Ein goldener Pfiff mit Folgen: Der FC Porto muss raus aus der Champions League
Der Fußballclub FC Porto darf in der kommenden Saison nicht an der Fußball Champions League teilnehmen. Diese heute verkündete Entscheidung des Fußballverbands UEFA liegt jedoch nicht an sportlichen Schwächen des Vereins: Grund ist die Beteiligung des FC Porto an einem bislang beispiellosen Betrugsskandal im portugiesischen Fußball. Ein Lehrstück über die ungesunde Verknüpfung von Fußball und Politik.
Sofia ist eine alleinerziehende Mutter, die tagsüber im Supermarkt und abends in einem Nachtclub arbeitet. Der Nachtclub ist landesweit bekannt – und ein beliebter Treffpunkt einflussreicher Herren. Eines Abends wird Sofia aufgefordert, sich zu dem mächtigen Direktor eines Sportclubs zu gesellen, der nur mit “O Presidente” angeredet werden möchte… So sieht der Ausgangspunkt des Films “Corrupção” (Korruption) aus, der Ende letzten Jahres unter enormen Publikumszuspruch in Portugals Kinos ausgestrahlt wurde.
Nur in einem Filmpalast wurde Corrupção nicht gezeigt: Im Kino am Estádio do Dragão, der Heimat des Fußballclubs FC Porto. Diese Sensibilität hatte ihren Grund: Denn Corrupção ist keine erfundene Story – sondern eine recht deftige Aufarbeitung der Betrugsaffäre, in die auch der FC Porto und sein Präsident maßgeblich verwickelt waren.
Die Sofia aus dem Film ist in Wirklichkeit Carolina Salgado, eine Animierdame aus dem Nachtclub “Calor da Noite” (Hitze der Nacht) in Porto. Und “O Presidente” ist kein geringerer als der mächtige Präsident des FC Porto, Jorge Nuno de Lima Pinto da Costa (kurz PdC).
PdC steht in seiner Person für die Ambivalenz der portugiesischen Fußballwelt: Einerseits verliebt in den Sport, andererseits angezogen und zum Teil verdorben von Macht und Reichtum, die sich rund um den Nationalsport Nummer Eins ranken.
Pinto da Costa hat den FC Porto erst so richtig groß gemacht. Der 1937 geborene Selfmademan startete zunächst als Boxmanager, bevor er in den 60er Jahren beim Fußballclub in Porto einstieg. Seitdem ging es bergauf – sowohl für den Verein wie auch für Pinto da Costa selbst, der 1982 das Präsidentenamt übernahm und bis heute innehält.
Dank Pinto da Costas geschickten Trainer- und Spielerwahl konnte der FC Porto die Alleinherrschaft der beiden Lissaboner Platzhirsche Benfica und Sporting in der portugiesischen Fußballliga brechen – und bescherte dem Club aus dem Norden ganze Serien an Pokalgewinnen.
Und auch auf europäischer Ebene ist die Bilanz beeindruckend: Seit 1973 nahm der FC Porto ununterbrochen an europäischen Wettbewerben teil, insgesamt 34 Spielsaisons. Zwei Mal, 1987 und 2004, konnten die Portuenser sogar den europäischen Meistertitel erobern.
Dieser Erfolg verleitet vielleicht zu Selbstüberschätzung – und zur Abkapselung in einer Parallelwelt, in der alles möglich erscheint. Schließlich ist Fußball in Portugal weit mehr als nur eine Sportart unter vielen. Fußball ist allgegenwärtiges Gesprächsthema, immenser Wirtschaftsfaktor und letztendlich auch Macht. Dort, wo es um Geld und Einfluss geht, da ist Betrug auch nicht weit – gerade auch in der kleinen Welt des portugiesischen Fußballs. Denn vor allem die wenigen finanzstarken Top-Clubs bilden immer wieder einen ungesunden Nährboden Seilschaften gar nicht so ehrenwerter Herren und Emporkömmlinge aus Politik, Wirtschaft und Fußball.
Und in diesem Mikrokosmos konnte sich Pinto da Costa wunderbar bewegen – und wusste sich auch immer wieder mit schönen Frauen an seiner Seite zu schmücken. Ganz besonders schien es ihm Carolina Salgado, die Sofia aus dem Film “Corrupção”, angetan zu haben.
