Eine “Blaue Mauritius” aus Kork? Mit der ersten Kork-Briefmarke der Welt ehrt die portugiesische Post ein besonderes Naturprodukt
Vergangene Woche stellte die portugiesische Post die weltweit erste und einzige Briefmarke aus Kork vor. Die Marke, schon jetzt begehrtes Sammlerstück, zeigt: Mit Kork lässt sich weitaus mehr anfangen als nur Weinflaschen zu versiegeln.
Die portugiesische Post CTT bereichert die Philatelisten dieser Welt mit einer Rarität: Die erste Briefmarke der Welt aus Kork ist da. Gestaltet vom Designer João Machado zeigt die Marke auf hauchdünnem Korkpapier einen “Sobreiro” – die charakteristische Korkeiche, aus deren Rinde der Kork gewonnen wird.

Jedes Stück ein Unikat, so wie eine Korkeiche auch einzigartig ist: Die weltweit erste Briefmarke aus Kork. Quelle: CTT Portugal
Dass die erste Kork-Briefmarke der Welt aus Portugal stammt, ist kein Zufall: Das Land beherbergt auf einer Fläche von insgesamt 737.000 Hektar die größte Korkeichen-Populatione der Welt. Während die meisten Bäume im abgelegenen Alentejo stehen, hat sich die weiter verarbeitende Industrie schon seit Jahrhunderten um das nordportugiesische Aveiro angesiedelt – von hier aus ist es zum Douro, der Anbauregion des Portweins, nicht mehr weit.
Die Wirtschaftskraft der Branche ist beachtlich: Portugal ist heute der größte Korkproduzent der Welt. Insgesamt setzt die Branche rund 900 Millionen Euro um – wovon 90 Prozent aus dem Export stammen. Wiederum 75 Prozent dieser Exporte gehen auf das Konto von Weinverschlüssen. Diese Abhängigkeit hat in den vergangenen Jahren jedoch für einige Probleme gesorgt: In den letzten fünf Jahren halbierte sich die Zahl der mit Kork verschlossenen Flaschen auf 500 Millionen, wie kürzlich das Wiesbadener Tagblatt berichtete.
Grund für den Einbruch sind die Qualitätseinbußen, die Kork dem Wein zufügen kann: Kork schützt einen Wein nicht nur, sondern kann ihn in ungünstigen Fällen auch ungenießbar machen. Der unter Weinliebhabern gefürchtete “Korkton” entsteht durch chemische Prozesse, bei denen “Trichloranisol” entsteht. Vor allem bei Korken von Eichen, die mit einem bestimmten Insektizid behandelt wurden, kam es immer wieder zu diesem unerwünschten chemischen Prozess.
Mittlerweile habe die Korkindustrie diese Probleme aber in den Griff bekommen, beteuert Antonio Amorim, Präsident des portugiesischen Korkverbandes Apcar, ebenfalls im Wiesbadener Tagblatt. Mehr als 400 Millionen Euro habe man in Qualitätssicherung und bessere Herstellungsverfahren investiert – damit der Kork auch weiterhin erste Wahl für beste Weine bleibe.
Dennoch: Der Einbruch beim Korkabsatz für Flaschenverschlüsse zeigt, dass sich die Branche weiter auffächern muss – die Briefmarke aus Kork sei dafür ein ganz praktisches Beispiel . Und in der Tat ist Kork ein echtes Multitalent: Seine Wasserundurchlässigkeit und geringe Wärmeleitfähigkeit machen Kork zum idealen und umweltfreundlichen Dämmstoff. Bodenbeläge aus Kork gewinnen weltweit an Popularität. Selbst in High-Tech-Produkten der Automobil- und Luftfahrtindustrie wird Kork eingesetzt.
Und: Auch exquisite Designerstücke lassen sich aus Kork herstellen – wie kürzlich erst die Ausstellung “Remade in Portugal” gezeigt hat. Viele solcher origineller Gegenstände aus Kork – von der Handtasche bis zum Regenschirm – bietet die portugiesische Firma Pelcor in ihrem Online-Shop an.
Was man aus Kork nicht alles machen kann: Website von Pelcor
Und auch die Kork-Briefmarke selbst ist das beste Beispiel für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieses Naturprodukts (das meint auch der Korkblog aus dem Hause des portugiesischen Marktführers Grupo Amorim).
Die Produktion der Marke war für die Post jedoch alles andere als einfach: “Wir mussten ein besonders feines Material finden, das dem Bedrucken standhalten kann, das nicht schnell verdirbt und das auf der Rückseite einen Klebestreifen aushält,” erklärte CTT-Präsident Luis Nazaré bei der Präsentation der Briefmarke.
Über die Herstellungskosten für diese Briefmarke schweigt sich die Post denn auch aus: Möglicherweise liegen sie noch über dem offiziellen Ausgabepreis von einem Euro. Für Sammler dürfte der Wert der Marke aber rasch steigen. Denn jede der 230.000 angefertigten Kork-Briefmarken ist aufgrund der Textur des Korkpapiers ein Unikat. Schon jetzt wird die Marke auf ebay gehandelt – und ist sie erst einmal in den offiziellen CTT-Verkaufsstellen ausverkauft, dürfte der Wert noch weiter steigen. Eine zweite Auflage schließt die portugiesische Post schon heute kategorisch aus. Nicht nur auf Weinflaschen dürfte Kork künftig die erste Wahl bleiben – auch auf Briefumschlägen ist seine Verwendung eine edle Wahl.
Korkeichen im Alentejo – Fotos von Lisa Bergheim:




Dezember 5th, 2007 um 6:31 pm
Ich glaube, so schnell habe ich noch keine SMS nach Portugal geschickt- schaun ‘mer mal, ob ich Glück habe!!
Bei Weinen bin ich immer frustiert, wenn statt Kork ein Plastikkorken oder ein Korken aus Korkgranulat gezogen wird – auch wenn es ganz konträre Meinungen darüber gibt.
Auf Designerstücke kann ich allerdings gerne verzichten!!
Schade, dass man hier keine Fotos hereinstellen kann – der Alentéjo bietet gerade mit Korkeichen tolle Motive.
Grüße Lisa