Tiefe Abgründe und hohe Wellen: Die Steilküste der Algarve birgt viele Gefahren
Die felsigen Steilküsten im Südwesten der Algarve sind eine Touristenattraktion ersten Ranges – und doch auch gefährliches Terrain. Immer wieder werden Menschen, die sich zu nah an den Klippenrand wagen, von meterhohen Wellen ins Meer gerissen: Erst letzten Samstag kamen so zwei deutsche Urlauber nahe Vila do Bispo ums Leben. Eine Informationskampagne soll nun Touristen wie Einheimische für die Risiken an der Küste sensibilisieren.
Es waren dramatische Szenen, die sich am vergangenen Samstag (23. Februar) an der Felsküste bei Vila do Bispo abgespielt haben müssen. Eine Gruppe deutscher Urlauber, an die Algarve eigentlich zum Fallschirmspringen gereist, richtet der unberührten Steilküste im südwestlichsten Zipfel Portugals einen Besuch ab. Es ist ein Wintertag, die See aufgewühlt, doch anscheinend “berechenbar” (Braunschweiger Zeitung). Als sich die Gruppe auf einem fünf Meter hohen Felsplateau einfindet, passiert es: Eine große Welle reißt vier Menschen mit sich. Zwei von ihnen können sich retten, für einen 41-jährigen Mann und eine 30-jährige Frau aus Braunschweig kommt jede Hilfe zu spät.
Damit entwickelt sich das noch so junge Jahr bereits zum “Ano Negro” in Sachen Unglücksfälle an der Steilküste: Fünf Menschen kamen in 2008 schon aufgrund von Unfällen an der Südwest-Küste ums Leben – sieben waren es im gesamten Jahr 2007, rund 50 in den letzten zehn Jahren.

Verwegen – und doch gefährlich: Angler an der Steilküste bei Sagres. Foto: CB Photography auf Flickr
Neben Touristen sind Freizeitangler besonders gefährdet. Die Angler platzieren sich, oft in schwindelerregender Höhe, wagemutig auf Felsplateaus an der Steilküste. Ein faszinierendes, verwegenes Bild – und doch oft unheimlich riskant. Denn da, wo die besten Fischgründe warten, lauert meist auch die größte Gefahr.
Selbst erfahrene Fischer würden das Risiko oft unterschätzen, beklagt etwa Isilda Gomes, Gouverneurin der Region Algarve: Oft gingen die Angler an die Stellen, wo schon ihre Väter oder Großväter gestanden hätten. “Sie können dort 20 Mal hingehen und es geht gut, beim 21. Mal passiert’s dann aber”, so Isilda Gomes.
Die Felsen seien schon immer da gewesen, konstantiert der erfahrene Hafenkommandant von Portimão, Pedro Marques Pereira. Die Menschen seien es, die ihr Verhalten auf diese so schöne wie auch teilweise gefährliche Naturlandschaft abstimmen müssten. Information und Sensibilisierung tut also Not. Und so plant die Regionalregierung der Algarve, aufgeschreckt von den Unglücksfällen dieses Jahres, bereits im kommenden Sommer eine groß angelegte Informationskampagne über Verhaltensweisen an der Steilküste aufzulegen.
Wanderer an der Küste sollten vor allem auf eine ausreichende Distanz zum Meer achten – und Begrenzungen oder Zäune nicht überschreiten. Auch für Angler gibt es zum Teil einfache Verhaltensregeln, die aber lebensrettend wirken können: So ist es laut Pedro Marques Pereira empfehlenswert, dass Fels-Fischer ihren bevorzugten Angelplatz zunächst aus sicherer Entfernung 20 bis 30 Minuten lang beobachten, ob der Wellengang an dieser Stelle nicht doch höher ist als es zunächst den Anschein hatte. Gut wäre auch das Tragen einer Schwimmweste sowie das Anleinen am Felsen.
Neben der Gefahr durch Wellenschlag besteht auch das Absturzrisiko durch bröckelnde Felsen. Fischer und Touristen sollten also genau darauf achten, wie der Untergrund beschaffen ist.
An der Sinnhaftigkeit von solchen Aufklärungskampagnen wird wohl kaum jemand zweifeln. Doch manche fragen sich, ob es nicht auch an Warnschildern an der Küste mangelt. So auch im Fall der deutschen Urlauber. Gilberto Viegas, Bürgermeister von Vila do Bispo, klagte im Diário de Notícias, dass die Unglücksstelle an einem Wintertag wie diesem 23. Februar überhaupt nicht hätte zugänglich sein dürfen. Doch: “Um den Aussichtsfelsen zu erreichen, klettern die Menschen über Mauern. Und weiter: “Die Touristen wollen das Meiste aus dieser Küste herausholen, und geben dafür ihre Sicherheit auf. Dagegen kann man nichts tun, doch vielleicht hätte man mit Hinweisschildern sie wenigstens dazu bringen können, zwei Mal über ihr Risiko nachzudenken“, so Viegas.
Schilder, wie es sie schon einmal gegeben hat – und die wegen Vandalismus und Vernachlässigung wieder verschwunden sind. Hafenkommandant Pereira schlägt deshalb vor, entlang der 50 Kilometer langen Steilküste Warnhinweise auf abwaschbaren und robusten Azulejos anzubringen.
Trampoline in den Tod, das seien die Felsabhänge an der Küste, erklärten Angler gegenüber dem Jornal do Algarve in drastischen Worten. Und genau diese Botschaft muss nun die Runde machen – bei aller Schönheit dieser Landschaft.
März 8th, 2008 um 1:15 pm
[...] Schuldzuweisungsversuchen, sowie den
Juli 19th, 2008 um 1:53 pm
Ich war gerade selber 2 Wochen in der Algarve in Urlaub mit meiner Familie. Wir haben dort von dem obengenannten Unfall gehört, wussten aber nichts genaues. Von daher haben wir in eurem Artikel nun noch einige Infos nachlesen können. Ich stimme dem zu, dass viel mehr Warnschilder aufgestellt werden müssen. Abzäunen kann man die komplette Küste natürlich nicht, obwohl das am sichersten wäre. Gerade dort am Cabo de Sao Vicente und dem Fort de Beliche herrscht immer starker Wind, so dass man auch von einer heftigen Windboe schon abrutschen kann.
Des weiteren gibt es eine “Mahntafel” am Cabo de Sao Vicente von einem 16järigen Jungen, der im Jahre 2001 dort wohl auch abgestürzt ist. Die Eltern haben neben dem Leuchtturm diese Gedenk- und Mahntafel in die Felsen eingelassen. Da ich im Internet nichts über diesen Sven Greeff finde, habt ihr vielleicht noch Infos hierüber? Vielen Dank.
Heike Köhl
Juli 21st, 2008 um 7:30 pm
[...] Gefährliche Algarve: Tiefe Abgründe und hohe Wellen – die Steilküste der Algarve birgt viele Gefa… (Februar 2008) [...]
Oktober 9th, 2009 um 3:01 pm
Bin vor 2 Tagen aus Portugal zurück gekommen. Einfach herrlich dieses Land!
Besonders natürlich die felsige Küste der Algarve. Doch beim ersten Anblick der atemberaubenden steilen Küste wurde mir klar welche gefahren dort auch drohen!!! Dessen sollte man sich stets bewusst sein! Gerade Touristen wagen sich stets zu weit an die Abhänge. Man kann teilweise kaum zusehen wie sie sich in ihren FlipFlops gefährlich nahe an die Abhänge wagen. Leichtsinn pur!