technik längst nicht ausgereift: Entdecker wie Händler segelten mit wahren <strong>Nussschalen </strong>über die Weiten der gerade im südlichen Afrika auch vom Sturm aufgepeitschten Meere &#8211; ohne die heutigen nautischen Instrumente und mit noch geringen Kenntnissen über die Topographie des bereisten Gebiets.</p>
<p>So ist das vor wenigen Tagen vor der Küste Namibias gefundene Schiffswrack ein typisches Beispiel jener Zeit, als der<strong> Reiz des Reichtums</strong> stärker war als die Angst vor dem Untergang. Und es ist fast eine Ironie, dass einer der <strong>modernen Jäger</strong> nach Reichtümern, nämlich der südafrikanische Diamantenkonzern De Beers, nun das Wrack der Rohstoff-Sucher aus der alten Zeit gefunden hat. De Beers erforscht derzeit die Küste Namibias nach <strong>neuen Diamantenvorkommen</strong> &#8211; und schreckt dafür nicht zurück, mit künstlichen Dämmen Teile des Atlantiks trocken zu legen. Und kaum verschwand das Meer, so legte es einige Geheimnisse frei: Die Diamantensucher stießen auf <strong>Kupfer</strong>, und rasch wurde klar &#8211; hier könnte ein Schatzschiff geborgen worden sein. Über das Ende April frei gelegte Schiffswrack haben mittlerweile zahlreiche Medien weltweit berichtet (siehe zum Beispiel <a title="Artikel bei SPIEGEL ONLINE" href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,551077,00.html" target="_blank">SPIEGEL ONLINE</a> oder <a title=" Namibia finds treasure shipwreck" href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/7376259.stm" target="_blank">BBC</a>).</p>
<p>&#8220;<strong>Auf so einen Fund habe ich 20 Jahre gewartet&#8221;</strong>, jubelt der von De Beers zur Untersuchung des Schiffs eingesetzte Archäologe Dieter Noli nun. Und wer will es ihm verdenken? Denn das Wrack von Namibia könnte sich wirklich als wahre <strong>Schatztruhe für die Forschung </strong>erweisen. Zumindest birgt es viele Geheimnisse, die noch geklärt werden müssen. So hat Noli bereits jetzt Spuren der Arbeit von <strong>Holzwürmern </strong>in den Schiffswänden konstatiert: Bereits zum Zeitpunkt des Untergangs muss das Boot also <strong>recht betagt</strong> gewesen sein. Als einziges nautisches Instrument konnte ein Astrolabium, ein relativ ungenauer Vorgänger des heutigen Sextanten, geborgen werden.</p>
<p>So spärlich die <strong>technische Ausrüstung</strong> war, so üppig fiel die restliche Fracht aus. Das Schiff war voll beladen mit Reichtümern, und das macht die ganze Geschichte so rätselhaft: Goldmünzen aus Spanien, <strong>weitere Gold- und Silbermünzen aus Portugal</strong>, sowie große Mengen an Elfenbein und Kupfer. Das Kupfer, so spekuliert Noli, könnte die portugiesische oder spanische Regierung bestellt haben, um Material für neue Kanonen zu besorgen. <strong>Elfenbein </strong>war ebenfalls ein Handelsgut, das vom Adel kontrolliert wurde. Aber warum dann die vielen Münzen? Damit hätte die Fracht doch eigentlich bezahlt werden können? War der Kapitän ein Pirat, oder ein besonders gerissener Händler?</p>
<p>All das hat ihm am Ende nichts genutzt. Vermutlich kenterte das so hoffnungslos überladene Boot im Sturm und versank dann in den Tiefen des Meeres &#8211; bis es von den Schatzsuchern der Moderne wieder ans Tageslicht befördert wurde.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-351" style="vertical-align: middle;" title="03_05_dias" src="http://www.portugalmania.de/wp-content/03_05_dias.jpg" alt="Bartolomeu Dias vor der Küste des Kaps der Guten Hoffnung" width="319" height="400" /></p>
<p style="text-align: center;"><em>Stürmisches Meer, winzige Boote: Bartolomeu Dias bei der Entdeckung des Kaps der Guten Hoffnung. Eine Illustration aus dem Jahre 1902. <a title="Wikipedia" href="http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Bartolomeu_dia_cape_of_good_hope.jpg" target="_blank">Quelle: Wikipedia</a></em></p>
<p>Nun beginnt also die <strong>Suche nach der wahren Identität</strong> des &#8220;Schatzschiffes von Namibia&#8221;. Vieles spricht dafür, dass es aus Portugal stammt &#8211; und wer weiß, vielleicht war es ja sogar das <strong>letzte Schiff von Bartolomeu Dias</strong>. Dias, der mit seiner Entdeckung des Kaps der Guten Hoffnung eigentlich der wahre Wegbereiter für die Seeroute nach Indien war, konnte diesen großen Erfolg persönlich nie so richtig für sich ausnutzen. Es war Vasco da Gama, der vom König damals auf die finale Entdeckungsmission des Seewegs nach Indien geschickt wurde, und nicht Bartolomeu Dias: Warum dies so war, ist bis heute unklar.</p>
<p>Und auch bei der weiteren Mission fuhr Bartolomeu Dias nur als &#8220;<strong>Beifahrer</strong>&#8221; und Kommandant eines kleineren Schiffes mit: Es war die Entdeckungsreise, die <strong>Pedro Álvares Cabral</strong> im Jahr 1500 mit einer großen Flotte an Karavellen anführte. Ziel war wiederum Indien gewesen, doch die Schiffe trieben nach Westen ab und entdeckten so durch Zufall Brasilien.</p>
<p>Später fuhr die Cabral-Flotte dann über den Südatlantik weiter, um später doch noch Indien zu erreichen. Doch nur die wenigsten mitfahrenden Karavellen erreichten letzendlich Asien, und auch das Schiff von Bartolomeu Dias sank bei <strong>schweren Stürmen am 23. Mai 1500</strong> vor der Küste des südwestlichen Afrikas. Ob das nun gefundene Schiff das von Dias war, soll nun erforscht werden.</p>
<p>Die Forschungen könnten die vom Schatzschiff aufgeworfenen Fragen klären &#8211; Spanien und Portugal haben bereits ihre Mithilfe angekündigt. So könnte sich hier, knapp 8.000 Kilometer Luftlinie von Lissabon entfernt, endlich ein weiteres Puzzlestück für die <strong>Erforschung der portugiesischen Seefahrtsgeschichte</strong> hinzufügen lassen. Doch selbst, wenn das Geheimnis des Schatzschiffes von Namibia gelüftet werden sollte: Andere Rätsel bleiben bestehen. In Portugal findet zum Beispiel <a title="Christoph Kolumbus ein Portugiese?" href="http://www.colombo.bz/" target="_blank">die These immer mehr Gehör</a>, dass auch <strong>Christoph Kolumbus ein Portugiese</strong> war &#8211; der dann im spanischen Auftrage Amerika entdeckte. Wer weiß, ob das Meer eines Tages uns eine Antwort auf diese Frage aus der Tiefe der Geschichte an die Oberfläche zaubert.</p>
<p><em>Artikel erstellt unter Verwendung von Materialien aus <strong>Portugalnyt</strong>, dem führenden skandinavischen Portal zu Portugal: &#8220;<a title="Portugalnyt" href="http://www.portugalnyt.dk/blogs/nytfraportugal/archive/2008/05/01/Skat-kan-stamme-fra-portugisisk-skib-fra-opdagelsestiden-skattefund-Politiken-Namibia-Cristoffer-Columbus-Bartolomeus-Dias-Vasco-da-Gama.aspx" target="_self">Skat kan stamme fra portugisisk skib fra opdagelsestiden</a>&#8220;.</em></p>
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		<title>Der Blutabend von Lissabon. Ein Attentat versetzt der portugiesischen Monarchie den Todesstoß</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Feb 2008 18:31:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[ 	Selten zuvor war die politische Stimmung in Portugal so aufgeheizt wie im Winter des Jahres 1908. Am Abend des 1. Februar kam es dann zum Äußersten: Sechs republikanische Attentäter erschossen auf offener Straße König Dom Carlos und seinen Sohn Luís Filipe. Der „Lissaboner Blutabend&#8221; von 1908 bewegt noch immer die Gemüter in Portugal &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/02_02_regicidio_small.jpg" alt="02_02_regicidio_small.jpg" align="right" />Selten zuvor war die politische Stimmung in Portugal so aufgeheizt wie im Winter des Jahres 1908. Am <strong>Abend des 1. Februar</strong> kam es dann zum Äußersten: Sechs republikanische Attentäter erschossen auf offener Straße König Dom Carlos und seinen Sohn Luís Filipe. Der <strong>„Lissaboner Blutabend&#8221; von 1908</strong> bewegt noch immer die Gemüter in Portugal &#8211; Royalisten und Republikaner stehen sich selbst heute oft noch unversöhnlich gegenüber.</p>
<p><span id="more-250"></span>Als der portugiesische <strong>König Dom Carlos</strong> am späten Nachmittag des 1. Februar 1908 wieder Lissaboner Boden betrat, muss er um die <strong>Gefährlichkeit dieser Rückkehr</strong> in die Hauptstadt gewusst haben. <strong>Es brodelte in der Stadt.</strong> Immer offener, immer vehementer forderten die Republikaner ihr Recht auf politische Teilhabe in Portugal ein.</p>
<p>Um das Land stand es schon seit geraumer Zeit  nicht gut: 1892 musste Portugal einen<strong> teilweisen Staatsbankrott</strong> erklären. Seit Jahrzehnten war das Land einzig und allein vom wirtschaftlichen und <strong>politischen Wohlwollen Englands</strong> abhängig. Und auch alle nationalistischen Expansionspläne waren längst ausgeträumt: Schon zu Beginn von Dom Carlos&#8217; Amtszeit im Jahr 1889 scheiterten Portugals Bemühungen am Widerstand Englands, in Afrika einen <strong>Landkorridor</strong> zwischen den beiden Kolonien Mosambik und Angola zu schaffen.</p>
<p>Und so schleppte sich das Land von einer politischen Krise in die nächste. Das Parlament wurde von zwei Parteien beherrscht, die sich die Macht in einem <strong>Rotationssystem</strong> teilten &#8211; wobei sowohl die „progressive&#8221; wie auch die konservative Partei <strong>rein monarchistische Kräfte</strong> waren.</p>
