Finanzkrise à portuguesa: Kleine Bank in großen Nöten
In einer Blitzaktion hat die portugiesische Regierung vor einigen Tagen die angeschlagene Bank BPN verstaatlicht. Eine Folge der internationalen Finanzkrise? Nur bedingt: Der Untergang der BPN hat eher hausgemachte Ursachen. Abgesehen von diesem Einzelfall geraten mittlerweile aber viele Portugiesen in den Sog der Finanzkrise: Die Zinsen steigen – und so manch ein Wohnungskäufer sitzt bald in der Kreditfalle.
Praktisch über Nacht dürfen sich Portugals Steuerzahler als Bankbesitzer fühlen. In einer Überraschungs-Aktion übernahm die portugiesische Regierung das von schätzungsweise 700 bis 800 Millionen Euro Verlust geplagte Kreditinstitut „Banco Português de Negócios“ (BPN), das nun der staatlichen Sparkasse Caixa Geral de Depósitos angegliedert wird.
Die erste Verstaatlichung einer Bank in Portugal seit den wirtschaftspolitischen Schlingerkursen im Zuge der Nelkenrevolution 1974 ließ sogar die internationale Wirtschaftspresse aufmerken – und schien doch eine folgerichtige Antwort auf die internationale Finanzkrise zu sein, die auch in vielen anderen Teilen der Welt staatliche Eingriffe notwendig machte. Bei genauerem Hinsehen sind im Fall BPN die Dinge allerdings anders gelagert:Womöglich waren es tatsächlich die Auswirkungen des globalen Finanzsturms, die die letztendlich BPN zum Umkippen brachten – ein Fall für den Insolvenzverwalter war das zum Teil mit der Katastrophennote „BBB“ bewertete Institut jedoch schon länger.

Hände hoch, die Banken rauben dich aus: Viele Portugiesen haben nur noch wenig Vertrauen in ihre Banken. Skulptur vor einer Bankfiliale im nordportugiesischen Vila Nova de Cerveira. Foto: stukinha auf Flickr
Seit mindestens sechs Jahren, so sind sich Wirtschaftskenner einig, hatte die BPN einen leicht anrüchigen Ruf. Schon im Jahr 2002 machten nach portugiesischen Medienberichten die Wirtschaftsprüfer der Firma Deloitte die Aufsicht führende Nationalbank auf gravierende Unregelmäßigkeiten in den BPN-Bilanzen aufmerksam – ohne Reaktion. Über Jahre hinweg konnte die BPN ihr Spiel weiter betreiben – und das nicht nur mit undurchsichtigen Besitzverhältnissen, sondern auch mit einem sich immerfort rotierenden Management, für das allzu gerne auch so manch ein Ex-Politiker rekrutiert wurde.
Millionen versickerten im “portugiesischen Liechtenstein”
Schon mehrfach war die BPN in undurchsichtige Geschäfte involviert. Auf den kapverdischen Inseln führte ein Immobilienskandal um ein geplatztes Tourismusprojekt vor einigen Monaten zum Rücktritt eines Ministers. Die Kapverden waren ohnehin ein Lieblingsspielfeld des nun verstaatlichten Bankhauses.
Schritt für Schritt haben fast alle portugiesischen Banken die kapverdische Stadt Praia als kleines „Liechtenstein“ vor der Küste Afrikas aufgebaut. Dort, auf den Kapverden, tätigte die BPN bevorzugt Deals mit der „Banca Insular“ – einem Hause mit drei Mitarbeitern, dessen Besitzer die Sociedade Lusa de Negócios ist. Die SCN war zufälligerweise auch Inhaberin der BPN-Bank. Zwischen der BPN und der Banca Insular wurden gerade für Immobiliengeschäfte Millionen hin und her geschoben. Zuletzt trat wohl ein Verlust von bis zu 360 Millionen Euro auf, die in den Kassen der Banca Insular versickerten.
Nur dieses kleine Schlaglicht zeigt: Die BPN war schon längst vor der Finanzkrise kaum noch überlebensfähig. Viele Portugiesen fragen sich deshalb, warum ihre Steuergelder nun ein marodes Geldhaus mit betrügerischer Vorgeschichte retten sollten. Waren es vielleicht die Einlagen der staatlichen Sozialkasse bei der BPN, die zuletzt rund 200 Millionen Euro betragen haben sollen?
Portugals Mittelstand in der Schuldenfalle
Der Fall BPN ist also, wie auch der Público-Kommentator Paulo Ferreira feststellt, keineswegs eine Folge der internationalen Finanzkrise – sondern schlicht und einfach „ein Fall für die Polizei“. Das heißt jedoch nicht, dass sich Portugals Bankkunden beruhigt zurücklehnen könnten Ganz im Gegenteil. Die jetzige Krise und die mit ihr einhergehende wirtschaftliche Abschwächung könnte große Teile der Mittelschicht an den Rand des Ruins treiben.
Viele Portugiesen haben sich für ihren Wohnungskauf, aber auch für so manch ein luxuriöses Konsumgut, bis über die Ohren verschuldet – sie stecken in der „Kreditfalle“ (Beitrag des Deutschlandfunks zum Thema). In den letzten Wochen stiegen die Zinsen für Kredittilgungen bei den portugiesischen Banken überraschend stark an. Der Grund hierfür ist klar: Portugals Banken haben mit ihrer freudigen Kreditvergabe selbst auf Pump gelebt und stehen nun ohne nennenswerte Devisen und Eigenkapital dar. Die Folge für Konsumenten, aber auch Unternehmen ist klar: Kredite werden seltener verteilt, und wenn, dann mit höheren Zinsen. Und in dieser Form schlägt die Finanzkrise die Portugiesen sehr hart – da schlägt der Kauf eines maroden Kreditinstituts auch kaum noch ins Gewicht.
November 14th, 2008 um 11:35 pm
Hallo Gilbert,
schön, dass du wieder schreibst!
Zu deinem aktuellen Beitrag habe ich eine Frage: Woher hast du die Informationen, dass die “banco insular” an diesem Bankenbankrott beteiligt war? Ich habe die Nachrichten zwar verfolgt, bin aber nicht immer dazu gekommen,alles bis ins Detail zu lesen. Wenn du dazu irgendwelche Quellen hast, die ich vermutlich überlesen habe, wäre ich dir sehr dankbar!
Viele Grüße,
Susanne
November 16th, 2008 um 1:01 am
[...] portugalmania.de hat Gilberto diesen Bericht geschrieben, der die ganze Sache etwas klarer macht. Finanzkrise in Portugal: Portugiesen in der Schuldenfalle | portugalmania.de . In dem Artikel wird