Museu Serralves: Der komplette Bestand jetzt online abrufbar
Das Museu Serralves in Porto, spezialisiert auf zeitgenössische Kunst seit 1968, erlaubt nun auch virtuelle Besuche: Seit heute stehen 3.300 Werke aus dem Fundus in einem Internetkatalog zur Recherche bereit. Und ganz nebenbei zeigt das Museum so auch einem ungeliebten Konkurrenten aus Lissabon, wer die wahre Nummer Eins im Lande ist.
Ein Jahr lang liefen im Museu Serralves die Scanner und Digitalkameras auf Hochtouren – doch jetzt ist’s geschafft. Seit heute steht nahezu der gesamte Bestand des Museums in Porto in einem Internetkatalog bereit. Rund 3.300 Werke zeitgenössischer Kunst lassen sich nun unter dieser Adresse recherchieren. Gut vertreten sind übrigens auch deutsche Künstler – darunter Jörg Immendorf, A.R. Penck oder Georg Baselitz.
Mit dem neuen Internetkatalog – die Digitalisierung hat laut Diário de Notícias immerhin 192.000 Euro verschlungen – schickt sich das Museu Serralves an, auch im Internet Besuchermagnet Nummer Eins unter den portugiesischen Museen zu werden. Im wirklichen Leben ist es das 1999 in Porto eröffnete Kunsthaus schon.
Alles drin: Hier zum Beispiel die Immendorf-Werke im Katalog des Museu Serralves
350.000 Besucher strömen pro Jahr in die auch europaweit beachteten Ausstellungen des Museu Serralves – derzeit sorgt vor allem eine Ausstellung des amerikanischen Künstlers Robert Rauschenberg für Furore. Umso irritierter reagierte man wohl in Porto, als in Lissabon vor einigen Monaten mit der Colecção Berardo ebenfalls ein Museum für zeitgenössische Kunst eingerichtet wurde. Und vor allem die Rede von Portugals Ministerpräsident José Socrates zur Eröffnung des Berardo-Museums im Juni sorgte bei den stolzen Kunstfreunden von Porto für Stirnrunzeln. Socrates sagte damals, bislang hätten die Routen der zeitgenössischen Kunst in Madrid geendet: “Nun aber beginnen sie hier” – also in Lissabon. Hatte er bis dahin nichts von dem bereits seit acht Jahren erfolgreich arbeitenden Serralves in Porto gehört?
Heute holte António Gomes de Pinto, Präsident der Fundação Serralves, denn auch zum Gegenschlag aus: Er werte die Äußerungen von Socrates eher als eine “Höflichkeit”, die man zur Eröffnung eines Museums so sage. Seine Institution, so Gomes de Pinto, lasse sich jedoch nicht mit “geschmeichelten Referenzen” vergleichen. Die Sammlung von Serralves sei “die einzige”, die nach museologischen Gesichtspunkten zusammen gestellt wurde. Die Colecção Berardo ist hingegen nur die Privatsammlung eines kunstbegeisterten Unternehmers. Kurz: “Serralves ist wichtiger als Berardo“.
Von der Wichtigkeit des Museums kann man sich jetzt, wie gesagt, im Internet selbst informieren: Unter www.serralves.pt