<p><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/02_02_carlos.jpg" alt="König Dom Carlos von Portugal. Quelle: Wikipedia" align="right" />König Dom Carlos verfügte während seiner insgesamt<strong> eher glücklosen Amtszeit </strong>über einen ohnehin begrenzten Handlungsspielraum. Seit gut zwei Jahren regierte <strong>João Franco</strong> als Ministerpräsident im Gefüge der konstitutionellen Monarchie &#8211; und mit der Zeit entwickelte Franco nach anfänglichen Liberalisierungen einen immer <strong>repressiveren  Regierungsstil</strong>.</p>
<p>Und selbst seine geringen politischen Freiräume nutzte der König kaum aus: Dom Carlos war zwar ein <strong>vielseitig interessierter Mensch </strong>- aber auch außerordentlich exzentrisch und nicht gerade mit einem allzu großen politischen Talent gesegnet.</p>
<p>„Hätte es das Attentat nicht gegeben, so wäre er nur als der <strong>malende König </strong>in die Geschichte eingegangen&#8221;, meint auch der Carlos-Biograf Rui Ramos <a href="http://ww1.rtp.pt/noticias/index.php?article=322623&amp;visual=26" title="Ramos über Dom Carlos" target="_blank">im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Lusa</a>. Kunst, Malerei, Meeresforschung &#8211; das waren die Passionen des Dom Carlos, der einem Zweig des Hauses Sachsen-Coburg angehörte.</p>
<p>Ein <strong>edler, kunstsinniger, weltoffener König</strong> &#8211; dieses Bild zeichnen die Monarchisten in Portugal gerne heute noch von Dom Carlos. Auf der anderen Seite stehen aber auch die Berichte von einer <strong>dekadenten königlichen Familie</strong>, die durch ihren luxuriösen Lebenswandel in einem verarmten Land den Zorn derMenschen auf sich zog. So <a href="http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?apm=0&amp;aid=ibn&amp;datum=19080203&amp;seite=1&amp;zoom=2" title="Innsbrucker Nachrichten, 3. Februar 1908" target="_blank">berichteten die Innsbrucker Nachrichten</a> nach dem Attentat vom 1. Februar 1908 über das <strong>schlechte Ansehen der portugiesischen Adelsfamilie</strong>:</p>
<blockquote><p> <em>„Das traurigste Kapitel der jüngsten Geschichte Portugals aber bildete das, was über das Treiben des Hofes erzählt wird. Die galanten Abenteuer des Königs, überhaupt sein Privatleben, waren in der oppositionellen Presse des Landes eine Zeit lang geradezu ständige Rubrik. Man hatte vor dem König gar keinen Respekt und in Wort und Bild zog die Spottsucht gegen ihn los. Sein Bruder soll es noch ärger getrieben und der Aufwand der Königin-Mutter soll alle Grenzen überstiegen haben. Die Mittel hiezu musste der Staat hergeben. Ein republikanischer Abgeordneter wies in der Kammer einmal nach, dass eine große Summe, die für den Bau eines Panzerschiffes im Budget eingestellt war, für die Begleichung der Schulden des königlichen Hauses verwendet wurde.&#8221; (Innsbrucker Nachrichten, 3. Februar 1908). </em></p></blockquote>
<p>War es in einer solchen Situation verwunderlich, dass die <strong>republikanischen Strömungen</strong> &#8211; ähnlich wie schon beim Nachbar Spanien &#8211; an Stärke gewannen? Im einst so ruhigen Portugal <strong>fing es an zu brodeln</strong>. Immer wieder kam es zu kleinen Aufständen, vereinzelt gingen in Lissabon sogar Bomben hoch: Es war die<strong> Zeit der Verschwörungen, Konspirationen, Gerüchte</strong>. Die Revolution lag in der Luft &#8211; und fast wäre sie geglückt.</p>
<p><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/02_02_elevador-biblioteca.jpg" alt="Elevador da Biblioteca" align="right" />Der <strong>28. Januar 1908</strong> sollte der Tag des Umsturzes sein &#8211; wäre es nach den Plänen von einigen prominenten Verschwörern gegangen, die den „<strong>Golpe do Elevador da Biblioteca</strong>&#8221; planten. Dieser Umsturz, benannt nach einem heute nicht mehr existierenden Aufzug am Largo de São Julião<em> (Foto: Stadtarchiv von Lissabon)</em>, scheiterte. Der Plan der Revolutionäre war es, João Franco zu ermorden und einige strategisch wichtige Punkte in der Stadt zu besetzen. Als Kommandozentrale sollte der Aufzug an der Bibliothek dienen, in dessen Kabine die Drahtzieher ausharren wollten. Einem Polizisten kam es jedoch reichlich seltsam vor, dass sich<strong> so viele Männer in einen Aufzug drängten</strong>, der zu dieser Zeit überhaupt nicht fuhr &#8211; und vereitelte so die Aktion.</p>
<p>Nach dieser<strong> gescheiterten Revolte</strong> war der Druck in der Stadt freilich umso größer &#8211; zumal Ministerpräsident João Franco den König gedrängt hatte, ein Dekret zu unterzeichnen, das für alle Teilnehmer am Golpe die ungewöhnlich harte Strafe des Exils vorsah. <strong>&#8220;Ich unterschreibe hier mein Todesurteil&#8221;</strong> soll der König beim Unterzeichnen des Dokuments am 30. Januar gerufen haben.</p>
<p>Angesichts der dramatischen Entwicklungen beschloss der eigentlich im Alentejo auf Jagdurlaub weilende Dom Carlos, <strong>früher als geplant</strong> in die Hauptstadt zurückzukehren. Am 1. Februar 1908 begannen sich also die zwei Wege zu kreuzen: Die der Monarchie und die der Verschwörer. Beide <strong>Spuren</strong> dieses so denkwürdigen Tages kann man auch noch im <strong>Lissabon von heute</strong> verfolgen.</p>
<p>Dom Carlos nahm aus dem Alentejo den Zug, der sich unterwegs eine Verspätung von einer Stunde einhandelte &#8211; eine<strong> leichte Entgleisung</strong> schien das Schicksal noch einmal verzögern zu wollen. Zur gleichen Zeit trafen sich im <strong>Lissaboner Café Gelo</strong> am Rossio die Verschwörer. Ihre Waffen lagen schon bereit, verborgen im Palácio Alverca, der heute das bekannte Casa do Alentejo beherbergt.</p>
<p>Das Café Gelo war ein typischer <strong>konspirativer Treff</strong> jener Zeit, in dem sich gerne die Mitglieder des <strong>Carbonária-Geheimbundes</strong> versammelten. Noch heute hängen im Café Gelo Bilder vom „Regícidio&#8221;, dem Attentat des 1. Februar 1908.</p>
<p>Im Alentejo kann indes die kleine Störung behoben werden und der Zug der königlichen Familie <strong>nimmt weiter Kurs auf Lissabon</strong>. Der Zug endet am linken Tejoufer in Barreiro. Von hier aus besteigt die königliche Familie den Dampfer „D. Luiz&#8221;, der sie an den Terreiro do Paço (Praça do Comercio) in Lissabon bringt. Um 17:20 Uhr &#8211; anderen Versionen zufolge zehn Minuten eher &#8211; verlassen der König, seine Söhne und seine Ehefrau das Schiff &#8211; und besteigen die offene Kutsche.</p>
<p><strong>Warum ausgerechnet die Kutsche</strong> &#8211; und keinen geschlossenen Wagen? Diese Frage gehört zu den bis heute <strong>ungeklärten Geheimnissen</strong>, die sich um dem Regicídio vom 1. Februar 1908 ranken. Denn der König hätte auch auf Autos zurückgreifen können &#8211; warum wählte er also in einer politisch aufgeheizten Situation das gefährlichere Transportmittel?</p>
<p>Die königliche Familie fährt auf der <strong>Westseite des Terreiro do Paço</strong> entlang. Versammelt sind auch die Mitglieder der Regierung sowie einzelne Bürger, die respektvoll die Hüte ziehen. Hier, kurz vor der Ecke zur Rua do Arsenal, schlagen die sechs Attentäter zu. Zwei Konspirateure wurden besonders bekannt: Durch die Kugeln des Grundschullehrers <strong>Manuel dos Reis Buíça </strong>und des Ladenangestellten Alfredo Costa starben König Dom Carlos und &#8211; wenig später &#8211; sein Sohn und designierter Thronnachfolger, der 20jährige Prinz Luís Filipe. Während Buíça sich auf dem offenen Platz zunächst hinter einem Kiosk verbirgt, positioniert sich Costa unter den Arkaden des Terreiro do Paço &#8211; die Attentäter nahmen so die  Kutsche des Königs wahrhaft in die Zange.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/02_02_regicidio.jpg" alt="02_02_regicidio.jpg" /><br />
<em>Zwei Attentäter bedrängen den König. Bild von Carlos Alberto. <a href="http://www.arqnet.pt/portal/imagemsemanal/fevereiro0201.html" title="Arqnet" target="_blank">Quelle: Arqnet</a></em></p>
<p align="left"> Die ebenfalls mitreisende <strong>Königin Dona Amélia</strong> wird nur leicht verletzt &#8211; noch heute gibt es viele Bilder zu bewundern, wie sie, ganz außer sich, nur mit <strong>einem Blumenstrauß „bewaffnet&#8221;</strong> den Attentätern zur Wehr setzen will. Auch der zweite Sohn der Familie, der erst 18jährige Manuel, bleibt unverletzt &#8211; und soll wenig später zum letzten amtierenden König Portugals gekrönt werden: Die <strong>Revolution von 1910</strong> wird ihn schon wenig später vom Thron vertreiben.</p>
<p>Viele der Attentäter werden bereits am Tatort von den Begleitern des Königs und der Polizei getötet. Andere nehmen sich später im Gefängnis selbst das Leben. So kam es später auch nie zu einem ordentlichen Prozess, der die genauen Umstände des „Regicídio&#8221; von 1908 aufgearbeitet hat. Bis heute<strong> sind wichtige Hintergründe der Tat</strong> deshalb unklar. Vor allem eine Frage lädt weiterhin zum Spekulieren ein: <strong>Handelten Buíça, Costa &amp; Co aus eigenem Antrieb</strong> &#8211; oder gab es doch noch einen Hintermann, der für das Attentat verantwortlich war? Die modernen Waffen der Attentäter wurden vermutlich von Adeligen bezahlt: Meist wird der Visconde da Ribeira Brava aus Madeira als Geldgeber vermutet, andere Quellen sprechen hingegen vom Visconde de Pedralva.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/02_02_gedenktafel.jpg" alt="02_02_gedenktafel.jpg" /></p>
