Der größte Weihnachtsbaum Europas steht in Porto. Und in Bukarest. Und vielleicht auch in Dortmund?
Gleich mehrere Städte Europas reklamieren für sich das Privileg, den “größten Weihnachtsbaum” des Kontinents zu beherbergen. Porto geht mit einem besonders seltsamen Exemplar ins Rennen: Ist das als höchster Weihnachtsbaum Europas gepriesene Monstrum nachher nur die mühsam getarnte Litfaßsäule einer Großbank?
Weihnachten hat dieses Jahr in Porto früher als anderswo begonnen. Schon lange vor dem ersten Advent, seit dem 17. November, erstrahlt auf der zentralen Avenida dos Aliados der angeblich “größte Weihnachtsbaum Europas“. Jeden Abend, mit Einbruch der Dunkelheit, fangen Tausende von Glühbirnen und LED-Leuchten an zu flackern – Kerzenmotive, Sternchen und anderer weihnachtlicher Schnickschack erhellen die sonst so verwaiste Innenstadt von Porto.
Beeindruckende 76 Meter hoch ist dieser “Baum” – der allerdings noch nie einen Wald gesehen hat, geschweige denn aus Holz bestet. Der “größte Weihnachtsbaum Europas”, mit dem die Stadt Porto nicht müde wird zu werben, ist ein riesiges Metallgerippe, ganze 280 Tonnen schwer. 28 Kilometer an Lichterketten wurden um den Baum geschlungen, dazu rund 15.000 Glühbirnen angesetzt. Mehrere Wochen dauerten die Aufbauarbeiten, insgesamt waren über 350 Menschen an Vorbereitungen und Montage beteiligt.

Die Eröffnungsfeier für den größten Weihnachtsbaum Europas in Porto am 17. November. Quelle: Banco Millennium BCP
Ein Mega-Projekt also, und alles nur für Weihnachten? Nicht ganz. Die Stadt Porto verfolgt mit dem Baum ganz profane Ziele: Endlich wieder mehr Menschen in die von den Shopping-Centern der Peripherie stark gebeutelte Innenstadt zu locken. Eine Idee, die aufgehen könnte: In den letzten drei Jahren stand der größte Weihnachtsbaum Europas an verschiedenen Stellen in Lissabon und zog bis zu 800.000 Schaulustige an.
Und hier kommt auch wieder die alte Rivalität der beiden Großstädte Portugals ins Spiel: Was Lissabon hat, muss natürlich auch Porto haben – im Zweifel dann gerne noch etwas größer und auffallender. So dürfte es kein Zufall sein, dass der Weihnachtsbaum in Porto exakt ein Meter höher ist als voriges Jahr in Lissabon.Rui Rio, Bürgermeister von Porto, hat zwar in einem Fernsehinterview bestritten, dass er Lissabon den Baum “weggeschnappt” hätte – klammheimlich freuen dürfte es ihn doch.
Der eigentliche Gewinner im Weihnachtsbaum-Wettlauf ist jedoch ein ganz anderer. Denn was ist dieser Baum schon anderes als ein tagsüber eher unansehnliches Metallgerippe, das nachts mit Unmengen – neuerdings immerhin ökologischem – Strom versorgt werden muss? Wie Alexandermanns Blog bereits vor zwei Jahren herausfand, wurde das Prunkstück sogar aus zweiter Hand in Brasilien erworben, wo man mit seinen künstlichen Weihnachtsbäumen längst neue Höhen erreichen wollte.
Doch der Weihnachtsbaum ist eben auch ein wunderbarer Werbeträger – für die portugiesische Großbank Millennium BCP. Die bezahlt die gesamten Kosten für dieses Monstrum – und darf ihn deshalb auch ganz offiziell “Árvore Millennium BCP” nennen – Baum Millennium BCP. Nur folgerichtig, dass diese 76 Meter hohe Litfaßsäule am besten Standort auch perfekt fürs hauseigene Marketing eingespannt wird: Mit einer eigenen Website zum Baum, großem Fotowettbewerb und, ach ja, natürlich auch einer karitativen Sammelaktion. Das Ganze funktionierte in Portugal wohl so gut, dass Millennium BCP nun noch eine Kopie des “größten Weihnachtsbaums Europas” bei seinen osteuropäischen Tochtergesellschaften auf Reisen schickt: Letztes Jahr wurde Warschau mit dem Millennium-Baum beglückt, dieses Jahr darf sich Bukarest über diese Attraktion freuen.
Dadurch wird der Titel des “größten Weihnachtsbaums Europas” längst nicht mehr so exklusiv, wie er zunächst erscheint. Denn wenn nun schon zwei Städte über so ein Ungetüm verfügen, ist die Konkurrenz nicht weit. So reklamiert auch Dortmund, den größten Weihnachtsbaum Europas zu besitzen: Der ist zwar nur 45 Meter hoch, dafür aber vollständig aus echten Fichten zusammengesetzt.
Bei aller Kritik: Wie auch schon zuvor in Lissabon scheint der Millennium BCP-Baum auch in Porto gut anzukommen. Und das konnte wiederum die Konkurrenten von Millennium nicht kalt lassen. So holte letztes Jahr die Banco Espirito Santo zu einem Gegenschlag aus: Sie machte eine ganze Stadt zum größten Weihnachts-Themenpark Europas – nämlich Óbidos nahe Lissabon.
Die wunderhübsche Altstadt von Óbidos wird bei diesem Spektakel, das auch in diesem Jahr wieder stattfinden wird, in ein Weihnachts-Disneyland umgewandelt: Mit künstlichem Eis, Rentieren und vielen “Überraschungen”, wie die Werbung verspricht. Schon die Vorstellung dieser zuckerwattensüßen Belagerung von Óbidos ist schauderhaft – und man findet den riesigen Weihnachtsbaum von Porto fast schon wieder niedlich dagegen.
Dezember 4th, 2007 um 12:01 am
[...] für einen Lichterglanz der etwas anderen Art. Und obwohl der künstliche “Baum” nun nach Porto verzogen ist, gibt es für Lichterfans in der Hauptstadt einen Trost: Die Nachbargemeinde Almada auf der [...]
Dezember 4th, 2007 um 9:56 pm
Und noch ein Nachtrag zum größten Weihnachtsbaum Europas – das Thema scheint schier unerschöpflich zu sein!
Mit Viana do Castelo beansprucht nun ebenfalls ein portugiesischer Ort, auch den größten natürlichen Weihnachtsbaum Europas zu beherbergen: 49 Meter lautet hier die Bilanz. Infos (auf Portugiesisch) unter: http://www.cm-viana-castelo.pt/index.php?option=com_content&task=view&id=504
Oktober 30th, 2009 um 12:22 pm
[...] [...]