Lenços de Namorados: Ein Taschentuch als Liebesbeweis
Was macht die junge Portugiesin, wenn sie die Liebe ihres Lebens treffen möchte? Sie bestickt ein Taschentuch: Seit mehreren hundert Jahren dienen die “Lenços de Namorados” (Taschentücher der Verliebten) als farbenfroher Liebesbeweis. Und das nicht nur am Valentinstag.
Der Valentinstag steht vor der Tür: Doch was sind hastig gekaufte Blumen oder Pralinenschachteln schon für ein Liebesbeweis? Das sah in den guten alten Zeiten noch etwas anders aus. Damals stickten Mädchen im heiratsfähigen Alter noch monatelang an Taschentüchern, die sie ihrem Liebsten näher brinen sollten. Vermutlich seit dem 17. oder 18. Jahrhundert entwickelte sich – vor allem im Minho – die Tradition der “Lenços de Namorados“.
Der weiße Baumwollstoff der Taschentücher diente dabei den jungen Frauen auch als Projektionsfläche: Für ihre Träume, Wünsche, Botschaften an das Leben – und an den möglichen künftigen Ehemann. Mit Seitenlängen von 40 bis 60 Zentimetern gaben die Tücher auch einigen Platz her, den es mit allerlei Motiven zu füllen galt. Beliebt waren zum Beispiel allegorische Darstellungen von Tugenden und Werten, wie zum Beispiel Treue oder Redlichkeit. Andere Mädchen ergänzten Blumen- und andere Naturbilder.

Mit Liebe gestickt: Ein Lenço de Namorado. Foto: A Arte da Terra
Und, ganz wichtig: Fast wie ein Poesiealbum enthielten die “Lenços de Namorados” auch sinnige Sprüche, die die Wünsche an Leben und Liebe ausdrückten. Je nach Charakter reichte die Bandbreite der meist als Vierzeiler (Quadra) gehaltenen Weisheiten vom großen Gefühl bis hin zur sanften Ironie. Zum Beispiel heißt es auf einem Taschentuch:
“Além da eternidade
Durará tua paixão
Eu feliz te devo tanto
Do meu o teu coração”
(Jenseits der Ewigkeit hält deine Leidenschaft, ich Glückliche schulde dir so viel von meinem zu deinem Herz)
Später kamen weitere Elemente und Farben hinzu. Im vergangenen Jahrhundert wurde es populär, persönliche Lebenserfahrungen – wie etwa Emigrationen nach Brasilien – auf den Taschentüchern zu vermerken. In welcher Form auch immer: Die “Lenços de Namorados” waren nicht nur Ausdruck der Kreativität und des künstlerischen Könnens ihrer Gestalterinnen. Die Herstellung der Taschentücher war auch aufwändig und mit viel Zeit verbunden. Oft dauerte es monatelang, bis ein Lenço de Namorado fertig wurde.
In die Taschentücher flossen die Träume und Hoffnungen ganzer Generationen hinein. Ob sich diese Wünsche dann später so erfüllten, musste das Leben beweisen. Immerhin, in vielen Orten Nord-Portugals schufen die Liebes-Taschentücher oftmals eine ganz praktische Verbindung auf dem Heiratsmarkt: Auf Festen übergaben die Mädchen den Jungen, die sie interessierten, ihre Tücher. Die Herren sagten nicht nein – und nahmen im Zweifel gerne auch einmal von mehreren Mädchen Taschentücher an, selbst wenn sie schon eine Freundin hatten. Wie diese Website berichtet, kam es deshalb auf so manch einem Dorffest schon zu Zwist unter Frauen wegen der neckischen Taschentuch-Diebstähle.
Heute sticken nur noch die wenigsten Portugiesinnen Lenços de Namorados – und wenn, dann in deutlich kleinerer Form als es früher üblich war. Im Minho gibt es jedoch Versuche, die Tradition am Leben zu erhalten (siehe die schöne Website http://www.adereminho.pt/lencos/). Und auf jeden Fall bleibt auch die Erinnerung: An eine besondere Form des Liebesbeweises, die eine hauchdünne Verbindung von Wunsch und Wirklichkeit herstellen konnte.
Noch bis zum 2. März 2008 stellt die Galerie “A Arte da Terra” in Lissabon (Rua Augusto Rosa 40, oberhalb der Kathedrale Sé) eine Reihe von “Lenços de Namorados” aus. Geöffnet Dienstags bis Sonntags von 11 bis 20 Uhr.
Ein neues Video des Blogs “In Love with Lisbon” gibt übrigens ein paar Ideen, was man auf sein Lenço de Namorado so an süßen Worten sticken könnte: Portuguese love phrases Wort für Wort. Für Anfänger und Fortgeschrittene!
Februar 13th, 2008 um 9:27 pm
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