<p>Die<strong> Tatorte </strong>rund um den Terreiro do Paço in Lissabon lassen sich heute noch besichtigen. Am Platz selbst erinnert eine Gedenktafel an das Attentat vom 1. Februar 1908. Nach den tödlichen Schüssen wurde die königliche Eskorte schnell in das <strong>Arsenal da Marinha</strong> (wo sich heute das Tourismusbüro von Lissabon befindet) gebracht, wo nur noch der Tod des Königs und seines erstgeborenen Sohns festgestellt werden konnte. Im nahegelegenen Rathaus von Lissabon wurden die Leichen schließlich aufgebahrt und der Tod des Königs öffentlich verkündet.</p>
<p>Über Lissabon legte sich ein<strong> Schleier der Agonie</strong>: Die Polizei fahndete unter Hochdruck nach weiteren Waffen- und Bombenverstecken, das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Kaffeehäuser und Läden schlossen &#8211; der Ausbruch einer <strong>Revolution lag in der Luft</strong>. Ganz Europa richtete plötzlich den Blick auf das sonst so abgelegene Portugal. Wie sehr der Königsmord die Runde machte, zeigt die Kurzgeschichte „<a href="http://london.sonoma.edu/Writings/StrengthStrong/enemy.html" title="The Enemy of all world - Jack London" target="_blank">The Enemy of All World</a>&#8221; von Jack London (1914), die in verfremdeter Form das Attentat auf den portugiesischen König wieder aufgreift.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Der Regicídio von 1908 war das<strong> erste politische Attentat</strong> in Portugals Geschichte. Andere sollten folgen &#8211;  und dennoch beschäftigt der nun genau 100 Jahre zurückliegende Königsmord weiterhin viele Portugiesen. So versammelten sich am 1. Februar 2008 auf dem Terreiro do Paço in Lissabon <strong>rund 500 Monarchisten</strong>, die an die Schreckenstat von 1908 gedachten &#8211; und einige ganz Getreue legten sogar noch an den Gräbern von Carlos und Luís Filipe auf dem Friedhof Alto de S. João Kränze nieder.</p>
<p>In bisweilen<strong> erstaunlicher Heftigkeit</strong> wird auch heute noch zum Beispiel auf <a href="http://www.regicidio.org/" title="Regicidio-Website" target="_blank">monarchistischen Websites</a> von der <strong>Verabscheuungswürdigkeit des Attentats </strong>gesprochen, als ob das Ereignis erst gestern zurückliegen würde. Und auch die Republikaner sind noch da: Zeitgleich zum Monarchisten-Treff versammelten sich ebenfalls auf dem Terreiro do Paço ein paar Dutzend <strong>anarchistischer Jugendlicher</strong>, die den Attentätern vom 1. Februar 1908 huldigten. Anscheinend ist sich Portugal noch immer nicht sicher, was es von Dom Carlos und João Franco zu halten hat &#8211; die aufgeklärte Lichtgestalt, als die ihn so manch ein Biograf selbst in neueren Veröffentlichungen darstellt, war er bestimmt nicht.</p>
<p><embed src="http://www.youtube.com/v/j0N9lKY_uao&amp;rel=1" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" height="355" width="425"></embed></p>
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		<title>Der lange Schatten von Salazar</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Dec 2007 22:05:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Estado Novo]]></category>
		<category><![CDATA[PIDE]]></category>
		<category><![CDATA[Prémio Pessoa]]></category>
		<category><![CDATA[Salazar]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Mit teils schrillen Tönen debattiert Portugal über einzelne Rehabilitierungsversuche für Diktator António Oliveira de Salazar, der das Land bis 1970 mit harter Hand regierte. Im Schatten dieses scheinbaren Comebacks von Salazar machen sich engagierte Bürger und Wissenschaftler für eine ehrliche Aufarbeitung der Vergangenheit stark: Ist jetzt die Zeit einer ehrlichen Bilanzierung gekommen? 
Spanien debattiert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Mit teils schrillen Tönen debattiert Portugal über einzelne Rehabilitierungsversuche für Diktator António Oliveira de Salazar, der das Land bis 1970 mit harter Hand regierte. Im Schatten dieses scheinbaren Comebacks von Salazar machen sich engagierte Bürger und Wissenschaftler für eine ehrliche Aufarbeitung der Vergangenheit stark: Ist jetzt die Zeit einer ehrlichen Bilanzierung gekommen? <span id="more-185"></span></p>
<p>Spanien debattiert derzeit heftig über den rechten Umgang mit seiner Vergangenheit: Das mit der Regierungsmehrheit von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/online/2007/45/spanien-interview" title="ZEIT-Interview zum Thema">verabschiedete Erinnerungsgesetz</a> geißelt dort erstmals offiziell die <strong>Franco-Herrschaft als Unrechts-Regime</strong>. Und so ist auch erstmals der &#8220;<strong>Pakt des Schweigens</strong>&#8221; gebrochen, den sich das Land nach dem Sturz der Diktatur verordnete.</p>
<p>Und auch in Portugal gärt es. Denn wie im großen Nachbarland fand eine <strong>wirkliche Aufarbeitung des totalitären &#8220;Estado Novo&#8221; (1933-1974) nie statt</strong>. Nachdem die Nelkenrevolution 1974 die paralysierende Diktatur hinwegfegte, musste sich Portugal jahrelang seinen mühsamen Weg in die Demokratie suchen. Später, als das Land auch mit der Perspektive eines Beitritts zur Europäischen Gemeinschaft wieder in ruhigeres Fahrwasser kam, blieb das Thema Salazar und Diktatur weitgehend unbearbeitet: <strong>Portugal richtete den Blick nach vorn.</strong> Und so wundert es nicht, dass Umfragen immer wieder zur Erkenntnis kommen, dass junge Portugiesen nur noch über Minimal-Kenntnisse zur Zeit des Estado Novo verfügen.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/salazar1933.jpg" alt="António Oliveira de Salazar" /><br />
<em>&#8220;Freundlich und liebenswert:&#8221; António Oliveira de Salazar im Jahr 1933. Quelle: <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ant%C3%B3nio_de_Oliveira_Salazar">Wikipedia</a></em></p>
<p align="left"><em><a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ant%C3%B3nio_de_Oliveira_Salazar"></a></em>Ja, fast schien sogar eine Art <strong>Rehabilitation Salazars</strong> einzusetzen &#8211; manche Medien machten sogar eine Art &#8220;Salazar-Mode&#8221; aus. Wie anders sind auch die Versuche zu deuten, das Erbe des alten Diktators reinzuwaschen? Da wird in Salazars Geburtsort Vimieiro ein Museum für den &#8220;großen Sohn&#8221; dieses Ortes geplant &#8211; und prompt marschieren an dieser Stelle schon Nationalisten mit hochgestreckten Armen auf. Da melden sich immer mehr alte Salazar-Anhänger zu Wort und behaupten: <strong>War doch alles nicht so schlimm</strong> &#8211; wie erst jüngst Adoptivtochter Maria da Conceição Rita (genannt &#8220;Micas&#8221;) mit ihrem <a target="_blank" href="http://www.webboom.pt/ficha.asp?ID=166424" title="Os meus 35 anos com Salazar bei Webboom">Erinnerungsbuch &#8220;Meine 35 Jahre mit Salazar&#8221;</a> (&#8220;Salazar war ein angenehmer und liebenswerter Mensch&#8221;). Und dann war da natürlich noch dieser Fauxpas, der in ganz Europa für Schlagzeilen sorgte: Die TV-Krönung von Salazar als &#8220;größten Portugiesen der Geschichte&#8221;.</p>
<p>Es geschah im März diesen Jahres, als der nationale Fernsehsender RTP in einer großen Fernsehshow nach &#8220;<strong>dem größten Portugiesen</strong>&#8221; suchte. Das Format stammte von der BBC und lief erfolgreich in fast allen europäischen Ländern. Die Deutschen wählten in der Sendung &#8220;Unsere Besten&#8221; <strong>Konrad Adenauer</strong>, die Briten Winston Churchill und die Franzosen stimmten für Charles de Gaulle. Und in Portugal gelangte zum Entsetzen vieler der alte Diktator <a target="_blank" href="http://grandesportugueses.rtp.pt/" title="Sendung ">António Oliveira de Salazar auf den ersten Platz </a>- gewählt von <strong>41 Prozent der Anrufer.</strong> Zugegeben: Die Geschichte war unglücklich gelaufen: Erst sah die Redaktion nämlich vor, Salazar überhaupt nicht auf die Liste der Nominierten zu setzen. Als er nach langer Debatte aber doch noch auf den Wahlzettel kam, konnte so manch eine Stimme auch als Trotzreaktion gewertet werden.</p>
<p align="center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/16_12_grandesportugueses.jpg" alt="Werbeplakat “Os Grandes Portugueses”" /><br />
<em>Vasco da Gama oder Langstreckenläuferin Rosa Mota hätten es wohl werden sollen &#8211; gewählt wurde aber Salazar. Werbeplakat für die Fernsehsendung &#8220;Os Grandes Portugueses&#8221;.</em></p>
<p align="left">Aufgeschreckt von den <strong>heftigen Reaktionen</strong> nach diesem peinlichen Ausgang der Fernsehshow schob die RTP flugs eine <a target="_blank" href="http://www.rtp.pt/wportal/sites/tv/grandesportugueses/SondagemGrandesPortugueses.pdf" title="Umfrage zu den großen Portugiesen (PDF)">repräsentative Umfrage</a> unter den Portugiesen nach, die <strong>das Bild wieder etwas zurecht rückte</strong>. Ginge es nach dem tatsächlichen Urteil aller Portugiesen (und nicht nur der Anrufer einer Fernsehsendung), so hätte der erste König Portugals, Dom Afonso Henriques, mit 21 Prozent das Rennen gemacht. Salazar ist mit 6,6 Prozent weit abgeschlagen &#8211; und liegt sogar hinter dem Dichter Fernando Pessoa.</p>
<p>Die Umfrage zeigt auch:<strong> Je älter die Menschen,</strong> desto mehr halten sie von Salazar. Würden von den über 60jährigen immerhin noch 11,2 Prozent für Salazar als &#8220;größten Portugiesen&#8221; stimmen, so täten dies bei den Unter-24-Jährigen lediglich verschwindend geringe 2,2 Prozent. Die Umfrage zeigt noch einen interessanten Trend: Je jünger die Menschen, desto eher stimmen sie für Persönlichkeiten aus der älteren Geschichte Portugals.</p>
