Süße Medizin: Einst wurde Portwein sogar in Apotheken verkauft
Immer wieder heißt es, der – maßvolle – Genuss von Rotwein wirke lebensverlängernd: Das möchten wir als Weinfreunde nur zu gerne glauben. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein durfte Wein seine segensreiche Wirkung sogar als offizielles Medikament entfalten: Spezielle Medizinal-Portweine sollten geschwächte Menschen wieder auf die Beine bringen.
Als José Ramos-Horta bei einem Attentat im Februar diesen Jahres schwer verletzt wurde, reagierte Portugals Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva schnell: Er sandte seinem ost-timoresischen Amtskollegen zur Genesung eine gute Flasche Portwein - sowie frische Pastéis de Belém.
Folgt man portugiesischen Presseberichten, förderten Wein und süße Teilchen die Genesung des prominenten Patienten ganz vorzüglich. Und das hat auch einen guten Grund, wie der Wein-Experte João Paulo Martins nun seinen Lesern im Público erklärte: Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein setzten Ärzte immer wieder auf die medizinisch wirksame Verbindung aus Portwein und Proteinen.

Wenn Medizin doch immer so gut schmecken würde… Foto:
Muffet auf Flickr
Viele Port-Produzenten lieferten sogar spezielle medizinische Portweine an die Apotheken in ganz Europa. Abfüllungen mit sprechenden Namen wie Invalid Port (Kopke) oder Recuperator Port (Ferreira) waren speziell mit tierischen Proteinen angereicherte Portweine. Zur Herstellung dieser proteinreichen Wein-Arznei kamen Viehknochen zum Einsatz, die in die Mostbottiche von fast fertig hergestelltem Portwein gelegt wurden.
Zum Einsatz kamen die Medizinal-Portweine vor allem als Stärkungsmittel für Patienten, die nach einer langen Krankheit wieder Kräfte aufbauen mussten. Und auch heute noch bietet Sandeman vor allem in Skandinavien seinen “Old Invalid Porto” an, der aber – man möge mich berichtigen – eher ein normaler Portwein zu sein scheint.
Nicht nur angereichert, auch pur hat der Portwein in der Medizin in der Vergangenheit oft segensreiche Wirkung gezeigt. Glaubt man etwa der Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843, dann wurde normaler Portwein etwa in Glasgow sogar gegen Typhus eingesetzt:
“Jeder Typhuskranke hat im dortigen Hospitale seine Flasche starken Portwein neben sich stehen”,
Obwohl die Quellenlage zumindest im Internet über das Phänomen des medizinischen Weins relativ dünn ist, so deutet doch manches auf eine weite Verbreitung des Portweins als Arzneimittel in ganz Europa hin. In Oldenburg importierte etwa der Weinhandel Wille Portwein als “Levante Doktor“.
Die medizinischen Wirkungen des Portweins sind heute ein wenig in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht. Es kann nie an guten Gründen mangeln, immer mal wieder zu einem Gläschen zu greifen – und sei es aus medizinischen Gründen!
Nachtrag, 5. Mai 2008: Reaktionen von anderen Blogs auf diesen Beitrag:
- Etiketten von medizinischen Portweinen (Port Blog)
- Auch Madeirawein diente als Medizin (Port Blog)
- Mach den Südwein bitter (Briefe an Konrad)
April 6th, 2008 um 11:49 pm
Zu Portwein als Medizin kann ich nix sagen – ich trinke ihn nicht.
Dass aber der Genuß von Rotwein in Maßen gesund ist, hat die Medizin schon lange festgestellt.
Es verhindert Gefäßablagerungen und bei der letzten Sonographie meinte der durchführende Arzt, dass ich Gefäße, wie ein junges Mädchen hätte!
Ich trinke jeden Tag EIN Glas Rotwein!
Wenn das kein Beweis ist!!!!!
April 7th, 2008 um 9:24 pm
Hallo Gilberto, vielen Dank für diesen sehr schönen und interessanten Beitrag über Portwein als Medizin. Ich habe eben auf meinem Blog http://www.port-blog.com ein paar passende Etiketten dazu veröffentlicht.
Wenn Du die Printausgabe von ‘Publco’ haben solltest, würde ich mich über eine Kopie des Artikels sehr freuen. Obrigado.
Gerdinho