Schokolade pur, mit Meersalz oder Medronho: Portugals Chocolatiers erobern neue Geschmackswelten
Vergesst die Billig-Schokolade aus dem Supermarkt: Wer einmal die Edel-Sorten echter Chocolatiers probiert hat, ahnt, warum die Azteken der Kakaopflanze einen göttlichen Ursprung zuschrieben. Und auch Portugal kommt auf den Geschmack: An immer mehr Ecken in Lissabon und Porto eröffnen Schokoladenläden mit Produkten aus bester Kakaobohne. Und ein Laden rühmt sich sogar damit, schlicht und einfach die “beste Schokolade der Welt” zu führen.
Kleine süße Sünden waren in Portugal schon immer populär. Selbst in den entlegensten Pastelarias, dieser eigentümlichen portugiesischen Mischung aus Café, Konditorei und Wohnzimmer eines ganzen Stadtviertels, locken die Auslagetheken mit unterschiedlichsten Desserts. Jeder Konditor oder Restaurantbesitzer, der etwas auf sich hält, versucht mit einem saftigen Schokoladenkuchen oder einer hausgemachten Mousse au Chocolat bei der Kundschaft zu glänzen.
Doch es geht noch besser: An immer mehr Ecken Lissabons und Portos eröffnen mittlerweile reine Schokoladengeschäfte, die nur erstklassige Ware im Sortiment führen: Hergestellt aus den besten verfügbaren Rohstoffen, mit der nötigen Geduld und ohne Zusatz von Aromen oder Zusatzstoffen. Ein Geschäftskonzept, das eigentlich aus dem Ausland übernommen wurde – und in dem sich trotzdem einige typisch portugiesische Akzente finden, wie man bei einem Besuch im Lissaboner Schokoladenladen “Mercado Chocolate” schnell erkennt: Neben den Produkten europäischer Hersteller finden sich hier auch Spezialitäten der in Portugal herstellenden Mini-Betriebe “Casta Lusa” und “Quinta do Xocolatl“.
Die Geschichten der beiden Hersteller ähneln sich: Denn sie entstanden durch die Begeisterung ihrer Gründer für die Herstellung außergewöhnlicher Schokoladensorten. Künstliche Aromen sind unter diesen Meistern ihres Fachs natürlich verpönt – dafür experimentieren die Chocolatiers der neuen Generation lieber mit dem Geschmack typischer in Portugal vokommender Pflanzen oder ihrer alkoholischen Destillate.
Salz, Orangen, Mandeln: Die Aromen Portugals in der Schokolade
So gehören vor allem Feige, Mandeln und Orangen zu den Ingredienzen, die der aus Belgien stammende Chocolatier Frank Vermorgen mit Vorliebe einsetzt. Vermorgen lebt seit gut sechs Jahren in Luz de Tavira an der Algarve – und betreibt hier seine kleine Schokoladenmanufaktur “Quinta do Xocolatl”. Zunächst waren es nur einige Cafés in der Umgebung, die sein Konfekt vertrieben – mittlerweile reicht der Ruf Vermorgens jedoch bis nach Lissabon. Und die Experimentierfreude des 63jährigen Belgiers kennt keine Grenzen: Derzeit arbeitet er, so verrät die Zeitung “Observatório do Algarve”, an Konfekt mit dem Edel-Salz “Flor de Sal” von der Algarve.
Nicht Salz, aber der ebenfalls von der Algarve stammende Medronho-Likör liegt hingegen im Visier von Rui Moreira. Trüffel mit Medronho, das ist die neueste Kreation, an der der 46jährige ehemalige Manager und heutige Inhaber der Schokoladenfirma “Casta Lusa” derzeit tüftelt. Im Gegensatz zum gelernten Chocolatier Frank Vermorgen ist Rui Moreira ein Quereinsteiger im Geschäft: Vor ein paar Jahren nahm Moreira an einem Hotelleriekurs in Estoril teil – und widmete seither immer mehr Zeit der Kreation von selbst hergestellten Trüffeln und Konfekten. Was zunächst als Hobby und originelles Mitbringsel für Freunde begann, entwickelt sich langsam zum Geschäft. Neben seinen Schokoladen-Köstlichkeiten erteilt Moreira zudem höchst nachgefragte Kurse für das Herstellen von Schokolade.
Die beste Schokolade der Welt gibt’s im Lissaboner Bairro Alto
So kreativ die portugiesischen Chocolatiers beim Experimentieren mit heimischen Aromen sind, so sehr leben ihre Produkte doch auch von der Qualität der verarbeiteten Schokolade selbst. Wer einmal einen Schokoladengenuss ganz pur erleben möchte, findet nun in Lissabon eine außergewöhnliche Anlaufstelle: Ein Laden nämlich, der sich damit rühmt, schlicht und einfach die “beste Schokolade der Welt” zu verkaufen.
