Green Cork: Portugal entdeckt das Kork-Recycling
Kork ist ein wunderbares Naturprodukt – und stellt die Produzenten manchmal auf eine Geduldsprobe: Nur alle neun Jahre ist es möglich, einer Korkeiche deren Rinde zu entrauben -und das darin verborgene Kork zu gewinnen. Die ohnehin schon gute Ökobilanz des Korks kann sogar noch weiter gesteigert werden: Recycelte Weinkorken leisten etwa als natürliche Wärmedämmer oder im Automobilbau gute Dienste. Mit dem Projekt “Green Cork” ist die Idee der Wiederverwertung nun auch in Portugal, einem der weltweit größten Korkproduzenten, angekommen.
Es gibt viele gute Gründe, die für echte Korken auf Weinflaschen sprechen. Das Aroma, der Stil – und letztendlich auch die gute Ökobilanz des Korks. Denn von jeder Korkeiche kann nur alle neun Jahre die Rinde abgeschabt werden, um daraus Kork zu gewinnen. So verlangen die Haine von Korkeichen viel Hege und Pflege – bieten dabei aber auch Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten, darunter dem vom Aussterben bedrohten iberischen Luchs.
Und auch in Sachen Klimaschutz haben die Korkeichenwälder ihre Bedeutung: Sie binden nach Berechnungen des portugiesischen Korkinstituts fast fünf Millionen Tonnen Kohlendioxid - das entspricht etwa fünf Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes Portugals. Umso ärgerlicher ist es deshalb, dass Glas- oder Kunststoffverschlüsse immer häufiger die traditionellen Korken als Verschluss von Weinflaschen ersetzen: Denn das könnte die nachhaltige Pflege der Korkeichen langsam aber sicher in Bedrängnis bringen.
Die Sorge ums Geschäft, aber auch um die Entwicklung der Korkeichen, hat in Portugal nun eine seltene Allianz zwischen Wirtschaft und Umweltverbänden hervorgebracht: Green Cork heißt das groß angelegte Projekt, in dem sich unter anderem der Korkhersteller Grupo Amorim und die Umweltorganisation Quercus zusammengetan haben. Ziel von Green Cork ist es, in den nächsten Jahren den Bestand von Korkeichen in Portugal weiter aufzustocken und somit ein Stück Artenvielfalt zu sichern.
Und ein weiterer Aspekt kommt noch hinzu: Quercus und Amorim wollen auch das Kork-Recycling in Portugal vorantreiben. Schon nächste Woche fängt Green Cork an, bei Wirten deren gebrauchte Weinkorken einzusammeln und diese einer Wiederverwertung zuzuführen. Und bald schon sollen etwa auch in Continente-Supermärkten ganz normale Verbraucher ihre alten Korken abgeben können.
Für neue Flaschenverschlüsse lassen sich die Gebrauchtkorken zwar nicht mehr nutzen – dafür aber als Granulat etwa als Material für die ökologische Wärmedämmung von Häusern oder auch in Automobilen verwenden. Vom Kork-Recycling profitieren also wieder beide Partner: Die Gruppe Amorim erhält kostengünstig neue Rohstoffe, und Quercus kann sich dank der Spenden des Wirtschaftspartners der Aufforstung widmen.
Damit ist die Idee des Recyclings auch im Mutterland des Korks angekommen – in Deutschland gibt es bereits seit einigen Jahren schon in fast jeder Stadt eine Kork-Sammelstelle. Eine – unvollständige – Liste, wo man gebrauchte Weinkorken abliefern kann, findet sich zum Beispiel auf den Seiten der Korkkampagne des Naturschutzbundes Deutschland.
Kork ist einfach zu schade zum Wegwerfen. Wer sogar mit einem einzigen Mausklick etwas für die Aufforstung von Korkeichen tun möchte, sollte sich auf der französischen Website Pétition pour le liège (Petition für den Korken) einklinken: Für jede Unterschrift, die auf dieser Website abgegeben wird, stellen die Sponsoren die Anpflanzung von 7,5 Quadratmetern Korkeichenwäldern in Aussicht. Wenn das mal kein Grund ist, auf “Je signe la pétition” zu klicken.

April 18th, 2008 um 10:29 pm
Das ist natürlich eine tolle Initiative – aber dann kämpfen in Portugal die Zellulosehersteller mit ihren Eukalyptusmomokulturen, die Immobilienhaie mit ihren leider sehr oft bestellten Bränden und hier das Projekt “Green Cork” gegeneinander.
Siegen wird sicher der, der die stärkste Lobby hat.
Da kann man – leider – nur abwarten!!