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Rechtschreibreform auf Portugiesisch: Tudo corre(c)to?

Autor: Gilberto | 11. Dezember 2007

Neun Länder, eine Sprache – und bald auch eine gemeinsame Schreibweise? Nach jahrzehntelangem Zögern scheint nun die Zeit für eine gemeinsame Rechtschreibreform des Portugiesischen gekommen zu sein. Doch der “Acordo Ortográfico” stößt vor allem in Portugal noch auf viele Vorbehalte: Die Ängste vor der “Brasilianisierung” der Sprache sind groß. Wir Deutsche wissen um die Schwierigkeit einer gelingenden Rechtschreibreform: Was gab es nicht alles für Aufregungen, bis die heute gültige Form in Blei und Duden-Lettern gegossen wurde. Nun steht auch das Portugiesische vor einer heiß umstrittenen Anpassung seiner Ortografie. Und das unter noch komplizierteren Voraussetzungen als es im Deutschen der Fall war: Denn gab es hier nur drei Länder und knapp 90 Millionen Muttersprachler unter einen Hut zu bringen, so ist die Situation beim Portugiesischen komplexer:

Weit über 200 Millionen Menschen verwenden Portugiesisch als ihre Muttersprache – Platz 8 in der Weltrangliste der Sprachen. In neun Ländern ist Portugiesisch Amtssprache. Und, ungewöhnlich für eine Weltsprache und auch anders als im Spanischen: Die Ortografie unterscheidet sich von Kontinent zu Kontinent. Denn die Welt des Portugiesischen ist drei geteilt – bei Schreibweise wie auch Aussprache:

Auf der einen Seite steht mit zehn Millionen Einwohnern das kleine Portugal, das aber immer noch gerne auf seine Deutungshoheit in Sachen Portugiesisch pocht. Die Sprache “gemacht” wird aber vor allem in Brasilien: Hier leben 190 Millionen Menschen, die Portugiesisch sprechen und schreiben – dies allerdings nicht so, wie es im Lehrbuch aus Portugal steht.

Längst hat sich das brasilianische Portugiesisch in vielen Weisen von seiner “Mutternation” abgekoppelt. Nicht nur die etwas klarer, spanischer anmutende Aussprache unterscheidet sich: Auch in der Schreibweise setzt Brasilien seit jeher auf viele Vereinfachungen.

Und irgendwo, etwas zwischen den Stühlen, versuchen noch afrikanische Staaten wie Angola und Moçambique ihre Rolle im portugiesischen Sprachkosmos zu finden: Traditionell lehnten sie sich jedoch eher an das europäische Portugiesisch an.

Angesichts dieses wenig einheitlichen Umgangs mit dem Portugiesischen keimte in den verschiedenen lusitanischen Ländern schon lange der Wunsch nach einer gemeinsamen Rechtschreibung auf. Nicht nur idealistische Ideen, sondern auch Machtpolitik spielt hier eine Rolle: Ausgerüstet mit einer einheitlichen Schreibweise könnte das Portugiesische seine Rolle als bedeutende Weltsprache weiter ausbauen, so das Kalkül. 1990 schien es dann so weit zu sein: Damals verabschiedete die Comunidade dos Países da Língua Portuguesa (Gemeinschaft der Länder portugiesischer Sprache) den “Acordo Ortográfico“, der nach langer Vorarbeit die zukünftige, weltweit einheitliche Rechtschreibung regeln sollte.

Alles in Ordnung? Der Acordo Ortográfico
Ist correto auch wirklich korrekt? Die Rechtschreibreform wirft neue Fragen auf. Foto: GS

Der Acordo wurde zwar heftig diskutiert, kam aber nie so recht aus den Gängen: Nur drei Länder – Portugal, Brasilien und die Kapverden – unterzeichneten den Vertrag. In den Folgejahren quälte sich die Diskussion weiter hin. Ein Ergänzungsabkommen zum Acordo Ortográfico aus dem Jahr 2004 schält sich nun aber als Basis für einen Konsens heraus: Ende November kündigte Portugals Außenminister Luís Amado an, die Rechtschreibreform auch in Portugal umzusetzen. Laut Kultusministerin Isabel Pires de Lima sei für die Einführung eine Übergangszeit von zehn Jahren vorgesehen.

