Espuma. Die Fortsetzungs-Geschichte (1): Als der Schaum über Lissabon kam
Neu auf Portugalmania: Von nun an gibt es hier jeden Montag eine neue Folge des Fortsetzungsromans “Espuma” zu lesen. Noch weiß niemand, und zu allerletzt der Autor, ob es sich hier um einen Krimi, eine Liebesgeschichte, ein Märchen oder um etwas ganz anderes handelt: Denn das Mitwirken aller Leser ist ausdrücklich erwünscht und Ihre Ideen können der Geschichte immer wieder neue Wendungen geben. Viel Spaß bei der ersten Folge von… Espuma!
Es war der Tag, an dem Lissabon unter einer weißen Schaumdecke verschwinden sollte. Wie immer schlenderte ich gegen Mittag zum Miradouro am Largo das Portas do Sol, um dort einen meiner Ritual-Bicas zu trinken. Und so wie ich meinen festgefügten Tagesablauf mit festen Zeiten fürs Kaffeetrinken liebte, so mochte ich auch das immer wiederkehrende Schauspiel hier oben am Aussichtspunkt: Die am Geländer lehnenden Touristen, die sich bei ihrem mühevollen Aufstieg zur burg eine Verschnaufspause erlaubten. Die spielenden Kinder an der Treppe, die dunkel und geheimnisvoll hinunter in die Gassen der Alfama führte. Und selbst den streunenden Hund mochte ich, der in den Mülleimern am Straßenrand den Fund des Tages zu machen hoffte.
So fielen die kleinen Rinnsale weißen Schaums, die sich langsam an den Bordsteinen entlang zogen, zunächst kaum auf. Man hätte sie für die Reste des Putzwassers einer übereifrigen Hausfrau halten können. Doch schon bald wurde aus dem kleinen Bach ein ganzer Teppich weißen Schaums. Die Masse gewann an Größe, der Fluss überstieg die Bordsteinkanten und bedeckte die hellen Pflastersteine der Gehwege. Beharrlich nahm der fließende Teppich Kurs auf die Alfama. Nach ein paar Minuten war die Treppe zur Rua Norberto Araújo erreicht, und die ersten porösen Schaumstückchen stießen sich an den Stufen den Hügel hinunter.
„Das hat es früher nicht gegeben”, schimpfte nun eine mit vielen Einkaufstüten beladene Frau, während ihr Gang bereits tiefe Fußabdrücke auf dem Schaumpflaster hinterließ. Sie schien die erste zu sein, die den Schaum überhaupt wahrnahm – und sei es nur als Ärgernis, nichts als etwas zum Staunen. Und doch sahen ihn nun alle. Die Kinder fingen an, sich mit Schaumstückchen zu bewerfen: Für sie war es eine Schneeballschlacht im Hochsommer. Und auch die Straßenbahnfahrer schienen die Invasion der weißen Schaumschicht sportlich zu nehmen: Sie nahmen mit ihren kleinen Bahnen noch mal kräftig Anlauf, um dann dicke Massen weißer Flocken vor sich her schieben zu können.
Es war ein bizarres Schauspiel, und noch viel größer wurde meine Verwunderung, als ich vom Aussichtspunkt hinunter auf die Alfama schaute: Mittlerweile zogen sich durch fast alle Gassen des Viertels die weißen Schaumflüsschen, wie, um bald auch den Tejo mit ihren weißen Blasen krönen zu können.
Hinauf, dachte ich nur, jetzt hinauf, ich muss sehen, wo dieser Schaum herkommt. Ich riss mich aus dem Staunen hier am Largo das Portas do Sol und fing an, den Strömen zu folgen. Es war nicht einfach, die mit Schaum bedeckten Gassen weiter bergauf zu besteigen. So glitschig, so gefährlich habe ich das Lissaboner Pflaster noch nie erlebt. Die Sonne schien weiter in ihrer ganzen Stärke und ließ den weißen Schaum intensiv strahlen. Schritt für Schritt kämpfte ich mich nach oben, einsam und langsam wie einst Sir Edmund Hillary auf den Himalaya. Und dabei wollte ich doch nur zur Burg von Lissabon.
Immer noch Schaum, doch als ich einmal in einer kurzen Rast vom Boden aufblickte, schien ich dem Ursprung näher zu kommen: Hier, am kleinen Platz am Fuße des Castelos, sah ich schon rote Feuerwehrautos stehen, Reporter vor Fernsehkameras, und wild gestikulierende Passanten. Das musste die Quelle des merkwürdigen Schaums sein, dachte ich. Und tatsächlich, was ich hier oben sah, hatte ich mein Lebtag noch nicht gesehen.
Wo kommt der Schaum wohl her? Was sieht der Erzähler hier oben am Fuß der Burg? Mehr dazu in der nächsten Folge… und falls Sie schon eine Idee haben, bitte einen Kommentar hinzufügen!
April 15th, 2008 um 8:42 am
Och Don Gilberto, wo ich doch überhaupt keine Phantasie habe!!
Sonst würde ich ja gerne mitmachen!!
So muß ich leider nur voller Spannung auf die nächste Folge warten.