Vielleicht ist da auch etwas daran: Denn dieser Laden, nahe dem Principé Real im Bairro Alto, gelegen, vertreibt die Schokolade des Italieners Claudio Corallo, der auf den Insel São Tomé e Principé eine kleine Kakaoplantage mit angeschlosener Schokoladenproduktion betreibt.
Seit Jahren tüftelt Claudio Corallo an idealen Produktionsmethoden, die den ursprünglichen, fruchtigen Geschmack von der Kakaobohne bis in die Schokolade hinüberretten – und ist deshalb auch besonders stolz auf seine “Königin”, die Schokolade mit 100 Prozent Kakaogehalt. Corallos Schokolade ist weltweit gar nicht so einfach zu bekommen – das “Geschäftliche liegt ihm nicht”, wie ein Reporter des SPIEGELS beim Besuch auf der Plantage in São Tomé e Principé notierte. Umso schöner, dass seit kurzem die Lissaboner das exklusive Vergnügen haben, Corallos einzigen Direktverkaufs-Laden überhaupt besuchen zu können.
Mit einem Biss in die Schokolade von São Tomé e Principé ist nicht nur ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis verbunden – sondern auch ein kleiner Abstecher in die portugiesische Kulturgeschichte. Schließlich war es im Jahr 1819 der damalige portugiesische König João VI., der – aufgrund der in Portugal herrschenden wirtschaftlichen Misere – den Anbau von Kakao auch auf São Tomé e Principé anordnete. Zuvor wurde der Kakaoanbau nur auf dem Ursprungskontinent der Pflanze, nämlich Südamerika, betrieben.
Es waren also die Portugiesen, die die Kakaobohne dann auch nach Afrika brachten – und so den Weg dafür ebneten, dass auf diesem Flecken Erde knapp 200 Jahre später die beste Schokolade der Welt hergestellt werden kann.
Schokoladenläden in Lissabon:
- Mercado Chocolate, Rua Coelho Rocha Mercado de Campo de Ourique, Lissabon (Stadtteil Campo Ourique)
- Claudio Corallo, Rua Cecilio da Sousa n 85, Nähe Principé Real (Bairro Alto) – Weitere Informationen unter http://www.claudiocorallo.com
- De Negro, Rua Prof. Prado Coelho 2, Stadtteil Telheiras. http://www.denegro.pt
…und in Porto:
- Arcádia: Das älteste Schokoladengeschäft in Porto mit verschiedenen Filialen in der ganzen Stadt. Informationen unter http://www.arcadia.pt
Die passende Lektüre, empfohlen von TFM:
Equador von Miguel Sousa Tavares:
In diesem historischen Roman geht es um einen Lissabonner Müßiggänger, der nach São Tomé – damals eine portugiesische Kolonie – versetzt wird, um dort den Vorwurf der Engländer zu entkräften, die Portugiesen würden auf ihren Kakaoplantagen Sklavenarbeit dulden.
Juli 21st, 2008 um 10:48 am
[...] führte heute zum – wie immer interessanten – und in diesem Fall auch appetitanregenden Beitrag von portugalmania über portugiesische Schokoladenläden. Hingewiesen wurde dort unter anderem auf den Chocolatier [...]
Juli 21st, 2008 um 1:28 pm
Ein sehr appetitanregender und wunderbarer Beitrag – wie immer.
Juli 22nd, 2008 um 6:54 pm
Übrigens gibt es in Frankfurt einen Schokoladenladen (Das Pralinchen, in Frankfurt Bockenheim, Leipziger Str. 39), das auch die Schokolade von Claudio Corallo im Angebot hat. Ich war ganz verblüfft.
August 10th, 2008 um 9:45 pm
So, ich habe das Schokoladengeschäft “Das Pralinchen” in Frankfurt am Main aufgesucht und kann nur sagen: Wahnsinn. Alle Produkte von Claudio Corallo waren vorrätig und beinahe 1.000 (in Worten: tausend!) andere Sorten Tafelschokolade. Alles Sorten die man nicht im Supermakt findet. Es gibt in dem Geschäft neben der Schokolade noch viele weitere tolle Gaumenfreuden: bester Kaffee, erlesene Pralinen, feines Gebäck, Marmeladenen eines Weltmeisters und und und. Einfach nur toll, für mich ein toller Tip.