Mit Qualität und Schick gegen die chinesische Konkurrenz: Schuhe “made in Portugal” wollen weltweit für Bewegung sorgen
Das kleine Portugal gehört in der Schuhindustrie zu den ganz Großen dieser Welt. Trotz harter Konkurrenz aus China behauptet sich das Land wacker in den weltweiten Top Ten der Schuhhersteller. Damit dies auch so bleibt, entwickelt die Schuhbranche ungeahnte Kreativität: Neue Marken, Luxusschuhe, urbane Treter – der Sektor erlebt gerade eine wahre Revolution. Und selbst der offizielle Antikapitalismus-Schuh kommt aus Portugal.
Schuhe produzieren im alten Europa – geht das noch? Ließe man die reinen Zahlen sprechen, so wäre die Rechnung klar: Ein Paar Schuhe aus chinesischer Fabrikation kostet im Schnitt 2,22 Euro – europäische Hersteller produzieren im Normalfall zum achtfachen Preis. Angesichts dieses Konkurrenzdrucks aus Fernost ist Europas Schuhindustrie zu einem Schatten ihrer selbst geworden.
Portugal bildet hier – trotz Verlusten – eine Ausnahme. Es ist mittlerweile das einzige Land Westeuropas, das mit einer positiven Handelsbilanz bei Schuhen aufwarten kann. Das bedeutet: Portugal führt mehr Schuhe in andere Länder aus, als es selbst importiert. Die 1150 portugiesischen Hersteller exportieren jedes Jahr rund 64 Millionen Paar Schuhe ins Ausland. Deutschland ist mit rund 12,3 Millionen Paaren nach Frankreich zweitgrößter Absatzmarkt.
Waren Schuhe “made in Portugal” über die letzten Jahrzehnte hinweg meist reine Auftragsarbeiten internationaler Hersteller, so ändert sich nun das Bild. Die großen Marken verlagern ihre Produktion immer stärker nach Osteuropa und Asien – Portugal mit seinen vergleichsweise hohen Löhnen hat das Nachsehen.
Viele portugiesischen Hersteller versuchen deshalb erstmals, unabhängig von ihren internationalen Auftraggebern zu werden – und eigene Marken zu etablieren. Der Wandel ist gewaltig: Der Diário de Notícias spricht bereits von einer neuen Generation an Schuhherstellern, der Público gar von einer “Revolution” auf dem Markt. In der Tat beeindruckt die Kreativität und Professionalität, mit der vor allem junge Unternehmer den portugiesischen Schuhen zu weltweiter Beliebtheit verhelfen wollen.

Cool, urban, portugiesisch: Eject Shoes
Einige Firmen haben ihre Nische bereits gefunden – zum Beispiel in “coolen”, urbanen Schuhen, die in den Großstädten der Welt ihre Freunde gefunden haben: Angesagte Marken wie Fly London oder Eject stammen aus Portugal. Auch die Grupo Investar hat mit den luftgepolsterten Spezialschuhen Aerosoles ihre Marktlücke gefunden.
Und nun, während der internationalen Schuhmesse MICAM in Mailand, kündigten noch mehr Hersteller neue Marken made in Portugal an. Gemeinsam ist den Newcomern der selbstbewusste Auftritt – aber auch die Suche nach einer auskömmlichen Nische im oberen Segment. So will die Firma Zarco mit der neuen Marke “Carlos Santos” bestens verarbeitete Herrenschuhe für 500 bis 600 Euro das Paar anbieten.
Der junge Unternehmer Miguel Abreu möchte seine Schuhe der Marke Golmud sogar zu einer internationalen Stilikone aufbauen. Abreu möchte sich dabei den Glamour des weltweiten Sports zunutze machen: “Stellen Sie sich nur einen japanischen Fußballspieler vor, der in Italien spielt, und in Japan und im Land der Mode gleichermaßen bekannt ist…”, so Abreu im Público. Klar, dass der Spieler Golmud tragen soll.
Alles eine Frage des Marketings? Nicht nur. Denn auch der Schuh des Anti-Marketings, der Blackspot, wird in Portugal produziert. Die Blackspots werden von der kapitalismuskritischen Adbusters-Bewegung aus den USA vertrieben. Die derzeit angebotenen zwei Modelle bestehen aus biologisch angebautem Hanf, Schuhsohlen aus recycelten Reifen – und einem handgemalten roten Punkt an der Spitze, dem Sweet Spot. Mit diesem Punkt, so verspricht Adbusters, könne man den internationalen Konzernen bestens in den Hintern treten.

Viele Argumente, ein Schuh: Der Blackspot aus biologisch angebautem Hanf. Quelle: Adbusters.org
Hergestellt werden die Blackspots in einer vorbildlichen Schuhfabrik im nordportugiesischen Felgueiras, wie die Adbusters-Website schwärmt: Mit geregelten Arbeitszeiten, anständigen Löhnen und einem hohen Anteil an Gewerkschaften. So vorbildlich mag nicht jeder portugiesische Schuhhersteller sein. Immer wieder sorgt die Branche mit Schließungen und schlechten Arbeitsbedingungen für Schlagzeilen. Und doch haben die Schuhhersteller angesetzt, aus eigener Kraft die Welt in Bewegung zu halten – mit Schuhen made in Portugal.
Juni 16th, 2010 um 2:22 pm
[...] so langsam etablieren sich wieder viele kleine Labels mit made in Europa. Vorreiter sind Portugal und Spanien die den Giganten aus Asien so langsam den Rank ablaufen. Mit rund 23 Millionen Paar [...]