Einst in aller Munde, heute ein Geheimtipp: Portugals Traditions-Zahnpasta Couto
Erinnert sich noch jemand an Chlorodont? Die erste Zahncreme Deutschlands wurde 1907 in Dresden erfunden – und ist heute vom Markt verschwunden. Anders beim Pionier der Zahnpflege in Portugal: Die legendäre “Pasta Couto” wird nun schon seit mehr als 75 Jahren in Porto nach unveränderter Original-Rezeptur hergestellt – und wirkt so frisch wie am ersten Tag.
Eigentlich ist es ein Wunder, dass es sie überhaupt noch gibt: Die kleinen, in orangefarbenen Pappkartons verpackten Tuben der Pasta Dentrífica Couto. Dass die “Pasta Couto” vor mehr als 75 Jahren die Zahnpflege in Portugal revolutioniert hat, sieht man ihr nicht mehr an: Weder an der Original-Rezeptur, noch an den heute liebenswert altmodisch erscheinenden gelb-orangen Verpackungen mit den geschwungenen Schriftzügen hat der Hersteller mit Sitz in Porto je etwas geändert.

Heute wie damals unverwechselbar: Die Pasta Couto, hier fotografiert im Laden “A Vida Portuguesa” in Lissabon. Foto: Escalla auf Flickr
Schon kurz nach der Markteinführung der Pasta Couto am 13. Juni 1932 entwickelte sich die Zahnpasta rasch zu einem Lieblingsprodukt der Portugiesen. Die Zahnpasta basierte auf einem Rezept, das der Apotheker Alberto Ferreira Couto gemeinsam mit einem befreundeten Zahnarzt entwickelte. Die medizinische Wirkung der Pasta Couto ist bis heute unbestritten. Doch Couto war nicht nur Apotheker, sondern auch Kaufmann. So sorgte er durch die Beigabe von Pfefferminz und Thymian dafür, dass seine “Pasta Couto” auch gut schmeckte – so konnte er die Kunden zur regelmäßigen Zahnpflege animieren.
Vor allem aber setzte Couto wie kaum ein anderer Unternehmer Portugals seiner Zeit auf die Macht der Werbung: Von Plakatwänden, von Straßenbahnen, in Anzeigen – von überall her sahen die Portugiesen den Markennamen “Couto”. Der enorme Werbedruck sorgte dafür, dass “Couto” auch schon bald zum Synonym für Zahncreme in Portugal wurde.

Eine Straßenbahn genannt Couto: Historische Werbung für Portugals erste Zahnpasta. Quelle: Website Couto.pt
Auch beim Aufkommen der Fernsehwerbung war Couto gleich mit dabei. Bis heute unvergessen ist der Fernsehspot, mit dem damals die “Pasta Medicinal Couto” warb. In dem Werbefilm hebt ein Künstler mit seinen Zähnen einen Stuhl hoch und führt – dank seiner gesunde Zähne – allerlei Akrobatik mit dem Stuhl vor. Ein bis heute überzeugender Werbestreifen – und auch der dazu gehörige Slogan ist vielen Portugiesen noch bestens geläufig:
“Palavras para quê? É um artista português e só usa Pasta Medicinal Couto.”
(Wozu noch Worte? Er ist ein portugiesischer Künstler und nutzt nur die Pasta Medicinal Couto).
(Link zum Video auf youtube.com)Die goldenen Zeiten von Couto sind aber auch in Portugal vorbei. Längst haben internationale Marken wie Colgate die Führung übernommen – und schickten den einstigen Primus Couto in ein Nischendasein. Dort lebt die “Pasta Couto” jedoch weiter: Vor allem, weil die Marke noch so fest im kollektiven Gedächtnis verankert ist. Aber auch, weil der immer noch in Familienbesitz befindliche Hersteller sein Produkt nie verändert hat – Couto bleibt Couto, auch wenn sich der Name der Zahnpasta im Jahr 2001 geringfügig ändern musste.
