Mandeln – ein portugiesisches Ostergeschenk mit Tradition
Ob gezuckert, gesalzen oder pur: Mandeln gehören zum portugiesischen Osterfest unbedingt mit dazu. Dem Brauch, sich zu Ostern gegenseitig Mandeln zu schenken, hat auch die Invasion der Schoko-Ostereier nichts anhaben können.
Schon in den Fastenwochen vor Ostern füllen bunte, mit Zuckerguss überzogene Mandeln die Schaufenster der Konditoreien und Cafés in ganz Portugal. Nun, in den auch in Südeuropa manchmal noch grauen Wintertagen, sind die farbenfroh strahlenden Mandeln ein sichtbares Vorzeichen für den nahenden Frühling. Und dann, zu Ostern, ist es so weit: Familienmitglieder, Freunde und Kollegen schenken sich gegenseitig ein Säckchen mit Mandeln – als Zeichen der Zuneigung und als freundlicher Ostergruß.
Eine jahrhundertealte Tradition – und die Wertschätzung für Mandeln als köstliche, gesunde und vor allem vielseitig einsetzbare Frucht geht sogar noch länger zurück: Schon die alten Rämer genossen mit Vorliebe süße, mit Honig überzogene Mandeln. Und auch auf dem Gebiet des heutigen Portugal gab es schon in den ersten menschlichen siedlungen auch Mandelbäume.
Die Mandelwirtschaft so richtig aufblühen ließen dann aber erst die Araber – und das vor allem an der Algarve. Der Legende nach war es die Sehnsucht einer skandinavischen Prinzessin, die den Mandelanbau nach Süd-Portugal brachte. Die mit einem maurischen König verheiratete Prinzessin litt, so die Legende, in den Wintermonaten unter einer schier unstillbaren Sehnsucht nach ihrer verschneiten Heimat. In seiner Verzweiflung ließ ihr Ehemann dann an der Algarve ganze Gärten von Mandelbäumen anlegen, die im Januar und Februar weite Teile der Algarve mit einem schneeweißen Blütenmeer überzogen.

Ein mit schneeweißen Blüten überzogenes Land: Mandelbäume an der Algarve. Foto: Valter Jacinto auf Flickr
Eine schöne Legende, gewiss. Sicher ist jedoch: Die Früchte der Arbeit des maurischen Königs lassen sich heute noch an der Algarve erschmecken. So gelten die aus Mandeln hergestellten Süßigkeiten als beliebtes Souvenir für Touristen.
Die Algarve mag zwar das bekannteste Anbaugebiet sein – die meisten Mandeln werden jedoch im entgegengesetzten Ende des Landes, in der Nord-Region Trás-os-Montes, geerntet. Dort ist man so stolz auf die hohe Qualität der Mandeln, dass man sich die “Amêndoas do Douro” als europaweit geschützte Herkunftsbezeichnung sichern ließ (ähnlich wie bei den auf portugalmania bereits beschriebenem Stockfisch oder den Äpfeln von Alcobaça).
Doch der Mandelanbau ist auch ein mühsames Geschäft. Mandeln wachsen selten in Plantagen, sondern meist in lockeren Mischwirtschaften zusammen mit anderen Baumarten wie etwa Oliven. Die Produktionsmengen sind – verglichen etwa mit dem spanischen Nachbarn – verschwindend gering. Im Jahr 2004 wurden in Portugal rund 14.000 Tonnen Mandeln geerntet – in Spanien waren es im selben Jahr ganze 224.000 Tonnen.
Auf dem Weltmarkt spielen die Mandeln “made in Portugal” so gut wie keine Rolle – und auch die Erträge der Mandelanbauer gehen nach unten. Die Konsequenz: Immer mehr Mandelbäume werden nicht mehr bewirtschaftet. Allein in Trás-os-Montes sind – nach Zählungen des Agrarministeriums in Lissabon – zwischen 1990 und 2000 rund 13 Prozent der Anbaufläche von Mandeln verloren gegangen.

Vielseitig einsetzbar, seit Jahrhunderten beliebt: Die Mandeln der Algarve. Foto: EzLost auf Flickr
Insbesondere im Norden Portugals suchen die Mandelbauern jetzt ihr Heil in einer weiteren Steigerung der Qualität. Viele Mandelhaine, vor allem in Trás-os-Montes, werden bereits nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet.
Mittlerweile dürften so auch viele der traditionellen Ostermandeln ihren Kern aus Spanien enthalten. Aber wie auch immer: Die portugiesische Tradition, sich an Ostern Mandeln zu schenken, bleibt weiter bestehen – trotz der Überflutung der Supermärkte mit den für Portugal eher neumodischen Schoko-Eiern. Und auch die portugiesische Küche kommt kaum ohne die nahrhafte und vielseitige Steinfrucht aus: Fisch- und Fleischgerichte, Desserts, ja, selbst Suppen: Unzählige Gerichte profitieren noch heute von der Sehnsucht einer nordischen Prinzessin nach ihrer verschneiten Heimat.
Ein Rezept für den “Himmelsspeck”, einen portugiesischen Mandelkuchen, gibt es zum Beispiel auf den Internetseiten des WDR.