<p>Einerseits bedeutet dies: Auf viele Sympathien kann António Oliveira de Salazar im Portugal von heute kaum noch zählen, auch wenn sich seine verbliebenen Freunde immer wieder <strong>wortreich in die Debatte einschalten</strong>. Andererseits bringt diese Gleichgültigkeit möglicherweise auch eine mangelnde Aufmerksamkeit für die Opfer der Diktatur mit sich.</p>
<p>So <a target="_blank" href="http://www.nzz.ch/nachrichten/medien/das_gespenst_des_frueheren_diktators_1.594716.html" title="Das Gespenst des früheren Diktators - NZZ">merkt Thomas Fischer in der Neuen Zürcher Zeitung an</a>, dass in Portugal zwar heftig über das Salazar-Museum in Vimieiro debattiert wird. Nur wenige Kilometer von Salazars Geburtsort entfernt, in Carregal do Sal, befände sich hingegen die Heimat von <strong>Aristides Sousa Mendes</strong>. Der Salazar-Widersacher erteilte als portugiesischer Konsul in Bordeaux zehntausenden Opfern des Nazi-Regimes massenhaft Visa &#8211; trotz gegenteiliger Anweisungen der Regierung in Lissabon. Doch, so die NZZ: &#8220;Obwohl die Regierung vor Jahren schon Mittel für die Einrichtung eines Museums in seinem einstigen Haus bewilligte, verfällt das stattliche Gebäude vor sich hin.&#8221;</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/16_12_aristides20i.jpg" alt="Aristides de Sousa Mendes" /><br />
<em>Aristides de Sousa Mendes: Widersacher von Salazar, der 30.000 Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland Visa erteilte. Quelle: <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Aristides_de_Sousa_Mendes">Wikipedia</a></em></p>
<p>Genau dafür, die Erinnerung an die Opfer des Estado Novo wach zu halten, kämpft seit ein paar Jahren die Bewegung &#8220;<a target="_blank" href="http://maismemoria.org/" title="Não Apaguem a Memória">Não Apaguem a Memória</a>&#8220;. Die rührigen Initiatoren haben in der öffentlichen Debatte<strong> schon einigen Staub aufgewirbelt</strong>. Und nun wurde sogar ein Gründungsmitglied der Bewegung, die Historikerin<strong> Irene Pimentel</strong>, in der vergangenen Woche mit dem bedeutenden <strong>nationalen Kulturpreis Prémio Pessoa</strong> ausgezeichnet.</p>
<p>Mit der Wahl dieser Preisträgerin setzt die Jury des Prémio Pessoa ganz bewusst <strong>ein Zeichen in der aktuellen Debatte</strong>. In ihren zeitgeschichtlichen Werken setzt sich Pimentel mit den <strong>Schattenseiten des Estado Novo</strong> auseinander: So ist sie Autorin eines Werks über die Juden, die Portugal während des zweiten Weltkriegs als Durchreiseland nutzten. Und Irene Pimentels jüngstes Buch über die Geschichte der <a target="_blank" href="http://www.webboom.pt/ficha.asp?ID=166404" title="Historia de PIDE">berüchtigten Geheimpolizei PIDE</a> gilt schon jetzt fast als <strong>Standardwerk</strong> zum Thema &#8211; und wird sogar als Grundlage einer Fernseh-Dokumentation dienen.</p>
<p>Mit ihrer Entscheidung für Irene Pimentel will die Jury des Prémio Pessoa ganz offensichtlich die Debatte über das Erbe des Estado Novo in eine <strong>neue Richtung lenken</strong>. Jurymitglied Mário Soares, einer der großen Politiker von Portugals junger Demokratie nach 1974, gab auch zu, dass er die bisherige Diskussion über den Umgang mit Salazar &#8220;sehr unschön&#8221;. Und weiter: &#8220;Was zählt, ist, dass man <strong>weiterhin eine seriöse Forschung</strong> über eine dunkle Zeit der portugiesischen Geschichte betreibt, insbesondere über die Geheimpolizei PIDE.&#8221;</p>
<p>Und António Barreto, ebenfalls Jurymitglied, ergänzt: &#8220;<strong>Jetzt ist die Zeit der offenen Abrechnung</strong>, was Portugal mit seiner Vergangenheit anfängt.&#8221; Eine ganze Reihe von neuen Büchern widmet sich der Aufarbeitung des Estado Novo. Ob die Debatte allerdings auf eine Art spanisches Erinnerungsgesetz hinsteuern wird, ist offen: Zu unterschiedlich sind doch die Ausgangsbedingungen beider Länder. Portugal ist immerhin ein blutiger Bürgerkrieg wie beim Nachbarn erspart geblieben &#8211; und so sind möglicherweise die Wunden im Land nicht ganz so tief.</p>
<p>Eins ist jedoch sicher, wie der Kolumnist <a target="_blank" href="http://aeiou.expresso.pt/gen.pl?p=stories&amp;op=view&amp;fokey=ex.stories/173758">José Manuel dos Santos im Expresso anmerkt</a>: Eine &#8220;Salazar-Mode&#8221; gibt es nicht &#8211; nur die Mode, eine Salzar-Mode auszurufen. Und das dürfte auch in Zukunft noch öfters passieren.</p>
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		<title>Vor 200 Jahren: Die Truppen Napoleons erobern Portugal</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Nov 2007 17:37:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[19. Jahrhundert]]></category>
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		<category><![CDATA[Königshaus]]></category>
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		<description><![CDATA[ 	Portugal gedenkt in diesen Tagen der Invasion französischer Truppen im Land. Vor fast genau 200 Jahren, am 30. November 1807, fiel Lissabon. Nur wenige Tage zuvor, am 27. November, hatte sich die komplette königliche Familie mit ihrer Entourage hals über Kopf nach Brasilien abgesetzt. Für Portugal folgten lange Kriegsjahre: Die einst so stolze Seefahrernation [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Portugal gedenkt in diesen Tagen der <strong>Invasion französischer Truppen</strong> im Land. Vor fast genau 200 Jahren, am 30. November 1807, fiel Lissabon. Nur wenige Tage zuvor, am 27. November, hatte sich die komplette königliche Familie mit ihrer Entourage hals über Kopf nach Brasilien abgesetzt. Für Portugal folgten lange Kriegsjahre: Die einst so stolze Seefahrernation wurde zum Spielball der Großmächte Frankreich und England. <span id="more-149"></span></p>
<p>Am 27. November 1807 war auf den Straßen im Lissaboner Stadtteil Belém der Teufel los. <strong>Menschenmassen schoben sich über Straßen und Plätze, </strong>Gepäckstücke lagen quer verstreut. Und die Nachrichten waren alles andere als beruhigend: Unterstützt von ihren spanischen Verbündeten hatten die Truppen Napoleons bereits die Grenze Portugals überschritten. Die Einnahme Lissabons war <strong>nur noch eine Frage von Tagen</strong>. Das Ziel war klar: Schon einen Monat zuvor, am Einen Monat zuvor, am 28. Oktober, hatte Napoleon sein Ziel schon klar gemacht: Im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Fontainebleau_%281807%29" title="Vertrag von Fontainebleau in Wikipedia" target="_blank">Vertrag von Fontainebleau</a> teilten sich Frankreich und Spanien das portugiesische Territorium untereinander auf.</p>
<p><strong>Warum Portugal?</strong> Damals wie heute befindet sich das Land geographisch gesehen in einer Randlage: Fernab im Westen, ein kleiner Staat ohne große Einflüsse. Doch es war vor allem die <strong>portugiesische Allianz mit England,</strong> die das Land verwundbar machte. Portugals Häfen gewährten den englischen Schiffen weiterhin Einfahrt &#8211; eine  empfindliche Lücke in Napoleons Strategie, die Engländer komplett vom Kontinent abzuschotten.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/25_11_partidadoprincipe.jpg" alt="Die Abreise des Königshauses in Belém" /></p>
<p style="text-align: center"><em>Aufruhr am Tejoufer von Belém: Der König reist ab. Ein Stich aus dem Jahre 1890(?) illustriert diese Szenerie. Quelle: <a href="http://purl.pt/6861/1/" title="Digitale Nationalbibliothek Portugals - bibliographische Angaben zum Bild" target="_blank">Biblioteca Nacional Digital</a></em></p>
<p>So kam es also im Spätherbst 1807 zur ersten <strong>Invasion französischer Truppen</strong> in Portugal. <em>&#8220;Ich sehe, dass im Inneren meines Königreiches  Truppen des Herrschers von Frankreich und dem König von Italien marschiren und dass diese sich zu dieser Hauptstadt hinbewegen&#8221;</em> &#8211; so setzt Portugals damaliger König Dom João VI einen Abschiedsbrief an sein Volk an. So rasch sich Napoleons Truppen in Richtung Lissabon bewegen, so <strong>hektisch ist auch die Flucht</strong> der königlichen Familie. Der Marquês von Fronteira und Alorna beschrieb in seinen Erinnerungen die denkwürdige Abreise vom 27. November 1807: <em> </em></p>
<blockquote><p><em>&#8220;Das Gepäck des Hofstaats, dem Wetter ausgesetzt und fast unbeaufsichtigt, reichte von der Rua da Junqueira bis zum Kai und die Fuhrwerke konnten den Platz von Belém nicht erreichen, weil (&#8230;) eine riesige Menschenmenge den Platz bevölkerte, das Gepäck und das Regiment von Alcântara, welches eine Ehrenwache aufstellte, behinderten den Verkehr. (&#8230;) Nach einer Salve der Garde wussten wir, dass Seine Hoheit an Bord angekommen war. Der größte Teil der Familien teilten sich auf, als Konsequenz der Unordnung, die hier herrschte, und alle betraten das erstbeste Boot, das sie antrafen; das Gepäck verblieb an Land und viele, die die Boote betraten, taten dies auf Schiffen, wo sich nicht ihre Herren befanden (&#8230;)&#8221;</em></p></blockquote>
<p>(übersetzt aus dem Portugiesischen; <a href="http://www.infopedia.pt/$partida-da-corte-para-o-brasil-(1807)" title="Partida da Corte para o Brasil (1807)" target="_blank">Originaltexte veröffentlicht auf Infopedia.pt</a>)</p>
<p>Rund <strong>15.000 Menschen</strong> verließen an diesem denkwürdigen Tag Lissabon. Der König hinterließ einem Statthalter die Anweisung, die Stadt kampflos an die Franzosen zu übergeben. Mit der <strong>Übersiedelung des Hofes nach Brasilien</strong> wurde <strong>Rio de Janeiro</strong>, künftiger Aufenthaltsort des Königs, auch zur Hauptstadt Portugals.</p>
