Eine Portugiesin auf den Spuren von Goya und Picasso: Eine Ausstellung in Madrid zeigt erstmals die Werke von Paula Rego in Spanien
Magisch, düster, verstörend: Die Bilder der in London lebenden portugiesischen Künstlerin Paula Rego lassen sich kaum in gängige Kategorien fassen. Vielleicht macht gerade dieses Unheimliche und Unbestimmte den Reiz an den Bildern von Paula Rego aus. Erstmals sind die Bilder Regos nun auch in Spanien zu sehen – dem Land ihrer großen Vorbilder Picasso und Goya.
Paula Regos Bilder berühren. Sie erscheinen wie ungeliebte Träume, die früh am Morgen kommen und nicht verschwinden wollen. In magisch-realistischer Art und Weise, sorgfältig gezeichnet wie in einem Bilderbuch, schafft Paula Rego Menschenwesen, deren stiller Schmerz verstört.
Personen spielen eine zentrale Rolle im Werk von Paula Rego. Die Künstlerin nennt sie selbst Bonecos (Puppen), an denen sie ihre zentralen Themen darstellt: Leid, Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Opfertum. Der ständige Versuch, dem Dunklen und Obskuren Ausdruck zu verleihen, zieht sich durch das ganze Werk von Paula Rego – von den Anfängen in den 50er Jahren bis heute. Und so bizarr die Menschen (fast immer sind es Frauen) auch dargestellt werden – sehr oft findet sich in ihnen die duende, die iberische Mischung aus Gefühl und Fatalismus, wie Regos Biograph John McEwan feststellte.
Geboren 1935 in Portugal, wuchs Paula Rego in den behüteten Verhältnissen einer wohlhabenden Familie auf. Nach dem Besuch der englischen Schule von Lissabon wechselte Rego später nach England, wo sie dann auch ein Kunststudium an der Slade School of Fine Art aufnahm. Obwohl Paula Rego bis heute in London lebt, wo sie bereits zu den großen Malerinnen der Gegenwart gezählt wird, ist ihre Popularität auch in Portugal sehr hoch.

Und nun entdeckt auch Spanien das Werk von Paula Rego. Nach fast zweijähriger Vorbereitungszeit eröffnete das Museo Nacional Reino Sofia in Madrid eine große Paula Rego-Ausstellung mit mehr als 200 Werken. Paula Rego freut es – denn mit Spanien verbindet sie zwei große Vorbilder: Pablo Picasso und Francisco de Goya, dessen Werke eine ähnlich intensive und zerstörerische Strahlkraft besitzen. Die Bilder Picassos hängen im Nationalmuseum genau einen Stockwerk über den Räumen der Paula Rego-Ausstellung – was die Künstlerin bei der Vernissage zur Bemerkung hinriss, dass sie nun “unter Picasso” stehe.
Die Rego-Ausstellung in Madrid umfasst Beispiele aus allen Schaffensperioden der Künstlerin: Frühe Werke aus den 50er Jahren, die sich noch vor allem mit den Erinnerungen an die Kindheit, aber auch mit dem repressiven Salazar-System in Portugal auseinander setzen. Es folgen Arbeiten aus Zeiten, in denen Paula Rego versuchte, persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten: Der Tod des Vaters, die einsetzende Multiple Sklerose ihres Ehemannes Victor Willing.
Die neueren Bilder von Paula Rego, die seit den 80er Jahren fast ausschließlich mit Pastellkreide arbeitet, befassen sich mit allgemeineren Themen: Der Unterdrückung und der Rolle von Frauen, Krieg, Ungerechtigkeiten und Ausbeutung.
Paula Rego versteht es, diese Botschaften sehr konkret in Einzel-Geschichten auszudrücken: Berühmt ist zum Beispiel ihr Bild der Hundefrau, das einerseits Erniedrigung auszudrücken vermag, andererseits aber auch Stärke, Kraft und Aggression ausstrahlt. So ist es vielleicht auch nicht falsch, Rego als “literarische Künstlerin” zu bezeichnen, die ihre Inspiration häufig aus Erzählungen und Geschichten bezieht. Franz Kafka zählt unbestritten zu ihren großen Inspirationsquellen – ihre Bilder sind das in der bildenden Kunst, was seine düster-fantastischen Geschichten für die Literatur bedeuten.
Doch mit Kafka hört es nicht auf: Paula Rego hat auch schon Anregungen aus der Welt von Walt Disney verarbeitet. Man kann der Künstlerin wirklich nicht vorwerfen, sich in Schubladen stecken zu lassen.
Die Ausstellung über Paula Rego im Museo Nacional Reina Sofia, Madrid, läuft noch bis zum 30. Dezember 2007. Öffnungszeiten: Montags bis Samstags 10 bis 21 Uhr, Sonntags 10 bis 14:30 Uhr. Geschlossen am Mittwoch.
Nachtrag, 13. Januar 2008: Laut einem Bericht der Zeitung “Metro” hat die Paula Rego-Ausstellung in Madrid rund 55.000 Besucher angezogen. Die Ausstellung wird als nächstes vom 1. Februar bis 25. Mai 2008 in Washington zu sehen sein (http://www.nmwa.org/exhibition/detail.asp?exhibitid=169).
Werke von Paula Rego sind dauerhaft auch zum Beispiel in London (Saatchi Gallery) und in Lissabon (Museu Berardo) zu sehen. Die entsprechenden Galerien bieten auf ihren Homepages auch umfassende Informationen zu Leben und Werk von Paula Rego an.