Portugals Big Apple: Alcobaça wird zur Stadt des Apfels
Bislang war die Stadt Alcobaça vor allem für ihre historische Klosteranlage aus dem 12. Jahrhundert bekannt. Doch nun will sich die 50.000-Einwohner-Stadt mit einem weiteren Kulturgut profilieren: Den Äpfeln von Alcobaça. Beide Berühmtheiten stehen ohnehin in einer engen Beziehung: Es waren Zisterzienser-Mönche, die vor rund 800 Jahren den Apfelanbau in der Region kultiviert haben.
Seit Jahrzehnten ist New York weltweit als “Big Apple” bekannt – obwohl noch immer darüber gerätselt werden darf, was genau die US-Megacity eigentlich mit Äpfeln verbindet. Wie viel passender wäre da die Bezeichnung “Big Apple” für Alcobaça, die bedeutende Klosterstadt rund 70 Kilometer nördlich von Lissabon: Die hier angebauten Äpfel sind in ganz Portugal für ihre positiven Geschmacks- und Gesundheitsqualitäten bekannt. So ist es nur folgerichtig, dass das Stadtparlament Ende Februar beschlossen hat, künftig Alcobaça den Beinamen “Cidade da maçã”, Stadt des Apfels, zu verleihen.
Die eingängige Bezeichnung soll helfen, den Bekanntheitsgrad der hier angebauten Äpfel weiter zu stärken. Denn der Obstanbau spielt für die Entwicklung der Region eine wichtige Rolle: Allein rund um Alcobaça betreiben rund 300 Landwirte Apfelplantagen. Mit etwa 10.000 Angestellten erwirtschaftet die Branche einen Jahresumsatz zwischen 60 und 100 Millionen Euro.

Verführerisch rot: Der Apfel von Alcobaça. Quelle: Fruta Viva
Die Anfänge des Apfelanbaus in der Gegend waren hingegen ungleich bescheidener. Die Geschichte begann im Jahr 1154, als König Dom Afonso Henrique den Zisterzienser-Mönchen von Clairvaux in Frankreich das Recht einräumte, im frisch von den Mauren zurückeroberten Alcobaça ein Kloster zu gründen. In den folgenden Jahrzehnten, vor allem dann im frühen 13. Jahrhundert, entwickelte sich Alcobaça zu einer der größten Klosteranlagen Portugals. Die bis heute beeindruckenden Gebäude stehen mittlerweile unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes.
Die Mönche waren es auch, die mit dem Apfelanbau in Alcobaça begannen – sie schienen rasch gemerkt zu haben, dass die hier herrschenden klimatischen Bedingungen beste Voraussetzungen für die Aufzucht von Obstbäumen boten. Hier, nur wenige Kilometer vom Atlantik entfernt, herrschte ein dauerhaft mildes und feuchtes Klima, das für eine dauerhaft reiche Apfelernte sorgte.
Mit Hingabe und Mühe widmeten sich die Zisterzienserbrüder der Aufgabe, ihre Züchtungen immer weiter zu verbessern. Und das mit großem Erfolg: Bald schon avancierten die Äpfel von Alcobaça zur beliebten Süßspeise am Hof des portugiesischen Königs. Die heute angebauten Sorten – vor allem Royal Gala, Golden Delicious oder Jonagold – unterscheiden sich freilich von den Ursprungssorten. Dennoch gilt gestern wie heute: Äpfel aus Alcobaça zeichnen sich durch strahlende Farben und einen intensiven, fruchtigen Geschmack aus.
Doch das allein zählt heute nicht mehr auf dem Markt. Seit dem Eintritt Portugals in die Europäische Gemeinschaft kämpfen Portugals Obstanbauer mit billiger Importware vor allem aus Spanien. Entschlossenes Handeln ist deshalb gefragt: Und so investieren die Apfelanbauer aus Alcobaça nun verstärkt ins Marketing. Verkostungen, Apfel-Veranstaltungen, ja, sogar das Platzieren von Äpfeln aus Alcobaça in die kitschigen Telenovelas des Senders TVI: Nichts bleibt unversucht, um die heimische Kundschaft wieder an die Qualität aus eigenen Landen zu erinnern.
Und auch in die Qualität selbst musste investiert werden: Mittlerweile gilt der “Maçã de Alcobaçã” als geschütztes Ursprungsgebiet nach den Regeln der Europäischen Union. Im Gegenzug haben die Betriebe in verbesserte und umweltfreundlichere Anbaubedingungen investiert. Hier, im Aufbau einer wirklich nachhaltigen und umweltfreundlichen Anbauweise der Äpfel, besteht wahrscheinlich noch der größte Nachholbedarf: Von Bio-Äpfeln aus Alcobaça hört man zum Beispiel noch gar nichts. Und die Bekenntnisse zu einer “integrierten Landwirtschaft” sind eher nichtssagend, zumal Portugals Obstanbauer lange Zeit für einen recht sorglosen Umgang mit Pestiziden berücksichtigt waren.
Dennoch: Den Äpfeln aus Alcobaça ist weiterer Erfolg zu wünschen – denn sie sind nicht nur lecker, sondern sind auch fester Bestandteil der Kulturlandschaft. Im Frühjahr tauchen die Blüten der Apfelbäume das Tal des Flüsschens Alcoa in ein weißes Farbenmeer, im Herbst strahlen dann die knallroten Früchte an den Bäumen um die Wette. Wer dieses prächtige Farbschauspiel sieht, der kann erahnen, wie stolz schon die Mönche von Alcobaça auf die Früchte ihrer Arbeit gewesen sein müssen.
Weitere Informationen zu den Äpfeln aus Alcobaçã (auf Portugiesisch) finden sich unter www.macadealcobaca.pt und im Portal von Fruta Viva.
März 17th, 2008 um 12:14 am
Nicht nur die Stadt Alcobaça kann auf ihr Apfelplantagen schauen – ich habe einmal in Alfeizerão 6 Wochen House- and Dogsitting gemacht – gerade zur Apfelerntezeit und habe trotz der Ernte ganz toll Äpfel vom Baum essen können.
Es sind schon recht große Mengen, die selbst auf kleineren Plantagen geerntet werden.