Eine Gesetzesänderung der Europäischen Union war es, die diese Namensänderung bewirkte – und den Hersteller in eine existenzielle Krise stürzte. Die neuen Richtlinien sahen vor, dass Couto seine Zahncreme nicht mehr als “medizinisches” Produkt bezeichnen durfte. Damit verlor die von Pasta Medicinal auf Pasta Dentrífica umbenannte Zahnpasta auch ihr Alleinvertriebsrecht in Apotheken. Doch es kam noch dicker: Die Produktion der Pasta Couto fiel 2001 für ein halbes Jahr komplett aus – viele Portugiesen rechneten damals schon mit dem Aus für ihre Traditions-Zahnpasta.
Mittlerweile geht es wieder langsam aufwärts mit der Pasta Couto. 2004 bezog das Unternehmen neue Räume in Vila Nova de Gaia nahe Porto. Der Absatz stabilisierte sich auf 500.000 Packungen pro Jahr – noch im Jahr 1998 wurde die doppelte Menge verkauft.
Noch immer erlöst Couto 95 Prozent seines Umsatzes in Portugal – und ist damit noch längst nicht so weit wie die ebenfalls aus Porto stammende Traditions-Seife Claus Porto. Doch auch Ausländer entdecken langsam die segensreichen Wirkungen der Pasta Couto – erst kürzlich veröffentlichte die deutsche Vanity Fair eine Lobeshymne auf den “Zahncreme-Klassiker aus Portugal“. Die Zahnpasta aus Porto mag nostalgisch und altmodisch erscheinen: Die anti-septische Wirkung ihrer 13 Zutaten (u.a. Calcium, Eugenol, Pfefferminze, Menthol und Kaliumchlorid) ist auch heute unbestritten. Alle Inhaltsstoffe sind nicht-tierischen Ursprungs. Pasta Couto hilft insbesondere bei Entzündungen und Zahnfleischproblemen – und kann in akuten Fällen auch direkt in der Mundhöhle aufgetragen werden.
Neun Arbeiter im Werk in sorgen mit viel Handarbeit dafür, dass die Zutaten eineinhalb Stunden miteinander vermengt werden und dann noch 24 Stunden “ausreifen”, bis die Paste dann in die Tuben gefüllt wird. Keine Plastik-, sondern Aluminiumtuben: Diese würden Wirksamkeit und Frische besser erhalten, erklärte der heutige Firmenchef Alberto Gomes da Silve – Neffe vom Gründer Alberto Ferreira Couto – vor einigen Monaten der Zeitung “Destak“.
Für die Pasta Couto sprechen also heute noch viele Gründe. Doch ganz leicht zu finden ist die Zahnpasta heute nicht. In Portugal wird die Zahncreme vor allem in kleinen Läden und ausgewählten Apotheken vertrieben (unter anderem auch im Traditions-Shop “A Vida Portuguesa” in Lissabon). Mit den großen Supermarktketten wurde sich die Firma Couto nie einig- der Preisdruck hätte der Qualität der Zahncreme geschadet. In Deutschland führt unter anderem das Berliner Spezialhaus “The Different Scent” die Couto-Zahncreme (auch online).
Ode auf eine Zahnpasta: So nennt sich auch ein Video auf der englischsprachigen Website current.com, in dem Mariana van Zeller auf die Vorzüge der Pasta Couto hinweist.
Februar 13th, 2008 um 8:16 pm
Ein ganz spannender Artikel, da ich bei Zahnpasten immer auf der Suche nach “chemiefreien” Pasten bin. Werde mir Couto besorgen.
Juli 21st, 2008 um 7:08 pm
[...] Einst in aller Munde, heute ein Geheimtipp: Portugals Traditions-Zahnpasta Couto (Februar 2008) [...]
November 1st, 2008 um 7:28 pm
Ich habe diese Zahnpasta früher immer im Dutzend mit nach Deutschland genommen, leider habe ich diese weder auf den Märkten noch im Einzelhande gefunden.
Dass die Zahnpasta bei Entzündungen und Zahnfleischproblemen geholfen hat habe ich mir dann wohl doch nicht nur eingebildet….
Ich werde versuchen die Zahnpasta zu beziehen.
Viele Grüße an die Macher dieser tollen Seite