Portugals Idee zum Umweltschutz: Macht die Erde zum Mehrfamilienhaus!
Der Zustand unseres Planeten verlangt mehr denn je entschlossenes Handeln in Sachen Umweltschutz. Doch noch immer „lohnt” sich Ökologie häufig nicht – denn die Natur schreibt keine Rechnungen. Aus Portugal kommt nun eine Idee, wie dieses Dilemma zu überwinden ist: Macht es wie im Mehrfamilienhaus, wo sich die Eigentümer um ihre Wohnung, aber auch den Wert des gesamten Anwesens kümmern.
Eigentlich ist es zum Verzweifeln: Mittlerweile müsste es sich selbst in den letzten Winkel dieser Erde herumgesprochen haben, dass es mit dem Raubbau an der Natur so nicht weitergehen kann. Klimawandel, Biodiversität, Schutz von Ressourcen wie Wasser oder Boden: Überall ist entschlossenes Handeln zum Umweltschutz dringender denn je.
So klar die Botschaft auch ist, so unentschlossen sind häufig die Konsequenzen: Noch immer steigt weltweit der Ausstoß des Klimakillers CO2, noch immer gehen Tag für Tag immense Flächen unberührter Natur verloren. Ein Hauptgrund für dieses Problem ist: Dieser Planet gehört uns allen. Die Natur war mit ihren Gesetzen schon da, bevor wir Menschen überhaupt anfingen, Grenzen zu ziehen und Besitztümer anzulegen.
Deshalb passt die Natur auch nicht in das Raster der vom Menschen künstlich gezogenen Grenzen – und das macht die Umwelt so verletzlich. Denn wenn etwa ein Farmer in Brasilien die Wahl zwischen der aufwändigen Landpflege oder dem Abholzen hat, um die Fläche als Weideland zu nutzen, wählt er meist die zweite Option – denn die bringt sofort Geld.
Wie also lässt sich dieses Dilemma überbrücken – zwischen dem Wissen um die Gefährdung der Erde und der Macht des Faktischen? Aus Portugal kommt hierzu eine originelle Idee, die einigen Reiz hat – und zumindest im Kleinen bereits praktiziert wird. Sie lautet ganz simpel: Macht es wie im Mehrfamilienhaus! Denn der Eigentümergemeinschaft eines Apartmenthauses geht es ähnlich wie der gesamten Menschheit. Jeder verfügt über sein eigenes kleines Territorium, die Wohnungen. Hier kann der Eigentümer tun und lassen, was er will. Das gilt auch für die Nationen und Wirtschaftsbetriebe dieser Welt: Ohne den Willen dieser Institutionen wird auch zukünftig nur wenig auszurichten sein in Sachen Umweltschutz – denn seine Souveränität gibt keiner gerne ohne größere Not auf.
Doch die Apartmenthaus-Idee geht weiter. Denn der Wohnungseigentümer ist nicht nur an der Entwicklung seiner eigenen Wohnung interessiert – sondern auch an der Pflege und Wertsteigerung des ganzen Hauses. Und wenn dort ein Dach zu flicken ist, investiert auch der egoistischste Eigentümer in die Gemeinschaftsaufgabe.
Übertragen auf die Erde hieße das: Die “Lithosphäre”, die Erdkruste, wird weiterhin den einzelnen Nationalstaaten gehören. Die “Atmosphäre” hingegen wird zum Allgemeingut, über dessen Schutz und Pflege in verbindlichen Verträgen verhandelt wird – zum Wohle aller. Die Länder dieser Welt würden so ihre Souveränität behalten – und dennoch an der großen Gemeinschaftsaufgabe etwa des Klimaschutzes verbindlich mitarbeiten. Zum Wohle aller.
Earth Condominium (Wohnanlage Erde) heißt dieses Projekt (hier die offizielle Website), das nun schon seit einigen Jahren von der größten portugiesischen Umweltschutzorganisation Quercus propagiert wird. Treibende Kraft hinter der Idee ist der Jurist Paulo Magalhães, der auch schon ein umfassendes Buch zum Thema geschrieben hat.

Obwohl das Konzept des “Earth Condominium” zunächst utopisch klingen mag, erntete Magalhães gerade in den letzten Wochen wachsende Aufmerksamkeit und Zustimmung. Nicht nur, dass er seine Ideen auf dem demnächst in Lissabon stattfindenden weltweiten Juristenkongress präsentieren wird (sowie 2008 zur Biodiversitäts-Konferenz in Bonn); mittlerweile gibt es ganz reale Umsetzungen des Konzepts.
Zwanzig Naturschutzgebiete in Portugal werden bereits nach dem Condominium-Prinzip bewirtschaftet. Und nun erwärmt sich auch Brasilien für das Konzept. Dort kündigte der Rektor der Universidade do Estado da Bahia vor wenigen Tagen an, ein eigenes Forschungszentrum zum Thema “Earth Condominium” einzurichten. Zudem ist geplant, 15 Gebiete in Brasilien nach diesem Prinzip zu bewirtschaften. Mit im Boot sind auch große Organisationen wie zum Beispiel das Worldwatch Institute. Beste Voraussetzungen also, dass die Idee weitergeht: Aus unserem Planeten ein großes, gut gepflegtes Mehrfamilienhaus zu machen.
Dieser Artikel ist der Beitrag dieses Weblogs zum Blog Action Day. Heute, am 15. Oktober 2007, berichten Hunderttausende Blogger aus der ganzen Welt nur über ein Thema: Die Bewahrung der Erde – “One issue. One day. Thousands of voices.”
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