Die portugiesische Solarbranche wartet immer noch auf sonnige Zeiten
In ganz Europa boomt die Solarenergie – doch in Portugal, einem der sonnenreichsten Länder des Kontinents, harrt sie noch auf ihren Durchbruch. Portugal setzte in den 80er Jahren schon einmal auf die Sonnenenergie, erlitt aber wegen der damals noch nicht ausgereiften Technik eine Bruchlandung. Kleine, innovative Solar-Hersteller versuchen nun einen neuen Anlauf – und haben auch den deutschen Markt im Visier.
Eigentlich ist es paradox: Mit rund 3000 Sonnenstunden pro Jahr gehört Portugal zu den sonnenreichsten Ländern Europas. Und dennoch hinkt das Land dem Rest Europas in Sachen Solarenergie weit hinterher. Schon seit Jahren wird Portugal immer wieder ein riesiges Wachstumspotenzial auf dem Gebiet der Photovoltaik (der Stromgewinnung aus Sonnenlicht) und der Solarthermie (der Wärmegewinnung aus Sonnenenergie) prophezeit. Doch so richtig durchstarten konnte das Land nie.
Nach der neuesten Marktstudie der European Solar Thermal Industry Foundation verfügte Portugal im Jahr 2006 über eine Fläche von 180.950 Quadratmetern installierter Solarthermie-Kollektoren. Zum Vergleich: Das wesentlich kühlere und sonnenärmere Deutschland beherbergte mit über acht Millionen Quadratmetern eine 44 Mal größere Kollektorfläche als Portugal. Und auch die Wachstumsraten waren eher unterdurchschnittlich: Zwar konnte Portugal 2006 im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs der Kollektorfläche um 25 Prozent verbuchen – doch verglichen mit den rekordverdächtigen 61 Prozent des Nachbarlandes Spanien ist auch das eher wenig; der europäische Durchschnitt lag bei 40 Prozent.

Solarthermie – riesige Wachstumspotenziale in Portugal. Foto: European Solar Thermal Industry Foundation
Zwei Gründe bremsen die Ausbreitung der Solarenergie in Portugal. Zum einen hat die Regierung bislang kein größeres Förderprogramm aufgelegt, das den Einstieg in alternative Energien auch für Privatleute attraktiv machen würde. Doch ein zweiter Grund wirkt noch deutlich stärker und behindert vor allem das Wachstum der Solarthermie: Sie genießt bei vielen Portugiesen ein schlechtes Image.
Schon einmal wollte Portugal die Solarthermie verstärkt nutzen. In Folge der Ölkrise, Anfang der 80er Jahre, erlebte die Wärmegewinnung aus Sonnenenergie ihren ersten kleinen Boom. Viele Haushalte, vor allem in den ländlichen Gebieten, kauften sich thermische Solarmodule, um ihr Wasser in Küche und Bad aufzuheizen. Die Technik war damals jedoch noch nicht ausgereift und auch die Qualität der Geräte ließ zu wünschen übrig. Wer einmal in einem Ferienhaus an der Algarve trotz sonnigen Wetters minutenlang unter der Dusche bis zum ersten Tropfen warmen Wassers ausharren musste, kann ein Lied davon singen.
Und doch: Vieles spricht dafür, dass die Solar-Ära auch in Portugal anbrechen wird. Die Initiative geht dabei weniger vom Staat – der eher auf Wind- und Wasserenergie setzt (siehe dazu den Artikel über den geplanten Staudamm am Rio Sabor) – aus. Es sind vor allem kleinere, rührige Unternehmen, die vom weltweiten Solarboom profitieren wollen.
So sorgte jüngst die nord-portugiesische Firma Energie für positive Schlagzeilen. Der mit momentan 30 Angestellten noch recht überschaubare Hersteller von Solarthermie-Anlagen der dritten Generation will in den kommenden Jahren zur Weltspitze aufsteigen. Dafür will Energie bis zum Jahr 2010 rund zehn Millionen Euro in neue Produktionsanlagen am Stammsitz in Póvoa de Varzim investieren. Derzeit liefert das Unternehmen laut Público noch 60 Prozent seiner Produktion auf den Heimatmarkt, Exporte gehen unter anderem nach Spanien, Frankreich und die USA.

“Energie” hat ehrgeizige Wachstumsziele. Foto: Website Energie.pt
Mit den erweiterten Kapazitäten rückt auch Europas größter Markt für Solarthermie ins Visier der Portugiesen: Im Público kündigte Energie-Chef Luís Rocha bereits die Expansion nach Deutschland an – die Aufholjagd Portugals in der Solar-Rallye hat begonnen.