Fado auf Schwedisch: Das Stockholm Lisboa Project baut eine musikalische Brücke zwischen Nord- und Südeuropa
Gut 3.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Stockholm und Lissabon. Und auch kulturell scheint die beiden Metropolen Einiges zu trennen: Hier die kühle nordische Schönheit, dort die südländisch-vibrierende Stadt am Tejo. Vier Musiker aus Schweden und Portugal wagen nun einen ungewöhnlichen Brückenschlag zwischen Süd- und Nordeuropa – und finden ihre gemeinsame Sprache in einem ganz besonderen Gefühl.
Wer bisher dachte, die einzige Verbindung von Fado und Schweden sei die gleichnamige Lampe bei IKEA, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Denn vier Musiker – drei Portugiesen, ein Schwede – haben sich im “Stockholm Lisboa Project” zusammengeschlossen, um portugiesische Lieder zu singen – kombiniert und untermalt von schwedischer Polska-Musik.
Was vielleicht wie eine verrückte Idee unter Freunden klingt, ist ein ernst zu nehmendes musikalisches Projekt, das einigen Tiefgang aufzuweisen hat. Denn das erste Resultat des Stockholm Lisboa Projekts, die CD “Sol”, kann sich hören lassen.

Weder in ihrer Entwicklung noch im Stil weisen Fado und Polska größere Berührungspunkte auf. Während der Fado vom puristischen Gesang – nur begleitet von minimalistischer Gitarrenmusik – lebt, zieht der Polska seine Kraft aus Rhythmus und Melodizität. Polska ist vor allem eine instrumentelle Tanzmusik.
Hier Gesang, dort Melodie: So ist auch die Rollenverteilung der verschiedenen Lieder und Stücke auf der CD des Stockholm Lisboa Projekts. Die Gesangtexte, wunderschön und klar interpretiert von Sängerin Liana, basieren meist auf portugiesischen Fados oder traditionellen Volksliedern. Musik und Rhythmus sind jedoch “made in Sweden”, und ergänzen die oft nachdenklichen, sehnsuchtsvollen Lieder um einen weiteren Grundton.
Dass sich Fado und Polska so wunderbar ergänzen ist das wirklich Erstaunliche an diesem portugiesischen-schwedischen Brückenschlag des Stockholm Lisboa Projekts. Polska und Fado stehen sich nicht im Weg, sondern harmonieren auf fast natürliche Art und Weise. Je länger man sich auf die verschiedenen Musikstücke einlässt, desto stärker strahlt aus der Kombination eine gemeinsame Ton- und Gefühlslage heraus.

Die Sonne des Nordens und des Südens fest im Blick: Die vier Musiker des Stockholm Lisboa Projekts. Quelle: stockholmlisboa.com
Ja, es zeigt sich sogar deutlich, dass beide Musikstile auf unterschiedliche Weise gleiche Empfindungen in sich tragen: Sehnsucht, der Blick in die Weite, die Hoffnung auf Liebe, sanfte Melancholie. “Im Gefühl, in der Saudade, treffen sich die Musiken und die Musiker,” schreibt denn auch der schwedische Musikwissenschaftler Dan Lundberg in einem kleinen Vorwort zum CD-Booklet. Besonders gut kommt dies im Fado “Naufrágio” (Schiffbruch) zum Ausdruck.
Mit seiner neuen nordischen Spielart beweist der Fado wieder einmal, dass er weit mehr ist als ein reiner Musikstil: Fado ist Gefühl und Lebenseinstellung. Der heute als so “typisch portugiesisch” angesehene Fado ist ein Produkt vieler Kulturen: Die vielen afrikanischen, brasilianischen, europäischen und arabischen Spuren im Fado lassen sich heute kaum noch alle entschlüsseln, so tief sind sie in die Musik eingewoben. Auf diese Wurzeln macht übrigens auch das Lied Hortelã Mourisca auf der CD “Sol” aufmerksam.
Das Stockholm Lisboa Project hat den Fado nun auf eine neue Reise geschickt – dieses Mal in die nordischen Meere. In Stockholm hat der Fado nun einen guten Ankerplatz gefunden.
Die CD “Sol” kann für 15 Euro direkt beim Stockholm Lisboa Project bestellt werden: http://www.stockholmlisboa.com/