Taxi, bitte! Ein Festival feiert Lissabons Taxifahrer – und kämpft gegen deren schlechtes Image an
Wie kommt man in Lissabon am schnellsten von einem Hügel auf den anderen? Mit dem Taxi. Denn Lissabons Taxifahrer kennen zwar wenig Respekt für Tempolimits und Verkehrsregeln, dafür jede noch so versteckte Abkürzung. Diese Woche prägen die Taxis noch mehr als sonst das Stadtbild: Das Internationale Taxifestival macht in der portugiesischen Hauptstadt Station.
Rund 3.500 Taxis flitzen Tag für Tag durch Lissabon – und halten so das Leben der Stadt am Laufen. Die Lissabonner schätzen diesen Service, schimpfen aber doch gerne und ausgiebig über das Verhalten der Taxifahrer: Ungebildet, rücksichtslos, aggressiv, so lautet das häufige Urteil. Der Eindruck stimmt jedoch nicht immer. Vor allem in den bejahrten, immer seltener werdenden schwarz-grünen Mercedes-Taxis erwartet den Fahrgast häufig noch Service der alten Schule.
Es war auch ein wirklich alter Taxifahrer aus Lissabon, der seine Zunft in der ganzen Welt bekannt gemacht hat: Augusto Macedo, der im Mittelpunkt des Films “Taxi Lisboa” steht. In dem 1996 gedrehten Dokumentarfilm fuhr der damals fast 100-jährige, mittlerweile verstorbene Macedo das Filmteam in seinem Taxi durch die Stadt – und ließ seine Erinnerungen an die Bilder und Menschen eines ganzen Jahrhunderts Revue passieren.

Will Lust aufs Taxifahren machen: Das internationale Festival TAXI in Lissabon. Quelle: Festival TAXI
Diese Woche versucht nun auch das vom französischen Institut pour la ville en mouvement organisierte “Festival TAXI” das Image – nicht nur – der Lissaboner Taxifahrer aufzupolieren. Und was gibt es nicht alles zum Taxifahren zu sagen und zu erzählen: Ein internationaler Fachkongress, allerlei Studien für die Zukunft des Taxifahrens – und viel Kultur, denn Taxis sind immer auch Orte der (flüchtigen) Begegnung.
Den sicherlich interessantesten Beitrag zum Kulturprogramm liefert das Stadtarchiv von Lissabon, das gleich mit einer Dreifach-Ausstellung das Taxi würdigt. Zur Schau gehören Taxibilder aus dem eigenen Archiv sowie Porträtaufnahmen von Fahrern des Fotografen Luís Pavão. Und nicht zuletzt kommen auch die Taxifahrer selbst zum Zuge: Das Stadtarchiv zeigt die Bilder, die für den Wettbewerb “Lissabon, gesehen von den Taxifahrern” eingereicht wurden. Diese Fotos zeigen den Rhythmus der Stadt durch die Augen eines ihrer Taktgeber – ein interessantes Projekt, das noch durch einen Kurzgeschichten-Wettbewerb für Taxifahrer ergänzt wird.

Als dem Taxi fast noch allein die Straße gehörte: Die Ausstellung im Stadtarchiv zeigt Aufnahmen, wie das Taxi gestern und heute Lissabons Stadtbild prägte. Quelle: Arquivo Municipal de Lisboa
Dass die Taxifahrer viel zu erzählen haben, ist naheliegend – und lässt sich auch im Internet ablesen: Denn hier berichtet der Lissaboner Taxista “MS” in einem eigenen Blog über seine Erlebnisse, Gedanken, Beobachtungen. Womöglich wird er ja bald auch über die Veränderungen in seinem Geschäft schreiben: Denn das Festival will auch so manch eine Idee zum Taxi der Zukunft befördern. Neben eher hypothetischen Entwürfen für futuristische Taxistände kursieren in Lissabon schon zwei Vorschläge: Die Einführung von Sammeltaxis und reduzierte Tarife für Senioren. Ginge es hingegen nach den Taxifahrern selbst, so gäbe es im Moment wahrscheinlich vor allem einen Wunsch an die Zukunft: Die Abschaffung der heftig umstrittenen Lissabonner Radarfallen.