Ein sicherer Hafen für Portugals letztes Segelschiff der Indien-Route
Ein Ausflug von Lissabon auf die andere Tejoseite lohnt sich mehr denn je. Direkt am Fähranleger von Cacilhas lädt jetzt eines der berühmtesten Segelschiffe der portugiesischen Marine zur Besichtigung ein: Die Dom Fernando II e Glória. Ein Schiff mit bewegter Geschichte – und das letzte seiner Art, das die legendäre Indien-Route nach Goa bediente.
Noch bis in die achtziger Jahre hinein ragte das Wrack eines verbrannten, ausgekohlten Segelschiffes aus der Tejomündung bei Lissabon heraus. Ein Symbol für die Vergänglichkeit der Dinge – und den Niedergang der Segelschiffe, deren Zeit längst abgelaufen war. Bei dem Schiffswrack handelte es sich um keines anderes als die Fregatte Dom Fernando II e Glória: Das letzte Segelschiff, das für die portugiesische Marine regulär Lissabon mit Goa verband – und so immer wieder Vasco da Gamas Seeweg nach Indien nachsegelte.
Dass ausgerechnet das letzte Segelschiff hier verbrannt im Tejo lag – es schien fast auch ein Denkmal für das untergegangene Kolonialreich Portugal zu sein. Doch seit einem guten Jahrzehnt ist aus dem unansehnlichen Wrack wieder ein schmuckes Segelschiff geworden: Nach einer aufwändigen Restaurierung, in der nur wenige Originalteile verwendet werden konnten, haben fleißige Schiffsbauer aus Aveiro das alte Segelschiff wieder hergerichtet – so, wie es Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Weltmeeren fuhr.
Die Geschichte der D. Fernando II e Glória ist also auch eine Erzählung von Aufbruch, Unglück und Wiederkehr. Begonnen hat diese Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts. Über drei Jahrhunderte lang haben Segelschiffe die strategisch wichtige Route zwischen Asien und Europa bedient, damals wie heute eine der Hauptschlagadern des weltweiten Warenverkehrs. Doch die Zeit der alten Segler neigte sich unwiderruflich dem Ende zu: Die Dampfschiffe übernahmen langsam aber sicher die Hoheit auf den Meeren.

Die Fregatte D. Fernando II e Glória bei der Expo98 in Lissabon. Foto: Portuguese eyes auf Flickr
So war die D. Fernando II e Glória ein echter Nachzügler, in dem sich noch einmal die ganze ausgereifte Ingenieurskunst des Segelschiffbaus widerspiegelte: Mit hervorragenden technischen Eigenschaften, zuverlässig gebaut und auch leistungsstark. Das 83 Meter lange Schiff konnte 650 Menschen aufnehmen. Die Fahrt von Lissabon nach Goa wurde ohne Zwischenstopp in drei Monaten bewältigt.
Ihren Namen erhielt die Fregatte zu Ehren des Königs Dom Fernando II., der dem Hause Sachsen-Coburg entstammte sowie zu seiner Ehefrau Maria da Glória. Ein schöner Nebeneffekt: Auch die Schutzheilige von Goa, nossa senhora da Glória (unsere liebe Frau der Herrlichkeit), trug den Beinamen des Schiffes.
Die Herrlichkeit und Größe der portugiesischen Marine verbreitete das Schiff rund 33 Jahre lang – dann war die Zeit der großen Segelschiffe endgültig abgelaufen. Noch bis 1938 fuhr die D. Fernando II e Glória dann als Schulschiff der Marine. Ein Jahrhundert nach ihrem Stapellauf ging das letzte Segelschiff der Indien-Route dann in andere Hände über.
Von der Marine aufgegeben, wurde das Schiff seit 1940 von einem Verein zur Unterstützung und Ausbildung von Jugendlichen armer Herkunft genutzt: Hier, auf dem letzten Indien-Liner, konnten die jungen Leute Handwerk und Marine kennenlernen. Das Schiff, das im Laufe seines aktiven Dienstes die Erde etwa fünf Mal umrundet hat, schipperte als schwimmende Ausbildungsstätte schließlich nur noch auf dem Tejo herum. 23 Jahre später dann das endgültige Aus: Ein verheerender Brand zerstörte das Schiff nahezu vollständig und hinterließ nur das traurige Wrack in der Mitte des Tejo.
Als schon fast alles verloren schien, kam Anfang der 90er Jahre die Wende. Über mehrere Jahre hinweg wurde die D. Fernando II e Glória aufwändig restauriert, bis das rundumerneuerte Schiff stolz zur Weltausstellung Expo98 in Lissabon präsentiert werden konnte. Da war er wieder, der letzte Segler nach Indien: Mit stolz wehender portugiesischer Flagge, fast ungeduldig auf neue Entdeckungen in den Weltmeeren wartend.
So weit kam es dann nicht mehr: Die D. Fernando II e Glória verfügt über keinen Hilfsmotor und wird deshalb nicht mehr auf die Ozeane ziehen. Lissabon ist dieses Schiff jedoch erhalten geblieben. Lange Jahre im Dock von Alcântara – und nun hat das Schiff die Seite gewechselt: Für weitere Renovierungsarbeiten zieht die Fregatte für die kommenden fünf Jahre auf die gegenüberliegende Tejoseite nach Cacilhas in das Trockendock der ehemaligen Werft Parry & Son. Die Stadt Almada beteiligt sich an den Restaurierungskosten von bis zu 250.000 Euro – und verfügt so über eine neue Attraktion direkt am Fähranleger nach Lissabon.
Ein Besuch lohnt sich sehr – nicht von ungefähr zeichnete der World Ship Trust die Restaurierung der D. Fernando II e Glória als eine der “größten Leistungen in der Schiffsrestaurierung” überhaupt aus. Manchmal lohnt es sich vielleicht doch, Letzter seiner Art zu sein.
Die D. Fernando II e Glória ist täglich (außer montags und an gesetzlichen Feiertagen) von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 3 Euro (1,50 Euro für Kinder bis 17 Jahren). Von Lissabon fahren z.B. ab Cais do Sodré regelmäßig Fähren nach Cacilhas; das Doca 2 mit der D. Fernando II e Glória liegt in unmittelbarer Nähe des Fähranlegers. Audio-Guides, auch in deutscher Sprache, sind an Bord verfügbar.