Rückkehr der Veteranen: Porto holt seine alten Straßenbahnen wieder aus dem Depot
Die alten, rumpelnden Straßenbahnen machten Portugals Hauptstadt Lissabon weltberühmt. Nun will der ewige Rivale Porto ebenfalls vom Charme der alten Trams profitieren: Ab dem 21. September werden auch hier wieder die alten Straßenbahnen durch die Innenstadt fahren – und das auf nagelneuen Gleisen.
Lissabon ist weltberühmt für seine kleinen, gelben Straßenbahnen, die auch heute noch in Wagen aus den 30er Jahren durch die engen Gassen der Altstadt rumpeln. Was aber kaum jemand weiß: Auch in Porto gehörten diese Bahnen lange zum typischen Stadtbild – und das sogar früher als in der Hauptstadt. Konnte Porto bereits 1895 die Jungfernfahrt seiner ersten elektrischen Straßenbahn feiern, dauerte es beim ewigen Erzrivalen Lissabon noch sechs Jahre bis zur Eröffnung der ersten Linie vom Cais do Sodré nach Algés (die heutige Linie 15, die auch nach Belém führt).
Mit einer Streckenlänge von 82 Kilometern erlebte das Straßenbahnnetz von Porto im Jahr 1950 seinen Höhepunkt. Ein Jahrzehnt später, in den 60er Jahren, setzte dann aber der Niedergang ein: Das stets fortschrittsverliebte Porto setzte ganz auf Busse statt Bahnen – während das wie so oft trägere Lissabon seine alten Electricos weiterfahren ließ. Zuletzt verkehrten in Porto nur noch zwei unbedeutende, schwach frequentierte Straßenbahnlinien auf kurzen Strecken.
Doch immerhin: Im Straßenbahn-Museum von Porto hob man viele der alten Wagen auf – was sich nun als Vorteil erweist. Denn nach langer Vorarbeit holt Porto seine alte Straßenbahn wieder zurück in die Stadt. Voraussichtlich am 21. September wird Bürgermeister Rui Rio die neue Linie eröffnen, die von der Unterstadt Baixa direkt ins quirlige Geschäftszentrum Santa Catarina führen wird.

Startklar für die neue Tram: Die Straßenbahngleise in Portos Innenstadt sind gelegt. Foto: Câmara Municipal Porto
Die neuen Gleise für die Straßenbahn wurden im Rahmen der umfassenden Altstadtsanierung von Porto gelegt. Und obwohl auf der neuen Strecke auch moderne Straßenbahnen fahren könnten, entschied sich die Stadt für eine andere Variante: Die Reaktivierung von sechs alten Wagen aus den Jahren 1920, 1930 und 1940, die bislang im Museum auf bessere Zeiten warteten. Die alten Bahnen, optisch vergleichbar mit denen in Lissabon, seien allesamt rundum erneuert und technisch auf neuerem Stand gebracht worden; so versichert es zumindest Portos Bus- und Tramgesellschaft STCP.
So charmant die alten Wagen sein mögen – ihr Einsatz ist wohl kalkuliert, denn die neue Linie richtet sich vor allem an Touristen. Bei den kleinen Wagen und einem dünnen Takt von nur 30 Minuten dürfte kaum ein Portuenser die alte neue Tram als Alltags-Verkehrsmittel nutzen wollen. Doch auch hier ist eine Verbesserung in Sicht: Eine Verlängerung der neuen Tramstrecke ist schon geplant – und dann könnte auch der Einsatz moderner und schneller Straßenbahnen kommen.
Jetzt freut sich Porto aber erst einmal über die Rückkehr einer alten Bekannten in seiner Innenstadt.