Im Jahr 2003 lernte der Präsident die damals 26jährige Carolina im Nachtclub kennen – und blieb mit der grazilen Frau bis zum Jahr 2006 zusammen. Ob Carolina Salgado wusste, mit wem sie es zu tun hatte? Sie selbst verneint es, andererseits gibt es immer wieder Zweifel an ihrer häufig vorgebrachten Naivität. Sicher ist jedoch, dass die Zeit für Carolina Salgado an der Seite von Pinto da Costa nicht einfach war. Der Fußballpräsident und seine ihm treu ergebene Herren-Clique, der unter anderem der (ehemalige) Bürgermeister von Porto angehörte, behandelten die grazile Frau als Spielzeug, die immer wieder unter Druck gesetzt wurde.
Systematisch hielten die Herren Carolina von ihren Geschäften fern und setzten sie wohl auch häufig unter Drogen. Und doch bekam sie einiges mit: In ihrem später veröffentlichten Buch “Eu, Carolina” (Ich, Carolina) schildert Carolina Salgado zum Beispiel eine Szene, in der Pinto da Costa einem Schiedsrichter einen Umschlag mit Bestechungsgeldern überreichte.
Carolina hörte Absprachen, dem Stadtverordneten Ricardo Bexiga aus Braga einen “Denkzettel” zu erteilen. Bexiga, der über die ungesunden Verknüpfungen zwischen Politik und Sport auspacken wollte, wurde im Jahr 2005 von vermummten Gestalten zusammengeschlagen.
Insgesamt gehörte Pinto da Costa zu einer Gruppe von Dutzenden Männern, die systematisch versucht hatten, mit Schiedsrichter-Bestechungen die Ergebnisse von Fußballspielen zu manipulieren. Neben einem kleinen Drittligaverein waren die Spiele der Erstligisten FC Porto, Boavista Porto und Leiria betroffen.
“Apito Dourado“, goldener Pfiff, sollte dieser Fußball-Skandal später genannt werden, zu dem ab dem Jahr 2004 erste Hinweise auftauchten. Rasch kam damals auch der Name Pinto da Costa ins Spiel – und doch konnte sich der Präsident bei Hausdurchsuchungen noch rechtzeitig nach Spanien absetzen. Ein Tipp aus dem Polizeipräsidium machte es möglich.
2006 trennte sich dann Carolina Salgado von Pinto da Costa und brachte ihr Enthüllungsbuch auf den Markt, das nicht nur die Bestsellerlisten eroberte – sondern auch eifrige Leser bei der Staatsanwaltschaft fand. Und trotz einiger Anzweiflungen der Inhalte aus Carolina Salgados Buch, unter anderem sogar von der Co-Autorin, bestätigten sich in den bis ins Jahr 2008 stattfindenden Gerichtsprozessen viele der Anschuldigungen.
Und heute? Die UEFA hat den einmaligen Ausschluss des FC Porto aus der Champions League beschlossen. Dem Verein könnten dadurch Einnahmen in Höhe von 40 Millionen Euro entgehen. Weniger schmerzen die sechs Punkte Abzug in der portugiesischen Erstliga, da dem Verein die Meisterschaft auch mit Punktabzug nicht zu nehmen ist.
Noch härter hat es den ebenfalls tief im Korruptionssumpf verwickelten Club Boavista Porto erwischt. Der zweite Großverein aus dem Norden wird zum Zwangsabstieg in die 2. Liga verdonnert und steht vor dem wirtschaftlichen Ruin.
Und Pinto da Costa? Wehrt sich weiterhin gegen die Vorwürfe. Erhebt Widersprüche. Und wird wohl zwei Jahre sein Amt als Präsident ruhen lassen, um sich und seinen Verein zu läutern. Letztes Jahr hat Pinto da Costa wieder seine Ex-Frau Filomena Morais geheiratet. Eine Rückkehr in die Normalität, die nicht nur “O Presidente” nach den Exzessen der letzten Jahre gut vertragen könnte – auch dem überhitzten portugiesischen Fußball täte eine Ruhepause manchmal ganz gut.
Juni 4th, 2008 um 11:07 pm
Bei dem Sspiel um die port. Meisterschaft hat sich der F.C. Porto wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.
Ich schaue gerne port. Fußball, aber das war nur eine elende Hackerei, bei der Sporting auch nicht gerade glänzte.
Nun trifft es Porto doppelt – Landesmeisterschaft versiebt und dann noch ihres Präsidenten wegen Ausschluß aus der Champions League.
Pobre Porto!!