Mac-ão? Warum so viele portugiesische Wörter auf ão enden
“Viele portugiesische Wörter wie Portimão oder Olhão enden auf ‘-ao’ – und verweisen auf die lange Verbindung Portugals mit der Kolonie Macau” – so steht’s im Bordmagazin der Fluggesellschaft EasyJet. Kann nicht sein? Hier kommt die richtige Erklärung.
Ausländer wundern sich häufig über das Portugiesische. Diese seltsame Aussprache! Und dann noch die merkwürdigen Endungen von Namen und Begriffen mit einem Doppelvokal: João etwa, die portugiesische Form von Johannes. Oder Ortsnamen: Olhão an der Algarve. Oder in Sachbegriffen wie algodão, Baumwolle.
Klar, dass man vor lauter -ão und -ões schnell einmal durcheinanderkommen kann. Oder wie sonst lässt es sich erklären, dass die Autorin des EasyJet-Bordmagazins “Inflight” sich eine äußerst verwegene Antwortmöglichkeit für dieses Phänomen einfallen ließ (oder hat sie etwa einen Schluck zuviel aus einer Garrafão Wein getrunken?):

(gefunden im Blog devaneios lowcost)
Nun, so fantasievoll diese Interpretation auch ist: An diesem Text stimmt lediglich, dass viele portugiesische Wörter auf -ão enden. Dies liegt aber nicht an Macau, das sich ja – wie ich selbst schon durch aufmerksame Leserinnen korrigiert wurde – auch mit “au” und nicht mit “ão” am Ende schreibt. Der Grund fürs -ão findet sich viel mehr in der historischen Entwicklung der portugiesischen Sprache, die in ihren Ursprüngen auf das Lateinische zurückgeht.
Folgt man Paul Teyssier in seiner ebenso kompakten wie exzellenten “Geschichte der portugiesischen Sprache” (História da Língua Portuguesa), so entstanden die -ão-Endungen mit dem Galego-Portugiesischen (von 1200 bis etwa 1350). Während dieser Zeit – die Reconquista war noch im vollen Gange – entwickelte sich im heutigen Nord-Portugal so etwas wie der Vorläufer des modernen Portugiesisch. Und zu dieser Zeit kam es auch zur Verschiebungen in der Morphologie bei Nomen und Adjektiven.
Vor allem die Wörter, die im Lateinischen mit -anus endeten (z.B. manus, die Hand), erfuhren eine Veränderung in der Aussprache. Aus dem Stamm manu- entwickelte sich zunächst mano (so, wie “Hand” heute noch im Spanischen heißt). Im Galego-Portugiesischen fiel jedoch auch das “n” zwischen zwei Vokalen weg, so dass das Wort “mão” (Portugiesisch: Hand) entstand – damals jedoch wohl noch getrennt mã-o ausgesprochen. Eine ähnliche Entwicklung zeigt Teyssier für die Endungen -ães (von lateinisch -ane) und -eões (von lateinisch -eone) auf.
Erst ab dem Jahr 1500 wurden dann die Endungen auf “-ão” tatsächlich auch zusammen geschrieben und ausgesprochen. Warum es zu diesem letzten Schritt der Vereinigung kam, ist bis heute noch nicht geklärt: Hier reichen die Erklärungsversuche von rein phonetischen Ansätzen (wie sie der portugiesische Ethnograph José Leite de Vasconcelos vertrat) bis hin zum Resultat von komplexen Analogien.
Wie dem auch sei: Heute gehört das -ão dazu, und hat mehr mit dem Lateinischen und der späteren Sprachentwicklung des Portugiesischen zu tun als mit Macau. Und wie kam Macau zu seinem Namen? Wie uns Wikipedia erklärt, befand sich hier zur Zeit der Ankunft der portugiesischen Seefahrer ein Tempel A-Má, der der Fischer- und Seefahrer-Gottheit Matsu gewidmet war. Die Seefahrer aus Portugal landeten wohl nahe diesem Tempel an – und als sie die Einheimischen fragten, wie dieser Ort heiße, erhielten sie als Antwort: “A-Ma-Gao” – die Bucht von A-Má. Aus A-Ma-Gao wurde dann schnell Macau – und das hängt nun gar nicht mit der Verschiebung aus dem Lateinischen -anu zusammen.
Viele Wurzeln, ähnlicher Klang: Bleibt am Ende nur noch – die Confusão!
