Das (Fußball-)Wunder von Fátima: Ein kleiner Aufsteiger verzaubert Portugals Profiliga
Der jahrzehntelang vollkommen unbedeutende Fußballverein des Wallfahrtsortes Fátima legt derzeit einen nahezu himmlischen Erfolgskurs hin: Erst der Aufstieg in die Welt des Profifußballs, und gestern noch ein sensationeller Sieg über Meister FC Porto im Ligapokal. Nicht nur in sportlicher Hinsicht ist der CD Fátima ungewöhnlich: Amtierender Vereinspräsident ist ein fußballbegeisterter Pfarrer.
Schlendert man an den Devotionalienständen des Wallfahrtsortes Fátima entlang, so lässt sich Erstaunliches entdecken: Zwischen Rosenkränzen, Kruzifixen und Madonnenfiguren finden sich immer häufiger auch sehr weltliche Fanwimpel des Fußballclubs Centro Desportivo (CD) Fátima. Glaube und Sport gehen in Fátima anscheinend gut zusammen – und seitdem der lokale Fußballclub seit diesem Jahr in die zweite Liga aufgestiegen ist, kennt die Sportbegeisterung keine Grenzen mehr im Ort.
Einen solchen Höhenflug wie heute hat der CD Fátima in seiner fast fünfzigjährigen Geschichte auch noch nicht erlebt. Gegründet Ende der fünfziger Jahre vom Pfarrer Manuel Henriques dümpelte der Verein meist in den Niederungen der Regionalmeisterschaften des Distrikts Santarém herum. Anfang dieses Jahrzehnts geriet der CD Fátima sogar in finanzielle Nöte – bis im Jahr 2002 der heutige Präsident António Martins Pereira das Ruder übernahm. Pereira, wie der Gründer des Vereins ebenfalls ein Pfarrer, brachte die Finanzen in Ordnung und baute zusammen mit Trainer Rui Vitória eine leistungsstarke Mannschaft auf.
Fünf Jahre später kam dann der verdiente Lohn: Der Aufstieg in die zweite Fußballliga “Liga Vitalis”. Hier, in der ungewohnten Welt des Profifußballs schlägt sich der CD Fátima recht wacker: Momentan hat sich der Verein im stabilen Mittelfeld der Tabelle etabliert, obwohl er über das niedrigste Budget der Liga verfügt.
Doch vor allem im Ligapokal “Carlsberg Cup“ (vergleichbar mit dem deutschen DFB-Pokal) könnte der Aufsteiger sogar zur Überraschungs-Mannschaft schlechthin werden: Nachdem Fátima bereits den Erstligisten Acádemica Coimbra aus dem Turnier warf, gewann es gestern noch den Nervenkrieg des Elfmeterschießens mit 4:2 gegen den scheinbar übermächtigen Fußballmeister FC Porto.

Fátima – A força da fé (Fátima: Die Kraft des Glaubens): Das Titelbild von A Bola am 27. September 2007, nach dem Sieg Fátimas über den FC Porto. Quelle: A Bola
Die Sensation war perfekt – und Portugals Fußballwelt aus dem Häuschen: “David gegen Goliath“, “Das Wunder von Fátima”, und “Die Kraft des Glaubens” titelten die Sportzeitungen heute nach dem Sieg des Außenseiters.
Hat der CD Fátima tatsächlich einen guten Draht nach oben? Eins lässt sich immerhin sagen: Glaube und Fußball gehen in diesem Verein eine enge Verbindung ein. Der Präsident des Vereins ist ein Pfarrer. Und auch der Spielort ist mehr als ein normales Stadion: Auf dem Rasen des Centro Desportivo landete 1982 kein Geringerer als Papst Johannes Paul II., der damals Fátima besuchte. Und ob es wirklich Zufall ist, dass einer der Spieler vom CD Fátima tatsächlich Bispo (Bischof) mit Nachnamen heißt? Oder dass auf der Website des Vereins der Spieler Cícero José versehentlich Cícero Jesus genannt wurde?
Für den Präsidenten des Vereins, Pfarrer António Martins Pereira, ergänzen sich Fußball und Religion jedenfalls bestens. In seinen Predigten verwende er gerne Beispiele aus der Welt des Fußballs und des Sports, so Pereira im Gespräch mit der Zeitschrift Visão. Und der Pfarrer lässt sich vom weltlichen Sog des Fußballs immer wieder verführen: Um das erste Ligapokal-Spiel gegen Santa Clara sehen zu können, verließ António Martins Pereira sogar einmal frühzeitig eine Prozession. Doch nach dem Match ging er gleich wieder eine Messe feiern – natürlich hatte der CD Fátima die Partie gewonnen.
Die offizielle Website des Centro Desportivo Fátima (Portugiesisch)