Metamorphosen und Metaphonien: Madredeus erfindet sich neu
Tot gesagte leben länger: Fast hätte man „Madredeus“ schon in die Abteilung „Portugiesische Musikgeschichte“ einsortiert – nun meldet sich die Gruppe um Pedro Ayres Magalhaes mit einem eindrucksvollen Comeback zurück. Nicht nur personell hat sich Madredeus mit neuen Kräften verstärkt – auch das Repertoire öffnet sich hin zu neuen Einflüssen aus Ostafrika und Brasilien.
Klassische portugiesische Musik, nur anders gespielt: Das war seit der Gründung im Jahr 1987 das erklärte Ziel von Madredeus, dem wohl eigentümlichsten Gewächs der portugiesischen Musikszene der jüngeren Zeit.
Spätestens seit Wim Wenders’ Film „Lisbon Story“ mausierte sich die Musik von Madredeus zu so etwas wie dem „offiziellen Soundtrack“ zu Lissabon und Portugal – mit einer ganz eigenen Kombination aus portugiesischer Gitarre, elektronischen Synthesizern und vor allem auch dem Gesang von Teresa Salgueiro. Doch so wenig sich Portugal selbst ohne seine weltweite Kolonialgeschichte verstehen lässt, so wenig ist die „klassisch portugiesische Musik“ doch eine rein auf Portugal bezogene Erscheinung. Selbst der als so typisch portugiesisch angesehene Fado entstand maßgeblich außerhalb Europas – und weist bei aller Unklarheit über die Herkunft doch deutliche Spuren in Richtung Afrika und Brasilien auf.
Musikalische Entdeckungstouren in Richtung Afrika und Brasilien
Genau diesen Sprung, den Mut zum erweiterten Blickwinkel über den Atlantik hinweg unternimmt nun, mehr als zwanzig Jahre nach ihrer Gründung, auch die Gruppe Madredeus. Die soeben erschienene Doppel-CD „Metafonia“ wagt deutliche rhythmischere Akzente und oft mehr Leichtigket als die zahlreichen Vorgängerproduktionen wie zuletzt „Um Amor Infinito“.

Metafonia: Mit diesem Album meldet sich Madredeus wieder zurück
Zu Klangproben aus der neuen CD auf der myspace-Seite von Madredeus und der Banda Cósmica…
Und nicht nur das Konzept von Madredeus scheint gewachsen zu sein – auch die Besetzung um Pedro Ayres Magalhaes hat sich deutlich erweitert. Statt Teresa Salgueiro als Front-Sängerin melden sich auf „Metafonia“ nun mit Mariana Abrunheiro und Rita Damásio zwei neue weibliche Stimmen zu Wort, die bewusst keine Ähnlichkeit mit ihrer bekannten Vorgängerin haben. Und auch im instrumentellen Bereich hat Madredeus aufgestockt: Neu hinzugekommen sind die Musiker der extra zur Madredeus-Expansion gegründeten „Banda Cósmica“, die zu den üblichen Synthesizern und portugiesischen Gitarren nun auch etwa Harfenmusik einbringen.
Mit dem neuen Album hat sich Madredeus also in überraschender Weise neu erfunden – und ist „im Kern doch die alte Gruppe geblieben“, wie Gründervater und Bandmotor Pedro Ayres Magalhaes nicht müde wird zu betonen: „Wir singen weiterhin nur auf Portugiesisch, und wir nehmen unsere Aufnahmen nur live auf“, erklärte er etwa der Zeitung Destak die Konstanten des alten neuen Madredeus.
Das Video von “Eclipse” aus der neuen CD Metafonia gibt es bei IOL zu sehen: Hier klicken…
Dennoch war ein Neuanfang dringend nötig – sah vor einem Jahr doch alles nach einem sanften Ableben von „Madredeus“ aus. Zu einfältig, zu ähnlich wurden die Produktionen. Mit immer neuen Abwandlungen des Altbekannten – Madredeus mit Symphonieorchester, Madredeus auf den Azoren, Madredeus elektronisch überformt – gelang der Gruppe selten etwas Neues.
Es war dann ausgerechnet die für die Musik fast unverzichtbar erscheinende Sängerin Teresa Salgueiro, die sich aus diesem fest gefahrenen Korsett löste, um sich fortan auf eigene Projekte zu konzentrieren. Der Rest der Gruppe ging in ein Sabbatjahr, das für viele nur als Synonym für ein Ende der Band stand. Doch nun, nach dem Ende des Sabbaticals, scheint die Kraft für den Neuanfang gekommen zu sein – mit Metafonia.
Eine Metaphonie steht in der Sprachwissenschaft für die Lautänderung eines Vokals, der durch einen anderen unbetonten Vokal erzeugt wird. Es ist und bleibt also der Vokal – und klingt doch anders. Und das gilt auch für das neue Madredeus-Album: Vieles ist neu, andere Stücke erinnern jedoch noch stark an die alten Produktionen. Das liegt vor allem daran, dass die Gruppe nach ihrer letzten Produktion „Um Amor Infinito“ bereits viele neue Songs produziert hatte, die aber nie veröffentlicht wurden. Auf „Metafonia“ kommen auch diese Titel in veränderter Besetzung zum Tragen.
Die CD Metafonia ist noch nicht in Deutschland erhältlich, online direkt aus Portugal aber zum Beispiel über fnac.pt zu bestellen. Derzeit führen Madredeus und die Banda Cósmica die Titel des neuen Albums auch live im Teatro Ibérico im Lissaboner Stadtteil… Madredeus (sic!) auf.

November 7th, 2008 um 10:07 pm
Schön, dass es weiter geht.
November 10th, 2008 um 12:34 pm
[...] Gruppe Madredeus, zusammen mit Mariana Abrunheiro und Rita Dam
November 11th, 2008 um 10:54 am
Schön mal wieder was hier zu lesen. Wir werden die CD voraussichtlich ab Ende nächster Woche im Angebot haben, ich poste dann ggfs. nochmal einen link.
November 19th, 2008 um 10:45 am
wunderschöne Musik!!!
um abraco
eduardo
November 24th, 2008 um 3:40 pm
[...] Vor ungefähr einer Woche schon hat Gilbert Schwertmann von Portugalmania in einem wie immer sehr lesenswerten Artikel auf die neue CD Metafonia der portugiesischen Gruppe Madredeus hingewiesen. Inzwischen ist sie auch [...]