Lissabon nach dem Klima-Kollaps: Ein Computerspiel lässt Portugals Hauptstadt in den Meeresfluten versinken
Die Klima-Apokalypse rückt näher. Gletscher schmelzen ab. Städte werden überflutet. Und dann? Ein neues Computerspiel malt sich die Welt nach dem Klima-Kollaps aus – und lässt auf den Trümmern des zerstörten Lissabons eine neue Stadt errichten. Ist Lissabon dem Untergang geweiht?
Der jüngst veröffentlichte Klimaschutz-Report der Vereinten Nationen lässt kaum noch einen Zweifel zu: Die globale Erwärmung ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Und die Folgen werden dramatisch sein: Überschwemmungen, Kriege um Ressourcen, Krankheiten. Führt der Klimawandel die Welt am Ende in ihre Zerstörung, in die endgültige Apokalypse? Ausgerechnet ein Computerspiel der Shooter-Klasse malt sich die “Worst Case”-Folgen des Klimawandels ganz konkret aus.
Die düstere Vision, die dem Spiel “Ugo Volt” zu Grunde liegt, ist wahrlich schauderhaft: In nicht allzu ferner Zeit werden die meisten Städte dieser Welt wegen der überall abschmelzenden Gletscher überflutet sein. Nur wenige Menschen haben überlebt. Auf den Trümmern der zerstörten Städte hat sich eine Diktatur entwickelt, die – konzernartig – über geklonte, willenlose “Cyborgs” verfügt, um neue, klimasichere Städte aufzubauen. Doch bei einem Cyborg mit Namen Ugo Volt läuft etwas schief – er entdeckt seinen freien Willen und bricht aus dem Klon-Sklaventum aus. Und so beginnt Udo Volt im gleichnamigen Spiel eine Odyssee in der futuristischen Oberstadt, steigt aber auch in die Tiefen einer Unterwelt ein, auf deren Trümmern die neue Stadt errichtet wird.
Und diese versunkene Stadt kommt einem erstaunlich bekannt vor: Kleine, gelbe Straßenbahnen liegen hier, herausgerissen aus ihren Gleisen. Häuserfassaden und Straßenlaternen räumen den letzten Zweifel aus: Ugo Volt hat sich in das vom Klimawandel zerstörte Lissabon begeben.

Lissabon nach dem Klima-Kollaps: Screenshot aus “Ugo Volt”. Quelle: www.ugovolt.com
Dass ausgerechnet Lissabon zur Kulisse dieser Klima-Apokalypse gewählt wurde, ist kein Zufall – denn “Ugo Volt” ist das Produkt der kleinen portugiesischen Softwarefirma “Move Interactive“, die mit diesem Computerspiel auf ihren internationalen Durchbruch hofft. Gründer von “Move Interactive” sind die beiden Brüder Roberto Varela und Rogério Silva, zwei junge Portugiesen Mitte zwanzig. Aufgeschreckt von Zeitungsberichten über den Klimawandel stellten sich die beiden Jungs aus Madeira vor gut fünf Jahren eine Frage: Wie sieht die Welt wohl aus, wenn der Klimawandel tatsächlich wie beschrieben eintritt? So malten sie sich das düstere Szenario von Ugo Volt aus, und begannen bald an der Entwicklung des Computerspiels.
Vor zwei Jahren zogen Roberto Varela und Rogério Silva mit ihrer Firma “Move Interactive” von Madeira nach Estoril bei Lissabon. Hier programmieren derzeit dreizehn Mitarbeiter mit Hochdruck an der Fertigstellung von “Ugo Volt”. Zwar hat die Firma, die ihr Startkapital von zwei portugiesischen Venture Capital-Firmen erhielt, noch keinen Cent verdient – aber die Perspektiven stehen gut: Gerade hat Move Interactive die Zulassung erhalten, “Ugo Volt” weltweit für die Spieleplattform Microsoft Xbox 360 verkaufen zu dürfen. Weitere Versionen für PC und Playstation 3 sind ebenfalls in Planung.
Damit wäre “Move interactive” die erste Firma aus Portugal, die den Sprung auf den Markt der großen Spielekonsolen schaffen würde. Und ist es da nicht folgerichtig, Lissabon als Kulisse zu verwenden? Nicht unbedingt: “Lissabon hätte nicht unbedingt im Spiel erscheinen sollen”, erklärte Roberto Varela in der Wochenzeitung Sexta. Im Gegenteil – er habe sogar eine mangelnde Akzeptanz für den Schauplatz auf dem internationalen Markt befürchtet. Doch als “Move Interactive” vor drei Jahren erstmals einen Prototyp des Spiels auf internationalen Messen vorstellte, sei das Feedback “exzellent” gewesen. Lissabon hat eben doch hohe Sympathiewerte in der Welt – sogar in seiner zerstörten Form.
Und, wer weiß – vielleicht spielt Ugo Volt auch wieder ein wenig mit der portugiesischen Lust am Untergang, die in der Saudade ihren schönsten Ausdruck findet. Und wie auch die Saudade immer ein Stückchen Hoffnung bereit hält, ist die Welt auch in Ugo Volt noch nicht verloren. Die Macher von “Move Interactive” haben drei mögliche Auflösungen in das Spiel hineinprogrammiert. Es liegt nun am Spieler selbst, ob er Ugo Volt in die Freiheit führt – oder ihn mit Lissabon in den Fluten des Tejo untergehen lässt.
ugovolt.com – die offizielle Website zu Ugo Volt