Angie und José in der Straßenbahn: Wo blieben die Taschendiebe?
Da sage mal einer, Europas Politiker wären nicht volksnah. 26 europäische Regierungschefs sowie ein Abgesandter Englands nahmen in Lissabon die Straßenbahn, um nach einer anstrengenden Vertragsunterzeichnung zum Ort Ihres Mittagessens zu gelangen. Doch an so manch einem Detail hätten die Gipfel-Organisatoren noch feilen können…
Hoher Besuch im altehrwürdigen Mosteiro dos Jerónimos im Lissaboner Stadtteil Belém: Die Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsstaaten unterzeichneten hier am vergangenen Donnerstag den Vertrag von Lissabon (Tratado de Lisboa). Eine würdevolle Zeremonie vor historischer Kulisse.
Nur zu verständlich also, dass die anwesenden Top-Politiker nach vielen schönen Worten und noblen Gesten sich bald etwas hungrig fühlten. Und so war es eine freundliche Geste der portugiesischen Organisatoren, den Damen und Herren Staatenlenkern eine Straßenbahn vor die Haustür zu schicken, die das Gipfelpublikum zum Ort ihres Mittagessens befördern sollte: In das 500 Meter entfernte Museu dos Coches (Kutschenmuseum). Ein Fußweg wäre sicherlich auch reizvoll gewesen – und unterwegs hätte man vielleicht schon ein Pastel de Nata in der legendären Konditorei “Fábrica dos pasteis de Belém” naschen können, doch, oh schade, alle Cafés und Restaurants mussten aus Sicherheitsgründen leider geschlossen bleiben. Und außerdem ist es auch in Lissabon im Moment zu kalt für lockere Spaziergänge in Anzug und Kostüm.
Nun also Straßenbahn statt Wagenkolonnen. Und, wie das Bild des offiziellen Gipfelfotografen zeigt, ging es in der Europa-Tram ganz schön eng zu. Angela Merkel hatte Glück, noch einen Sitzplatz zu erwischen, wie die Süddeutsche Zeitung erleichtert beobachten konnte: ”Bundeskanzlerin Merkel saß neben dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker, zahlreiche Politiker mussten stehen”

Eine Trambahnfahrt, die ist lustig: Angela Merkel und der portugiesische Ministerpräsident José Socrates in der Straßenbahn. Foto: Portugiesische Ratspräsidentschaft EU2007
Ganz schön volksnah, unsere Politiker, dass sie sich für etwa zwei Minuten in eine gefüllte Straßenbahn zwängen! Das war schon einmal ein guter Start. Die Straßenbahnfahrt in Belém musste sogar noch allen Ernstes für den Klimaschutz herhalten. Wir aber sagen: Wenn schon Symbolik, dann aber richtig. Hier hätte es noch ein paar Verbesserungspunkte gegeben:
Warum stand die Straßenbahn schon pünktlich vor dem Mosteiro dos Jerónimos bereit? Das gibt’s selten in Lissabon. Der normale Lissaboner wartet schon mal gut und gerne eine halbe Stunde, bis die nächste Straßenbahn angezuckelt kommt. Immerhin: Ist eine da, dann folgt die nächste meist gleich kurz hinterher. Bei der langen Vorbereitungszeit für den Vertrag von Lissabon, mit all seinen Verzögerungen, hätte man auch gleich publikums- und medienwirksam auf die Bahn ein wenig warten können.
Und: Die Linie war frei. Keine parkenden Autos auf den Schienen. Keine sonstigen Behinderungen. Untypisch für das Straßenbahnfahren in Lissabon – und für europäische Vertragsverhandlungen. Zumindest ein Wagen mit polnischem Kennzeichen hätte mal symbolischerweise die Schienen blockieren können. Die Lissaboner Verkehrspolizei hat schon ganz gute Erfahrungen gesammelt, um falschparkende Autos von Straßenbahnschienen abzuschleppen.
Und noch ein Punkt: Eine sonst in überfüllten Lissaboner Straßenbahnen stets anwesende Bevölkerungsgruppe war systematisch ausgeschlossen (ein Fall für das Anti-Diskriminierungsgesetz?) – die Taschendiebe. So entspannt, wie Portugals Ministerpräsident José Socrates dort steht, bedeutet: Er muss sich sicher sein, dass ihm kein Portemonnaie aus seiner Hosentasche geangelt wird. Aber wer weiß: Vielleicht wäre die Mitfahrt für Taschendiebe bei dieser Fahrt wenig attraktiv gewesen – so leer, wie die Staatskassen der dort anwesenden Politiker sind.
Beim Mittagessen hatten die Organisatoren wieder ein besseres Händchen in Sachen Symbolik. Wie der Blog “Sonniger Süden” berichtet, wurde nach geglückter Straßenbahnfahrt ein Portwein aus dem Jahre 1957 gereicht - dem Jahr, in dem der Vertrag von Rom unterzeichnet wurde. Hoffentlich hat’s gemundet.
Dezember 16th, 2007 um 8:40 pm
Also – meine Freundin (Alfazinha und Polizistentochter ) kauft ihre Handtaschen immer nach dem gleichen Prinzip und ich auch:
Über die Schulter mit nicht so langen Henkeln, unter den Arm klemmen und den Daumen immer am Anfang des Reisverschlusses.
Auf diese Art und Weise ist mir in 41 Jahren noch nie etwas in Lisboa gestohlen worden!!
Wir hätten also Angie gute Ratschläge geben können!!!
Allerdings hätte José seine Geldbörse aus der Hosentasche nehmen müssen!!
Vielleicht in Angies Handtasche deponieren??
Sie wäre sicher nicht wegen einseitiger Last umgekippt!!