Die Reaktionen in Portugal waren – und sind – gespalten. Viele Portugiesen sehen mit der neuen Rechtschreibung die oft noch ein wenig belächelte brasilianische Variante als Sieger – und fürchten die Aushöhlung des traditionellen Portugiesischen. In der Tat ist Brasilien wirklich Sieger nach Punkten: Müssen Portugiesen künftig 1,6 Prozent ihres Wortschatzes anders schreiben als gewohnt, so liegt ergibt sich für Brasilianer bei nur 0,45 Prozent der Worte Änderungsbedarf.

Die augenfälligste Änderung ist mit Sicherheit das Verschwinden der “stummen Konsonanten”: Buchstaben, die nicht mehr ausgesprochen, aber (in Portugal und Afrika) noch geschrieben werden: Correcto (richtig) heißt demzufolge künftig correto, óptimo (bestens) verkürzt sich zu ótimo. Für Brasilianer ist das schon längst Usus, für portugiesische Leseraugen noch sehr ungewohnt. Einige Ausnahmen werden auch hier bleiben: Der Acordo Ortográfico gibt der gesprochenen Sprache eine Vorrangstellung über der Schriftsprache. Das heißt: Wird in einem Land ein Konsonant noch ausgesprochen, in einem anderen aber nicht, so sind unterschiedliche Schreibweisen erlaubt.

Für Brasilianer ergeben sich hingegen nur relativ unbedeutende Änderungen, vor allem bezogen auf die Verwendung bestimmter Akzente. Für alle hingegen neu: Die Buchstaben “k”, “w” und “y” werden erstmals in das offizielle Alphabet der portugiesischen Sprache aufgenommen – verwendet wurden sie faktisch hingegen schon länger.

Wer die deutschen Erfahrungen kennt, darf sich auch in Portugal auf lange Debatten über die “richtige” Schreibweise vorbereiten. Vor allem in den beiden großen Schulbuchverlagen des Landes – Porto und Texto Editora – haben sich erbitterte Gegner des Reformprojekts gefunden. Es sind jedoch weniger die Umstellungskosten der Schulbücher, die die Verlage schrecken: Sie fürchten eher um ihre Quasi-Monopolstellung in Portugal und den afrikanischen Ländern portugiesischer Sprache. Denn wenn auch Angola und Moçambique die Schreibreform ratifizieren ergibt sich für die starken brasilianischen Verlage ein lukrativer Absatzmarkt, der bislang fast komplett von Porto und Texto dominiert wird.

Womöglich ist das ein letztes Aufbäumen – verhindern dürfte es die gemeinsame Schreibweise nicht mehr. Denn was wäre, wenn der Acordo Ortográfico ein zweites Mal scheitert? Dann würde Brasilien mit seinen 190 Menschen seinen eigenen Weg gehen – und Portugal hätte es schwer, “sein” Portugiesisch noch weiter verteidigen zu können. So bleibt immerhin noch eine Mitsprachemöglichkeit. Und: Die typisch weiche portugiesische Aussprache bleibt erhalten. Daran wird keine Ortografie etwas ändern können.

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4 Antworten zu “ Rechtschreibreform auf Portugiesisch: Tudo corre(c)to? ”

  1. # 1 Cornelius sagt:
    Dezember 22nd, 2007 um 1:32 pm

    Sehr interessanter Beitrag :) .

    Die Angst der Portugiesen kann ich gut nachvollziehen, nicht selten habe ich erlebt, wie die brasilianische Schreibweise “verachtet” wurde. Für einen Teil der Studenten bspw. wäre der Acordo Ortográfico aber sowieso nichts Neues, da sie bereits jetzt brasilianisch-sprachige Bücher kaufen müssen, da es keine besonderen Übersetzungen von naturwissenschaftlichen Büchern ins europ. Portugiesisch gibt.

  2. # 2 portugalmania.de | Das portugiesische Alphabet sagt:
    Januar 6th, 2008 um 12:45 pm

    [...] werden nur bei importierten, ausländischen Wörtern verwendet. Mit der möglichen Einführung des Acordo Ortográfico, der Rechtschreibreform in Portugal, könnten diese Buchstaben dann aber ganz offiziell ins [...]

  3. # 3 Francisco Santos sagt:
    Januar 13th, 2008 um 8:57 pm

    o meu nome é francisco santos
    Procuro um tradutor Portugues Alemao
    para traducao do meu livro Newton
    Obrigado
    Francisco Santos

  4. # 4 Miguel sagt:
    März 5th, 2009 um 2:12 pm

    Oi Francisco

    se vc ainda precisa om tradutor, pode entrar em contato:
    noeme@gmx.at

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