Linktipp: Die digitale Bibliothek des Alentejo eröffnet neue Blicke auf eine oft verkannte Kulturregion
Literatur, Geschichte, Agrarstudien: Die soeben eröffnete “digitale Bibliothek des Alentejo” ermöglicht den vollen und kostenfreien Zugriff auf fast 200 Bücher mit regionalem Bezug. Stöbern lohnt sich: Denn im Fundus der Online-Bibliothek findet sich so manch ein Klassiker der portugiesischen Literatur.
Bis heute kämpft die Region Alentejo im Südosten Portugals mit dem Bild des zurückgebliebenen Landstrichs: Groß, faszinierend in seiner Kargheit – aber auch hoffnungslos einsam und verarmt. Dieser Eindruck stimmt jedoch nur zum Teil: Zwar ist das Alentejo bis heute die ärmste Region Portugals, bietet aber doch an vielen Stellen Zeugnisse überraschender Aufbrüche.
Es scheint, dass der kulturelle Reichtum des Alentejo erst noch erschlossen werden muss – eine Aufgabe, zu der die neue “digitale Bibliothek des Alentejo” (Biblioteca Digital do Alentejo, BDA) meisterhaft beiträgt.
Motto der Online-Bibliothek ist, ein “Fenster zur alentejanischen Kultur aufzustoßen“. Und das tut sie in großartiger Weise: Pünktlich zur offiziellen Eröffnung der Website am 12. Dezember stehen bereits jetzt fast 200 sorgfältig eingescannte Bücher zur kostenlosen Online-Lektüre zur Verfügung. Aus urheberrechtlichen Gründen handelt es sich beim Bestand der Online-Bibliothek vor allem um ältere Werke. Darunter finden sich indes jedoch einige Fundstücke:
Zum Beispiel eine schöne Ausgabe der “portugiesischen Briefe”. Diese glühend heißen Liebesbriefe wurden im 17. Jahrhundert angeblich von der Klosterfrau Soror Mariana in Beja an den Cavalheiro de Chamilly geschrieben. Mittlerweile geht man zwar eher davon aus, dass diese – übrigens von Rainer Maria Rilke ins Deutsche übertragenen - Briefe in Frankreich entstanden (es gibt keine portugiesische Originalfassungen). Trotz (oder wegen?) aller Rätsel ist das Werk fester Bestandteil der alentejanischen Kultur. Die (angebliche?) Klosterzelle der Schwester Mariana mit einer Replik des Fensters, durch dessen Gitter die Schwester ihrem Offizier die Liebesschwüre zuwisperte, lässt sich bis heute im Städtchen Beja besichtigen.
Außerdem im Fundus: Weitere Klassiker, allerhand Lokalgeschichtliches und viele Bücher zur Agrarwirtschaft. Alle Werke eint der Bezug zum Alentejo. Neben den digitalisierten Büchern finden sich auf der BDA-Website auch zahlreiche Biografien bedeutender Schriftsteller des Alentejo (in Portugiesisch) – ebenfalls eine praktische Informationsquelle für die oft vernachlässigte alentejanische Kultur.
Die portugiesische Nationalbibliothek bietet ebenfalls eine gut bestückte digitale Bibliothek an. Diese ist unter http://purl.pt/ erreichbar.

Januar 19th, 2008 um 1:28 pm
[...] worden und im Alentejo gehen die "digitalen Uhren" halt noch ein wenig anders, oder ? portugalmania.de | Linktipp: Die digitale Bibliothek des Alentejo er