<p>Der Abschied des Königs leitete eine <strong>unglückliche Phase</strong> in der Geschichte Portugals ein. Zwar kamen im Sommer 1808 englische Truppen den Portugiesen zu Hilfe, um die Truppen Napoleons <strong>wieder aus dem Land zu vertreiben</strong>. Dieser Kampf zog sich über mehrere Jahre hinweg &#8211; und fand auf der gesamten iberischen Halbinsel statt. Francisco de Goyas Bilderzyklus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Desastres_de_la_Guerra" title="Desastres de la Guerra in  Wikipedia" target="_blank">Desastres de la Guerra</a> basiert auf den Erfahrungen dieses Krieges.</p>
<p>Erst 1811 war Portugal wieder komplett von napoleonischen Truppen befreit &#8211; doch sowohl Franzosen wie auch Briten agierten nach der Strategie der verbrannten  Erde. So bezahlte Portugal einen <strong>hohen Preis für den Krieg der Großmächte</strong>, der auf seinem Boden ausgetragen wurde: Das Land war pleite und hoffnungslos dem Gutdünken Englands ausgesetzt. Zu einer Zeit, als anderswo in Europa die <strong>industrielle Revolution</strong> einsetzte, verpasste Portugal den Anschluss und wurde später sogar ein <strong>rückständiges Anhängsel </strong>seiner Kolonie Brasilien.</p>
<p>Erst die liberale Revolution von Porto im Jahre 1820 befreite das Land wieder von der englischen Übermacht. 1822 erklärte <strong>Brasilien seine Unabhängigkeit </strong>- und erst dann kehrte die portugiesische Königsfamilie, wenn auch widerwillig, zurück ins eigene Land.</p>
<p>An diese für die portugiesische Geschichte so entscheidende Zeit erinnern im Augenblick <strong>mehrere Ausstellungen und Veranstaltungen</strong>. So widmet die Nationalbibliothek in Lissabon den Ereignissen eine <a href="http://www.bn.pt/agenda/evento-guerra-peninsular.html" title="Ausstellung der Nationalbibliothek über den iberischen Krieg" target="_blank">Sonderschau</a>, die zum Beispiel auch anti-französische Pamphlete aus dieser Zeit zeigt. Und sogar das <a href="http://www.saocarlos.pt/" title="Teatro Nacional Sao Carlos" target="_blank">Teatro Nacional de São Carlos</a> nähert sich dem Thema auf eigene Weise: Mit einer Aufführung von <strong>Musikstücken aus der Zeit des Krieges</strong>.</p>
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		<title>Was das Erdbeben von Lissabon mit dem 11. September zu tun hat</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Nov 2007 21:01:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[erdbeben]]></category>
		<category><![CDATA[katastrophe]]></category>
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		<category><![CDATA[trempler]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	
Heute vor 257 Jahren &#8211; am 1. November 1755 &#8211; wurde Lissabon von den Folgen eines starken Erdbebens in weiten Teilen zerstört. Die Nachricht von dem Ereignis bewegte damals die Menschen in ganz Europa. Ein Bild spielte in der Wahrnehmung des Erdbebens als Katastrophe eine ganz besondere Rolle.

Der Begriff des &#8220;Katastrophen-Journalismus&#8221; hat heute einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<!--[CDATA[Der Begriff des "Katastrophen-Journalismus" hat heute einen schlechten Beiklang. Und doch gehört er gerade zum Bild-Medium Fernsehen fest dazu: Überschwemmungen, Terroranschläge, Flugzeugabstürze - all diese Negativ- und Horror-Ereignisse verbuchen wir unter dem Etikett "Katastrophe".</p>
<p>Zur "Katastrophe" werden diese Geschehnisse allerdings erst durch die Bilder, über die wir sie...]]--></p>
<p>Heute vor 257 Jahren &#8211; am 1. November 1755 &#8211; wurde Lissabon von den Folgen eines starken Erdbebens in weiten Teilen zerstört. Die Nachricht von dem Ereignis bewegte damals die Menschen in ganz Europa. Ein Bild spielte in der Wahrnehmung des Erdbebens als Katastrophe eine ganz besondere Rolle.</p>
<p><span id="more-21"></span></p>
<p>Der Begriff des &#8220;<strong>Katastrophen-Journalismus</strong>&#8221; hat heute einen schlechten Beiklang. Und doch gehört er gerade zum Bild-Medium Fernsehen fest dazu: <strong>Überschwemmungen, Terroranschläge, Flugzeugabstürze</strong> &#8211; all diese Negativ- und Horror-Ereignisse verbuchen wir unter dem Etikett &#8220;Katastrophe&#8221;.</p>
<p>Zur &#8220;Katastrophe&#8221; werden diese Geschehnisse allerdings <strong>erst durch die Bilder</strong>, über die wir sie wahrnehmen. Heute sind es Fernsehbilder, oft sogar &#8211; wie am 11. September 2001 - live gesendet. Doch schon vor fast 300 Jahren formten Bilder ganz deutlich die Einstufung und Wahrnehmung eines bestimmten Ereignisses &#8211; und ganz besonders deutlich beim <strong>Erdbeben von Lissabon</strong>.</p>
<p>So viel zu den Parallelen &#8211; unterschiedlich war damals jedoch die Bedeutung des Begriffs &#8220;Katastrophe&#8221;. Darauf weist der deutsche Forscher Dr. Jörg Trempler in einem ausführlichen Interview mit der taz hin (&#8220;<a href="http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/die-erfindung-der-katastrophe/" target="_blank" title="Die Erfindung der Katastrophe">Die Erfindung der Katastrophe&#8221;, taz, 1.11.2007</a>).</p>
<p>Die Ereignisse vom <strong>Allerheiligentag 1755</strong> klingen auch heute noch erschütternd: Am Vormittag des 1. Novembers bebt in Lissabon drei bis sechs Minuten lang die Erde. Häuser stürzen ein, <strong>ganze Erdspalten tun sich auf</strong>. Doch damit nicht genug: Eine kurze Zeit später anrollende Tsunamiwelle und der Feuersturm über den Häusern sorgen für zehntausende Todesopfer. 85 Prozent der Häuser Lissabons sind zerstört, bis zu 90.000 Menschen mussten ihr Leben lassen.</p>
<p>Was heute die Live-Berichterstattung von CNN machen würde, übernahmen damals <strong>hastig gedruckte Flugblätter</strong>, die in ganz Europa verteilt wurden: Stiche mit Szenen von der Verwüstung, ergänzt um etwas Text über die Umstände. Diese Massenware war damals schon normal &#8211; doch <strong>ein Stich ragt aus der Masse heraus</strong>, wie Jörg Trempler zeigt. Es handelt sich um ein erst 1757 fertiggestelltes Bild des französischen Stechers Jacques Philippe Le Bas.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/01_11_erdbeben.jpg" alt="01_11_erdbeben.jpg" /></p>
<p style="text-align: center">&nbsp;</p>
<p style="text-align: center">&nbsp;</p>
<p>Das Bild weicht zunächst nicht von den damals schon üblichen Zerstörungs- und Feuersbrunstdarstellung ab: Im Vordergrund stehen <strong>Häuserruinen</strong>, noch fast glühend von der Feuersbrunst. Doch das Besondere ist: Im Hintergrund sieht man schon die Gebäude des &#8220;neuen Lissabon&#8221;, die nach dem Erdbeben vom Marquês de Pombal errichtet wurden. Genau durch diese <strong>Gegenüberstellung des Alten und Neuen</strong> werde der Zukunftscharakter deutlich herausgestellt, so Jörg Trempler in der taz. Und weiter:</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Wenn man diese Architektur genau betrachtet, dann ist sie neu, zeigt, dass die Stadt nicht so wieder aufgebaut wird, wie sie einstmals stand, sondern moderner. Dadurch ist erstmals das Buchstäbliche einer Katastrophe dargestellt, der Wendepunkt.&#8221;</em></p></blockquote>
<p>Auf diesen Aspekt kommt es Trempler besonders an: Dass die Katastrophe, vor allem auch in der Theatersprache des 18. Jahrhunderts, als &#8220;<strong>Wendepunkt</strong>&#8221; verstanden werden soll &#8211; und nicht nur als etwas rein Negatives, wie wir es heute tun. Das Bild von Jacques Philippe Le Bas setzt also einen ganz anderen Akzent &#8211; und passt so auch irgendwie in die damalige Zeit.</p>
<p>Und heute? Hätten andere Bilder, etwa vom 11. September, auch zu einer anderen Wahrnehmung dieser &#8220;Katastrophe&#8221; geführt? Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch. Zwar könne man <strong>Ereignis und Darstellung nicht mehr trennen</strong>, so Trempler. Doch man müsse &#8220;in aller Deutlichkeit sagen, dass die Fernsehbilder <strong>kein bloßer Spiegel sind</strong> und wir nur wie durch ein Fernglas zugucken.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/die-erfindung-der-katastrophe/" target="_blank" title="Die Erfindung der Katastrophe"><strong>Zum kompletten Interview in der taz</strong></a></p>
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		<title>Der lange Marsch des Durão Barroso: Ein Internet-Video zeigt die marxistisch-leninistische Vergangenheit des EU-Kommissionspräsidenten</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Oct 2007 20:48:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[durão barroso]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Durão Barroso spricht über die &#8220;Krise des bürgerlichen und anti-proletarischen Unterrichts&#8221;. Bitte was? Kommunistische Thesen vom heutigen EU-Kommissionspräsidenten, Mitglied der konservativen Partei PSD? Zugegeben: Die marxistisch-leninistischen Parolen von Barroso liegen gut dreißig Jahre zurück &#8211; und amüsieren derzeit ganz Portugal. Ein plötzlich aus der Versenkung aufgetauchtes Internet-Video lässt die linke Vergangenheit von Durão Barroso [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Durão Barroso spricht über die &#8220;Krise des bürgerlichen und anti-proletarischen Unterrichts&#8221;. Bitte was? Kommunistische Thesen vom heutigen EU-Kommissionspräsidenten, Mitglied der konservativen Partei PSD? Zugegeben: Die marxistisch-leninistischen Parolen von Barroso liegen gut dreißig Jahre zurück &#8211; und amüsieren derzeit ganz Portugal. Ein plötzlich aus der Versenkung aufgetauchtes Internet-Video lässt die linke Vergangenheit von Durão Barroso wieder sichtbar werden. <span id="more-29"></span></p>
