Große Versprechen für Portugals Buchmarkt: Doch was will der neue Verlagsriese “LeYa” wirklich?
Bücher verlegen in Portugal – das bedeutete lange Zeit: Viel Ehre, wenig Lohn. Doch die Zeiten scheinen sich geändert zu haben: Gleich vier große Verlagsgruppen kämpfen nun verbissen um Marktanteile. Jüngster Mitspieler am Markt: Die Gruppe LeYa, die sich unter anderem auch den Hausverlag von António Lobo Antunes einverleibt hat. Ein Gewinn für die Leser – oder doch einfach ein Pokerspiel um Marktanteile, bei dem auch ein pontenter deutscher Medienriese mitmischen könnte?
Miguel Pais do Amaral ist ein Unternehmer, der schon so manch ein scheinbar aussichtsloses Verlustgeschäft in Portugals Medienlandschaft zum Blühen gebracht hat. Sein bislang größter Coup: Mit der Holding “Media Capital” führte Amaral den einstigen Kirchensender TVI innerhalb weniger Jahre an die Spitze der portugiesischen TV-Charts. Sein Rezept war einfach: Aufmerksamkeit und Quote durch Krawallfilme und seichte Telenovelas.
Und nachdem er mit seiner Media Capital über den meist gesehenen Fernsehkanal und die meist gehörten Radiostationen (Radio Comercial, Cidade FM) verfügt, treibt es Amaral nun auch anscheinend an die Spitze des portugiesischen Buchmarkts. In den letzten Monaten hat sich der Unternehmer in sechs portugiesische Verlage eingekauft – darunter beste Adressen wie Texto, Caminhos und – gerade erst letzte Woche – Dom Quixote, Stammverlag von António Lobo Antunes.
Obwohl die Verlage nun in die gemeinsame Dachmarke “LeYa” (offizielle Homepage) eingegliedert wurden, sollten alle Einzelverlage ihre Identität beibehalten, beteuert Miguel Pais do Amaral. Ja, er geht noch weiter: Autoren und Leser würden gleichermaßen gewinnen. Denn mit “LeYa” wäre endlich ein portugiesischsprachiger Verlag von internationaler Größe entstanden. 1.000 Bücher will Pais do Amaral künftig pro Jahr verlegen – und zwar für alle Schichten: Das Spektrum reicht von Schulbüchern (Texto Editoras) über Comics (ASA) bis hin zu anspruchsvollen literarischen Werken.
Wie sehr ihm die portugiesische Literatur am Herzen liegt, will Amaral auch mit der Schaffung eines neuen Preises verdeutlichen: Schon in diesem Jahr soll pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erstmals der neue Literaturpreis “LeYa” für unveröffentliche portugiesischsprachige Romane vergeben werden. Der Preis wäre mit üppigen 100.000 Euro nicht nur der am höchsten dotierte Literaturpreis der lusophonen Welt - sondern auch besser “bezahlt” als renommiertere Auszeichnungen wie der Booker Prize (knapp 70.000 Euro), der Deutsche Buchpreis (25.000 Euro) und erst recht als der Prix Goncourt (10 Euro).

Solch hohe Summen und hehre Versprechungen sorgen vor allem unter den Konkurrenten von “LeYa” für Misstrauen. Denn das portugiesische Buchgeschäft zeichnete sich bislang wenig durch hohe Renditen aus – eher durch viel Liebhaberei bei wenig Marge. Schwingen beim Literaturengagement des gewieften Pais do Amaral also noch andere Interessen mit?
Vor allem bei Porto Editora, Marktführer bei Schulbüchern in Portugal, fand man klare Worte über den neuen Wettbewerber: Es sei davon auszugehen, dass Pais do Amaral nicht lange im Buchgeschäft verharre – sondern seine Verlage bald wieder meistbietend verkaufe (was dieser allerdings bestreitet). Und dann drohe die Gefahr, so Porto Editora nicht ganz frei von Heuchelei, dass ein Teil der portugiesischen Schulbuchverlage in “ausländische Hände” fallen könnte.
Ausländische Hände? Damit könnte vor allem einer gemeint sein: Bertelsmann. Der deutsche Verlagsriese besitzt mit Círculo de Leitores und Bertrand bereits zwei Dependancen in Portugal. Wie zufällig hat sich das Unternehmen auch schon mit 15 Prozent in Media Capital eingekauft – Pais do Amaral dürfte also über gute Kontakte nach Gütersloh verfügen.
Und dann gibt es noch einen ganz unbekannten Player im Spiel um Bücher und Leser: Der Finanzinvestor Explorer Investments hat ebenfalls schon einige portugiesische Verlagshäuser erworben (Oficina do Livro, Sebenta und Teorema, demnächst vielleicht auch noch Gradiva). Laut einem Artikel des Diario Económico gelten Bertelsmann wie auch Porto Editora als Interessenten für diese Häuser.
Wilder Westen und Goldgräberstimmung scheinen die portugiesische Verlagslandschaft derzeit zu bestimmen. Am Ende des Goldrauschs ist jedoch zu befürchten, dass nur noch zwei große Verlagsgruppen übrig bleiben, die die literarische Produktion des Landes dominieren. Ein krasser Gegensatz zur heute noch sehr vielfältigen und bunten Welt portugiesischer Bücherproduktion. António Lobo Antunes zeigte sich deshalb auch schon besorgt über den Verkauf von Dom Quixote an Pais do Amaral. Der wundert sich hingegen über solche Kritik: Die Bildung von “LeYa” bedeute gute Nachrichten für portugiesischen Autoren: “Die Bedingungen sind so gut wie niemals zuvor und jetzt gibt es die größte Öffentlichkeit und Werbung”, so Amaral im Público. Die Regeln des TV-Geschäfts gelten jetzt also wirklich auch auf dem Buchmarkt.
Januar 9th, 2008 um 11:59 am
schöner Artikel. Sicher muss man abwarten, was die Verlagskonzentration in Portugal wirklich bringt. Im Fokus stehen m.E. nach eher die Märkte in Angola und Moçambique und auf längere Sicht Brasilien. Pais do Amaral hat ja angekündigt, den größten portugiesischsprachigen Verlag schaffen zu wollen. Internationale Aufmerksamkeit, die über den neu geschaffenen Literaturpreis geschaffen werden soll, der ja erstmals in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse verliehen wird, kann der portugiesischsprachigen Literatur sicher nicht schaden.
Verlagskonzentration an sich ist ja ein internationales Phänomen, auch in Deutschland gibt es (leider) kaum noch inhabergeführte Verlage.
Januar 9th, 2008 um 12:03 pm
[...] Portugalmania gibt es auch einen ausführlichen Artikel zum [...]