25 Tage allein über den Atlantik: Ein junger Portugiese folgt dem Beispiel der großen Seefahrer
Am Sonntag starten im französischen Fort Boyard 84 mutige Segler zu einer der härtesten Regatten der Welt – der TRANSAT 6.50. Ganz auf sich allein gestellt müssen die Teilnehmer die fast 8000 Kilometer Strecke bis nach Brasilien in winzigen Booten bewältigen. Dieses Jahr startet mit Francisco Lobato erstmals auch ein Portugiese auf der TRANSAT 6.50. Der 22jährige Lobato geht mit viel Ehrgeiz ins Rennen – und fürchtet sich doch vor Einsamkeit und Müdigkeit auf hoher See.
Allein auf dem weiten Meer, in einem Boot, kaum größer als eine Nussschale: Schon wenig Fantasie reicht aus, um die Strapazen der Teilnehmer der TRANSAT 6.50-Regatta nachvollziehen zu können. Und doch stechen nun schon zum dreißigsten Mal Dutzende Unerschrockene in See, um sich und ihr Segelkönnen auf die Probe zu stellen. Am nächsten Sonntag ist es wieder soweit: 84 Segelboote der Mini-Klasse, keines länger als 6,50 Meter, werden den Hafen von Fort Boyard verlassen und Kurs auf Salvador de Bahia in Brasilien nehmen.
Erstmals in der Geschichte der TRANSAT 6.50 hat sich auch ein Portugiese für das Rennen qualifiziert: Der 22jährige, angehende Schiffsbau-Ingenieur Francisco Lobato. Trotz seines jungen Alters geht Lobato als Mit-Favorit ins Rennen. Momentan steht er sogar auf dem ersten Platz der Weltrangliste in der kleinsten Bootskategorie.
Lobato will den Sieg – und hat dennoch großen Respekt vor den Strapazen, die ihm auf der langen Seereise in seinem kleinen, von der Bank BPI unterstützten Boot Pogo bevorstehen. Laut Expresso ist vor allem die Einsamkeit der größte Feind des Seglers. Lobato ist auf dem Meer ganz allein auf sich gestellt. Wie einst die alten Seefahrer muss er anhand von Sternen und Wetter seinen Kurs bestimmen – moderne GPS-Systeme sind an Bord nicht erlaubt. Der Zwang zur ständigen Aufmerksamkeit ist nicht einfach, zumal die Müdigkeit immer präsent ist: Gerade einmal alle vier Stunden ist ein 30minütiges Nickerchen möglich.
Unter diesen Extrembedingungen können selbst kleine Fehler gravierende Auswirkungen haben. Einen Vorgeschmack auf diese Gefahren konnte Francisco Lobato schon bei der Anreise nach Frankreich zur TRANSAT 6.50 erleben. Ein schwerer Sturm vor der Küste Spaniens bei Santander drohte, die BPI Pogo fast zum Kentern zu bringen. Nur mit Mühe gelang es Francisco Lobato, den Mast zu halten – und seine Teilnahme an der Regatta zu sichern.

Allein auf hoher See: Francisco Lobato an Bord der BPI Pogo. Foto: www.franciscolobato.com
So einsam der weite Atlantik auch sein mag: Die BPI Pogo wird auch ein kleines Stück Portugal auf dem großen Meer sein. Denn für ein wenig Abwechslung an Bord sorgt eine Sammlung an portugiesischer Musik, die sich Lobato einpackt. Außerdem kann sich Francisco Lobato auch auf einen Zwischenstopp auf portugiesischem Boden freuen: In diesem Jahr legt die TRANSAT 6.50 eine Pause auf der Insel Madeira ein. Dort haben die Segler zwei Wochen Zeit, um sich von den Strapazen der ersten Etappe zu erholen – und dann zum längeren Stück der insgesamt 7800 Kilometer langen Reise nach Brasilien auszuholen.
Kurz hinter Madeira kann Francisco Lobato sogar seinen 23. Geburtstag auf hoher See feiern. Vielleicht bereitet er sich ein paar Tage später selbst das schönste Geburtstagsgeschenk: Mit einer gelungenen Zieleinfahrt in Salvador de Bahia und, wer weiß, vielleicht sogar einem Platz auf dem Siegerpodest der TRANSAT 6.50.