<p><strong>In der Jugend linksradikal, heute konservativ:</strong> Diese Entwicklung haben viele europäische Politiker hinter sich. <strong>Durão Barroso</strong> bildet keine Ausnahme. Barroso, ehemaliger portugiesischer Ministerpräsident und heute Vorsitzender der EU-Kommission, gilt heute als konservativer Mann. Ein Freund der Wirtschaft. Doch das war nicht immer so: Mitte der 70er Jahre war Barroso auf der anderen politischen Seite aktiv &#8211; und zwar in führender Position in <strong>maoistischen und marxistisch-leninistischen Gruppierungen</strong>, die nach der Nelkenrevolution in Portugal unter jungen Leuten ziemlich beliebt waren.</p>
<p>Barroso machte aus seiner linken Jugend nie ein Geheimnis &#8211; auch wenn sein <a href="http://ec.europa.eu/commission_barroso/president/personal/profile/index_de.htm" target="_blank" title="Offizielles Porträt von Durão Barroso auf den Seiten der EU-Kommission">offizielles Porträt als EU-Kommissionspräsident</a> hier nur etwas verschämt für die Jahre 1975/76 den &#8220;<strong>Vorsitz der Associação Académica</strong>&#8221; der Fakultät der Rechtswissenschaften an der Universität Lissabon angibt. Dies könnte man auch <strong>etwas präziser</strong> ausdrücken. So war Barroso auch <strong>Vorsitzender der FEM-L</strong> (Federação dos Estudantes Marxistas-Leninistas, Vereinigung der marxistisch-leninistischen Studenten), sowie Mitglied der Kommunistischen Arbeiterpartei Portugals.</p>
<p>Eigentlich eine längst vergessene Zeit. Doch seit ein paar Wochen ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KKw-UjHCEWI" target="_blank" title="Das Youtube-Video zu Barroso">Videofilm auf dem Portal Youtube</a> auftauchte, <strong>amüsiert sich ganz Portugal über die marxistische Vergangenheit</strong> eines seiner weltweit einflussreichsten Politiker. Denn in diesem Film &#8211; er muss kurz nach der Nelken-Revolution vom 25. April 1974 entstanden sein &#8211; sieht man den jungen, noch nicht einmal zwanzigjährigen Durão Barroso, wie er in einer langen, oft auch etwas verwirrenden Folge an Sätzen über die Krise des &#8220;<strong>bürgerlichen, anti-proletarischen Unterrichts</strong>&#8221; dozierte: &#8220;Der vom repräsentativen Plenum angenommene Vorschlag der Inter-Kommission des Kampfes, Organ von denen, die sich aufzurichten wussten, um den Kampf fortzusetzen&#8230;&#8221; &#8211; so setzt Barroso ein, und so unverständlich diese Worte auf Deutsch klingen, so sind sie es auch auf Portugiesisch. So geht es dann im 58 Sekunden dauernden Spot weiter: Kampfesparolen, Lob auf die Arbeiter, Kritik am herrschenden System.</p>
<p align="center"> [youtube:http://www.youtube.com/watch?v=KKw-UjHCEWI]</p>
<p> Interessanterweise ist die Original-Version des Films nach einigen Tagen und zehntausenden Abrufen <strong>wieder zurückgezogen worden</strong> &#8211; um von einem anderen Youtube-Nutzer nur wenig später wieder aufs Portal gebracht zu werden.Spätestens seitdem die großen Fernsehsender über das Video berichteten, ist es auch ein großes <strong>Gesprächsthema in Portugal</strong> &#8211; und erntet meist amüsierte Kommentare. &#8220;<strong>Wir waren alle einmal jung</strong>&#8220;, ist die am häufigsten zu hörende und lesende Anmerkungen der Portugiesen zum filmischen Zeugnis aus Barrosos maoistischen Zeiten. Andere Blogger gehen in ihrer Beurteilung jedoch weiter &#8211; und erkennen im marxistischen Barroso auch den Barroso von heute: &#8220;<strong>Der Mann redete, redete und sagte nichts. Eigentlich kein Unterschied zu heute</strong>&#8221; lautet etwa die Meinung von Jmvfaria im <a href="http://rupturavizela.blogs.sapo.pt/145812.html" target="_blank">Rupturavizela-Blog</a>. Vielleicht nicht allzu weit hergeholt &#8211; bei <a href="http://www.youtube.com/watch?v=SoCq5AJaJO0" target="_blank" title="Barroso auf Deutsch in einem Youtube-Video">diesem Youtube-Video</a>  sieht man zum Beispiel, dass Barroso sogar auf Deutsch viel redet, aber nicht unbedingt viel sagt. Man könnte Barrosos alte Aufnahme natürlich auch positiver ausdrücken: <strong>Sein Talent als Politiker hat sich früh gezeigt.<br />
</strong></p>
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		<title>Der Kyneten-Code: Portugals älteste bekannte Schrift ist bis heute nicht komplett entziffert</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Oct 2007 21:56:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alentejo]]></category>
		<category><![CDATA[Algarve]]></category>
		<category><![CDATA[Museen]]></category>
		<category><![CDATA[Urgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[algarve]]></category>
		<category><![CDATA[almodóvar]]></category>
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		<category><![CDATA[schrift]]></category>
		<category><![CDATA[südlusitanien]]></category>
		<category><![CDATA[tartesser]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Das südportugiesische Städtchen Almodôvar, rund 70 Kilometer nördlich von Faro gelegen, gilt als Heimat der ältesten Schrift Portugals &#8211; der &#8220;Escrita do Sudoeste&#8221;. Sowohl die mutmaßlichen Erfinder &#8211; das Volk der Kyneten &#8211; wie auch die Schrift selbst sind geheimnisumwittert. Ein neues Museum will nun Licht ins Dunkel der alten Schriften bringen &#8211; und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Das südportugiesische Städtchen Almodôvar, rund 70 Kilometer nördlich von Faro gelegen, gilt als Heimat der ältesten Schrift Portugals &#8211; der &#8220;Escrita do Sudoeste&#8221;. Sowohl die mutmaßlichen Erfinder &#8211; das Volk der Kyneten &#8211; wie auch die Schrift selbst sind geheimnisumwittert. Ein neues Museum will nun Licht ins Dunkel der alten Schriften bringen &#8211; und wartet mit wertvollen Exponaten auf.<span id="more-32"></span></p>
<p>Almodôvar, heute ein verschlafenes 4.000-Einwohner-Städtchen, kann auf eine <strong>reiche Geschichte</strong> zurückblicken. Hier, am Übergang vom <strong>Alentejo zur Algarve-Region</strong>, begegneten sich schon lange vor Ankunft der Römer die unterschiedlichsten Völker: <strong>Kelten trafen auf Iberer</strong>, und auch die Anwesenheit von <strong>Phöniziern und Karthagern</strong> lässt sich nachweisen. Diese Vielfalt macht Historikern und Archäologen heute auch das Leben schwer &#8211; denn nicht immer lässt sich genau sagen, wer wann wo gewesen ist.</p>
<p>Und so gibt es auch bei den <strong>ältesten Schriftzeugnissen</strong> aus dieser Zeit  &#8211; der &#8220;Südwest-Schrift&#8221; (<em>Escrita do Sudoeste</em>) oder &#8220;südlusitanische Schrift&#8221; - <strong>viele offene Fragen</strong>. So wurden rund um Almodôvar in den letzten Jahrzehnten Dutzende Schiefer-Stelen gefunden, die mit einer geheimnisvollen, fast an Hieroglyphen erinnernden Schriftart beschrieben sind. Meist enthalten die Stelen nur kleine, kurze Texte, andere sind mit einer Zeichnung illustriert &#8211; so wie die bedeutende <em><a target="_blank" href="http://escritadosudoeste.no.sapo.pt/abobada1.html" title="Informationen zur Stele von Abóbada">Stele von Abóbada</a></em>, die auch mit 60 Zeichen den längsten bekannten Text der Südwest-Sprache enthält.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/02_10_aboboda.jpg" alt="02_10_aboboda.jpg" /></p>
<p style="text-align: center"><em>Die Stele von Abóbada &#8211; Texte mit einer Menschenzeichnung in der Mitte. Quelle: <a target="_blank" href="http://escritadosudoeste.no.sapo.pt/" title="Portal da Escrita do Sudoeste">Portal da Escrita do Sudoeste</a></em></p>
<p style="text-align: center">&nbsp;</p>
<p align="left" style="text-align: center">&nbsp;</p>
<p><strong>Die Faktenlage ist dürr:</strong> Sicher ist nur, dass die Stelen in der Zeit zwischen dem 7. und 5. Jahrhundert vor Christus entstanden sind. Und obwohl die Südwest-Schrift eindeutig unter <strong>Einfluss des phönizischen Alphabets</strong> entstanden ist, ist sie doch schon weiter entwickelt: Kannte die phönizische Schriftsprache nur Konsonanten (wie das Hebräische), verwendet die Südwest-Schrift auch Vokale. Deshalb gehen Archäologen davon aus, dass weniger die Phönizier als die im gesamten Süden der iberischen Halbinsel lebenden <strong>Tartesser</strong> die Entwicklung der Schrift geprägt haben. Manche portugiesische Quellen sehen die Südwest-Schrift auch als identisch mit der tartessischen Schrift an.</p>
<p>Ähnlich geheimnisvoll steht es um die <strong>Schöpfer der Escrita do Sudoeste</strong>: Niemand weiß anscheinend so genau, ob es Iberer, Kelten, eine Mischvolk aus Ibero-Kelten oder vielleicht sogar eine eigene Volksgruppe &#8211; die <strong>Kyneten oder Konier</strong> &#8211; waren, die die Stelen beschrifteten. Die Texte selbst geben wenig Auskunft &#8211; in den allermeisten Fällen sind es Grabbeschriftungen, über deren korrekte Übersetzung noch immer gestritten wird.</p>
<p>Das Übersetzen gestaltet sich auch deshalb so schwierig, weil das Schöpfervolk der Südwest-Schrift vor vielen Jahrhunderten wieder so <strong>spurlos verschwand</strong>, wie es aufgetaucht ist. Niemand weiß, was mit ihm geschah oder welche Entwicklung es nahm.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/02_10_mesa.jpg" alt="02_10_mesa.jpg" /></p>
<p style="text-align: center"><em>MESA &#8211; Museu da Escrita do Sudoeste Almodôvar: In Kürze eröffnet das neue Museum rund um die Südwestschrift. Quelle: <a target="_blank" href="http://www.cm-almodovar.pt/" title="Stadtverwaltung von Almodôvar">Câmara Municipal Almodôvar</a></em></p>
<p align="left" style="text-align: center">&nbsp;</p>
<p>So schien es denn auch lange Zeit, dass gemeinsam mit dem Volk der Kyneten auch die Schrift im Dunkel der Geschichte verschwinden sollte. <strong>Ein neues Museum in Almodôvar will das ändern</strong> &#8211; und uns Besuchern von heute zumindest die Schriftzeugnisse aus den alten Zeiten zugänglich machen.</p>
<p>Das &#8220;MESA&#8221; (Museu da Escrita de Sudoeste) genannte Museum präsentiert 16 der in der Umgebung von Almodôvar gefundenen Stelen, ergänzt um einige auswärtige Funde. Mit diesen <strong>einzigartigen Original-Zeugnissen</strong> ergibt sich erstmals die Gelegenheit, einen direkten Blick auf die<strong> älteste, in Portugal bekannte Schrift</strong> werfen zu können.</p>
<p>Wann das in einem ehemaligen Kino untergebrachte Museum allerdings genau seinen Betrieb aufnehmen wird, ist noch nicht ganz klar. Lange dürfte es nicht mehr dauern &#8211; zu den Tagen des kulturellen Erbes am 29. und 30. September luden die Museumsmacher rund um wissenschaftlichen Koordinator Amílcar Guerra schon einmal zur<strong> Vorpremiere</strong>. Nach rund 2500 Jahren des Wartens kommt es auf ein paar Tage Verzögerung dann auch nicht mehr an.</p>
<ul>
<li>Die Stadtverwaltung von Almodôvar bietet auf ihrer Homepage einen <a target="_blank" href="http://www.cm-almodovar.pt/videos/2500_anos_escrita.htm" title="Film zur Geschichte der Schrift in Almodôvar">kurzen Film über &#8220;2500 Jahre Schrift&#8221;</a> an &#8211; nur auf Portugiesisch verfügbar.</li>
<li>Das <a target="_blank" href="http://escritadosudoeste.no.sapo.pt/" title="Portal da Escrita do Sudoeste">Portal da Escrita do Sudoeste</a> bietet Bilder und Informationen zu zahlreichen Fundstücken an</li>
</ul>
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		<title>Der Neandertaler lebte auch am Tejo</title>
		<link>http://www.portugalmania.de/2007/09/der-neandertaler-lebte-auch-am-tejo/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Sep 2007 21:10:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Museen]]></category>
		<category><![CDATA[Ribatejo]]></category>
		<category><![CDATA[Urgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[neandertaler]]></category>
		<category><![CDATA[phönizier]]></category>
		<category><![CDATA[ribeira de atalaia]]></category>
		<category><![CDATA[tejo]]></category>
		<category><![CDATA[vila franca de xira]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Der Tejo, einer der wichtigsten Flüsse Portugals, war bereits seit Jahrtausenden Lebensader der Menschen auf der iberischen Halbinsel. Ein portugiesisch-italienisches Forscherteam hat nun sogar die nachweislich ältesten Funde in Portugal machen können: Schon vor 300.000 könnten Neandertaler am Tejo gelebt haben. Einige Kilometer flussabwärts sorgen zudem Funde aus jüngerer Zeit für Furore&#8230;  				
Archäologen einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Der Tejo, einer der wichtigsten Flüsse Portugals, war bereits seit Jahrtausenden Lebensader der Menschen auf der iberischen Halbinsel. Ein portugiesisch-italienisches Forscherteam hat nun sogar die nachweislich ältesten Funde in Portugal machen können: Schon vor 300.000 könnten Neandertaler am Tejo gelebt haben. Einige Kilometer flussabwärts sorgen zudem Funde aus jüngerer Zeit für Furore&#8230;  				<span id="more-44"></span></p>
<p>Archäologen einer Projektgruppe rund um die <a href="http://www.estt.ipt.pt/" target="_blank" title="Escola Superior de Tecnologia de Tomar">Fachhochschule von Tomar</a> sind möglicherweise auf die <strong>ältesten nachweisbaren Funde von menschlichem Leben in Portugal</strong> gestoßen. Bei ihren <a href="http://www.estt.ipt.pt/default.asp?s=1&amp;t=1&amp;n=724" target="_blank" title="Bericht von der ESTT Tomar">Ausgrabungen in Ribeira da Atalaia</a> am Oberlauf des Tejo fanden die Forscher aus Portugal und Italien <strong>Spuren von Gebrauchsgegenständen der Neandertaler</strong>, deren Alter mit radiografischen Methoden auf <strong>300.000 Jahre</strong> geschätzt wird. Ein absoluter Beweis für die Anwesenheit von Menschen zu dieser Zeit im Ribatejo-Gebiet ist damit noch nicht erbracht: Zunächst sagt der Befund nur, dass die untersuchten Objekte vor rund 300.000 Jahren mit dem Sonnenlicht in Berührung kamen. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr hoch, dass man auf das Leben von Menschen &#8211; und hier vor allem Neandertaler &#8211; am Tejo schließen kann.</p>
<p>Der 40 Meter lange Graben, den die Archäologen diesen Sommer unter brütenden Temperaturen aushoben, barg noch weitere <strong>interessante Fundstücke</strong>. So konnten die Forscher aus dem Projektteam &#8220;TEMPOAR&#8221; (&#8220;Território,Mobilidade e Povoamento do Alto Ribatejo&#8221; / &#8220;Land, Mobilität und Bevölkerung des Alto Ribatejo&#8221;) den seltenen Nachweis für eine <strong>Feuerstelle von vor 24.000 Jahren</strong> erbringen. Wegen des säurehaltigen Bodens in der Region kann zwar nicht mehr bestimmt werden, ob das Feuer zum Heizen oder Zubereiten von Essen genutzt wurde. Sicher ist jedoch, dass sich die Feuerstelle nicht in einer Höhle befand, sondern unter offenem Himmel auf einer Flussterrasse. Solche frei stehenden Feuerstellen wurden bislang nur wenige in Portugal gefunden.</p>
<p>Die Funde in Ribeira da Atalaia deuten auf einen besonders &#8220;alten&#8221; Neandertaler hin. Doch wie die vor knapp zehn Jahren in Leiria gemachte Knochenfunde des &#8220;<strong>Kindes von Lagar Velho</strong>&#8221; zeigen, lebte möglicherweise auch einer der &#8220;<strong>letzten Neandertaler</strong>&#8221; auf der iberischen Halbinsel. Das Alter des Kindes von Lagar Velho wurde auf <strong>25.000 Jahre taxiert</strong>. Das bedeutet: Es lebte schon zu einer Zeit, als unsere Vorfahren &#8211; die Vorläufer des modernen Menschen &#8211; bereits in dieses Gebiet eingewandert sind. Dies würde wiederum bedeuten, dass der Neandertaler nicht einfach ausgestorben ist, wie bislang vermutet wurde. Vielmehr wäre der Neandertaler mit dem Homo Sapiens durch <strong>Vermischung langsam in unser Erbgut aufgegangen</strong>. Noch streiten die Fachleute über diese These, die vor allem von dem an der Ausgrabung beteiligten Archäologie-Professor Joao Zilhao von der Universität Bristol engagiert vertreten wird (<a href="http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2006/0718/006_neandertaler.jsp" target="_blank" title="Quarks &amp; Co über das Kind von Lagar Velho">hier ein ausführlicher Bericht des TV-Magazins Quarks &amp; Co zu dem Thema</a>).</p>
<p>Fast zeitgleich mit den Funden in Ribeira da Atalaia hat ein anderes Archäologen-Team am <strong>Unterlauf des Tejo</strong> wesentlich jüngere, aber nicht weniger faszinierende Funde ans Tageslicht gebracht. In <strong>Vila Franca de Xira</strong>, kurz vor der Mündung des Tejo in sein großes Flussdelta bei Lissabon, kamen rund 3.000 Jahre alte Scherben ans Tageslicht, deren Herkunft auf <strong>Phönizier</strong> schließen lässt.</p>
<p>Dass die Phönizier im Tejo-Delta aktiv waren, ist bekannt: So waren Lissabon (Olisipo), Almada (Almarez) und Santarém <strong>florierende phönizische Handelsstandorte</strong>. Die Funde von Vila Franca de Xira sind aber deshalb interessant, weil sie aus der Zeit <em>vor</em> Gründung der phönizischen Handelsstützpunkte stammen. Sie zeigen also, dass die Phönizier bereits vorher Kontakte mit den hier lebenden Einwohnern hatten.</p>
<p>Damit sei es nun also möglich, die Geschichte dieser Epoche <strong>nicht nur aus Sicht der Kolonisatoren</strong> &#8211; der Phönizier &#8211; zu schreiben, sondern auch aus Sicht der Ur-Einwohner, den &#8220;Kolonisierten&#8221;, erklärte Archäologe João Pimenta dem <em>Público</em> die Bedeutung der Funde.</p>
<p>Ausflugstipp:</p>
<p>Das archäologische Museum von Maçao gibt einen <strong>Überblick über prähistorische Funde</strong> am oberen Tejo. <a href="http://www.cm-macao.pt/%7Emuseu/" target="_blank" title="Archäologisches Museum Macao">Nähere Infos (auf portugiesisch) hier&#8230;</a></p>
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		<title>Encompassing the Globe: Washington entdeckt Portugals Seefahrer</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Aug 2007 21:59:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gilberto</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entdeckungen]]></category>
		<category><![CDATA[seefahrer]]></category>
		<category><![CDATA[smithsonian]]></category>

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		<description><![CDATA[ 	Portugals Entdeckungen des 16. und 17. Jahrhunderts markieren den Grundstein für die Globalisierung. Doch schon damals sorgte der Kontakt zwischen Ost und West für so manch eine Irritation. Eine große Ausstellung im Washingtoner Smithsonian-Institut spürt den kulturellen Verwerfungen nach, die die portugiesischen Seefahrten mit sich brachten.
Die Geschichte der portugiesischen Entdeckungen im 16. und 17. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	Portugals Entdeckungen des 16. und 17. Jahrhunderts markieren den Grundstein für die Globalisierung. Doch schon damals sorgte der Kontakt zwischen Ost und West für so manch eine Irritation. Eine große Ausstellung im Washingtoner Smithsonian-Institut spürt den kulturellen Verwerfungen nach, die die portugiesischen Seefahrten mit sich brachten.<span id="more-49"></span></p>
<p>Die Geschichte der <strong>portugiesischen Entdeckungen im 16. und 17. Jahrhundert</strong> hatte nicht nur politische und wirtschaftliche Auswirkungen. Auch kulturell hatte der Kontakt mit den neuen Handelspartnern und Kolonien in Afrika, Asien und Amerika seine Spuren hinterlassen &#8211; sowohl bei den &#8220;Entdeckern&#8221; selbst wie auch bei den Menschen in Übersee.</p>
<p>Die große Ausstellung &#8220;<strong>Encompassing the Globe</strong>&#8221; in ter Arthur M. Sackler Gallery des Washingtoner Smithsonian-Instituts spürt nun diesen <strong>kulturellen Zusammenstößen</strong> nach: Mehr als 250 Ausstellungsstücke aus der ganzen Welt zeigen, wie sich Portugiesen und Europäer vom &#8220;Hauch der Exotik&#8221; betören ließen &#8211; und auch, wie Inder oder Japaner die neuen europäischen Mitbewohner wahrnahmen.</p>
<p>Und wie so oft bei solchen kulturellen Großprojekten hatte &#8220;Encompassing the Globe&#8221; eine <strong>lange Vorgeschichte</strong>. Schon 1992 kam Kurator Jay Levenson die Idee für eine umfassende Darstellung des portugiesischen Weltreichs und dessen Seefahrer. Damals arbeitete Levenson an einer Ausstellung zum fünfhundertsten Jahrestag der Landung Kolumbus in Amerika. Levenson versuchte, für diese Schau <strong>Exponate aus Portugal</strong> zu organisieren &#8211; und stieß auf ungeahnt viele Hindernisse. Viele der von ihm angeforderten Kunstwerke und Dokumente seien bis dahin noch nie für eine Sonderausstellung ausgeliehen worden, berichtete Levenson im <a href="http://www.smithsonianmag.com/issues/2007/june/portugal.php" target="_blank" title="Interview mit Smithsonian Magazine">Interview mit dem Smithsonian Magazine</a>. Und obwohl Jay Levenson seitdem über gute Kontakte nach Portugal verfügte, dauerte es weitere fünfzehn Jahre bis zur Verwirklichung der großen Ausstellung über die portugiesischen Entdeckungen, die jetzt noch bis zum 16. September 2007 läuft.</p>
<p>Neben großen portugiesischen Museen wie dem Museu Nacional de Arte Antiga in Lissabon steuerten Leihgeber aus der ganzen Welt Kunstwerke, Karten und Bilder für die Washingtoner Ausstellung bei. Und das entspricht ganz der Intention von &#8220;Encompassing the Globe&#8221; &#8211; nicht nur die <strong>europäische Version der &#8220;Entdeckungs&#8221;-Geschichte</strong> zu erzählen, sondern auch die Perspektive der Völker in Afrika, Asien und Amerika einzunehmen.</p>
<p>Der Einfluss der portugiesischen Entdecker war im 16. und 17. Jahrhundert beträchtlich. So hatten die Portugiesen fast über den gesamten Globus ein gut organisiertes Handelsnetz aus Seefahrtsrouten gespannt &#8211; die <em>New York Times</em> nannte dieses Netzwerk in ihrer <a href="http://www.nytimes.com/2007/06/29/arts/design/29sack.html?ex=1342152000&amp;en=0fcf99d5a3c12927&amp;ei=5124&amp;partner=permalink&amp;exprod=permalink" target="_blank" title="Bericht der New York Times">Besprechung zu &#8220;Encompassing the Globe&#8221;</a> sogar einen &#8220;<strong>Vorläufer des Internets, nur langsamer</strong>&#8220;. Und da Portugal auch zur Zeit der Entdeckungen mit gerade einmal <strong>einer Million Einwohner</strong> ein kleines Land war, mussten die vorhandenen Ressourcen gezielt eingesetzt werden. Speziell in Asien setzte Portugal deshalb nicht auf eine groß angelegte Kolonialisierung, sondern auf <strong>ausgewählte Handelsstützpunkte</strong>, von denen manche wie Goa oder Macau noch bis weit ins 20. Jahrhundert unter portugiesischer Flagge verblieben. Nur im <strong>riesigen Brasilien</strong> mit seinem immensem natürlichen Reichtum trieb Portugal eine wirklich flächendeckende Ausbreitung seines Herrschaftsgebiets voran.</p>
<p><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/knife_case.jpg" alt="default" title="default" align="right" height="300" width="235" />Die verschiedenen Handelspunkte in Afrika, Asien und Brasilien waren nicht nur Handelsplätze, sondern auch Zentren des kulturellen Austauschs. Wie eng <strong>Kunst und Kommerz</strong> zusammenlagen, zeigen die in Washington gezeigten Stücke an Kunsthandwerk, die die Portugiesen in den Übersee-Gebieten extra für reiche Europäer herstellen ließen. Damals war es speziell bei europäischen Herrschaftsfamilien beliebt, in &#8220;Kunstkammern&#8221; &#8211; kleine, private Museen &#8211; exotische Gegenstände zu sammeln. Und diese teuren Sammelstücke wurden ihnen <strong>von den portugiesischen Karavellen geliefert</strong>: Perlenarbeiten aus Indien, Kunsthandwerk aus afrikanischem Elfenbein und nicht zuletzt das damals sehr begehrte und rare Terrakotta aus Brasilien. <em>(Bild: Ein Messerschutz aus dem Kongo &#8211; weltweit vertrieben durch portugiesische Händler. © The National Museum of Denmark, Ethnographic Collection, Copenhagen / Smithsonian Institution)</em></p>
<p><em>Bild unten: <img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/european.jpg" alt="european.jpg" title="european.jpg" align="left" height="226" width="164" />Ein Europäer, gesehen von einem indischen Künstler aus dem 17. Jahrhundert. Victoria and Albert Museum / Smithsonian Institution</em></p>
<p>Doch der Reiz des wirkte auch auf die <strong>Menschen in Asien</strong>, die mit den Portugiesen in Kontakt kamen. Das Smithsonian zeigt beispielsweise Bilder aus Indien mit Motiven der fremden Europäer. Blickten die Inder noch mit einem relativ weltoffenen Interesse auf die Portugiesen, so war das <strong>Verhältnis mit Japan sehr viel schwieriger</strong>. Japan betrieb zwar Handel mit Portugal &#8211; vor allem die Schusswaffen &#8220;made in Europe&#8221; waren von besonderem Interesse. Misstrauisch bis abweisend standen die Japaner der ebenfalls betriebenen Missionsarbeit für den christlichen Glauben, initiiert vom Jesuitenpater Francis Xavier, gegenüber.</p>
<p>Die portugiesischen Entdeckungen legten die <strong>Grundlage für die heutige globalisierte Welt</strong> &#8211; daran lassen die Ausstellungsmacher in Washington kaum einen Zweifel. Inklusive all ihrer Schattenseiten: Brutale Eroberungen, weltweite Ungleichheiten, kulturelle Irritationen &#8211; die Phänomene unserer heutigen Welt standen schon damals auf der Tagesordnung.</p>
<p>Und auch wer nicht in Washington dabei sein kann: Der <a href="http://www.asia.si.edu/EncompassingtheGlobe/" title="Encompassing The Globe">begleitende Internetauftritt zu &#8220;Encompassing The Globe&#8221;</a> enthält viel Wissenswertes zu den portugiesischen Entdeckungen. Sehr praktisch ist vor allem eine Datei zum Download, mit der die Reisen der Seefahrer auf den Weltkarten von Google Earth nachvollzogen werden können.</p>
<p style="text-align: center"><img src="http://www.portugalmania.de/wp-content/googleearth-descobrimentos.jpg" alt="googleearth-descobrimentos.jpg" /></p>
<p style="text-align: center"><em>Seefahrer-Routen in Google Earth</em></p>
<p style="text-align: center">&nbsp;</p>
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