Waldbrand-Bilanz 2007: Ein gutes Jahr für Portugals Wälder
Portugals Wälder mussten in den letzten Jahren immer wieder wahre “Katastrophen-Sommer” mitmachen: Riesige Brände verwüsteten große Flächen wertvollen Waldlandes. Doch in diesem Jahr sieht die Bilanz sehr viel besser aus: Es gab nur wenig größere Feuer – ganz anders als im schwer gebeutelten Griechenland. Woran liegt’s: Greifen die Regierungsmaßnahmen für den Schutz des Waldes – oder spielte einfach nur das Wetter gut mit?
Eine Hitzewelle hat das Land erfasst. Die Bäume leiden unter Wassermangel, die Wälder sind so trocken wie lange nicht mehr. Und so genügen bereits kleine Funken, um riesige Flächenbrände anzufachen: Schon bald stehen tausende Quadratkilometer Wald in Flammen. Menschen müssen aus ihren Häusern fliehen, die Feuerwehr bekommt mit ihrer unzureichenden Ausrüstung die vielen neuen Brandherde nicht in den Griff. Die meisten der Feuer entstehen durch Brandstiftung.
Bekannte Szenen, wie wir sie dieses Jahr in Griechenland in gigantischem Ausmaß sehen können. Ähnliches spielte sich aber auch in den vergangenen Jahren in Portugal ab – vor allem im Katastrophen-Sommer 2005, als dort mehr als 200.000 Hektar in Flammen aufgingen. Und so stellten sich viele Portugiesen auch zu Beginn dieses Sommers die bange Frage: Werden unsere Wälder wieder brennen?
In einer ersten Zwischenbilanz für die Sommersaison 2007 konnte das Agrarministerium nun Entwarnung geben: Portugal ist – ganz anders als Griechenland – dieses Jahr von Waldbränden größeren Ausmaßes verschont geblieben. Nach Zählung der Wald-Direktion des Ministério da Agricultura gingen bis zum 15. August 3979 Hektar Waldland durch Brände verloren (hier der komplette Report auf Portugiesisch) – gerade einmal ein Zwanzigstel der Fläche, die zum gleichen Stichtag im Jahr 2005 schon verbrannt war.

Zahl der Waldbrände in Portugal in der kritischen Phase “Charlie”: Deutlich weniger Vorkommnisse im Jahr 2007.
Quelle: DGRF-Waldbrand-Report 2007
Zudem setzten die Waldbrände dieses Jahr später ein als in den Vorjahren. Die Waldschützer unterscheiden hier zwischen drei Phasen – “Alpha”, “Bravo” und “Charlie”. Erst in der letzten Phase sind die Temperaturen üblicherweise so hoch und die Wälder so ausgetrocknet, dass im heißen iberischen Klima fast schon zwangsweise Brände entstehen müssen. In den großen Brandjahren setzten die Feuer bereits in den “Aufwärmphasen” Alpha und Bravo ein – dieses Jahr gab es erst in der Hochrisikophase “Charlie” die Brände.
Grund zur Entwarnung also? Rui Pereira, portugiesischer Innenminister, meint: Ja. Denn die guten Zahlen in diesem Jahr seien das Ergebnis der “harten Arbeit vieler Menschen” gewesen. Und in der Tat gab es wirklich einige Maßnahmen, um die Brandgefahr zu mindern:
- So bündelt der 2006 verabschiedete nationale Plan zum Schutz des Waldes gegen Brände auf 49 Seiten viele verschiedene Maßnahmen, die an drei Punkten ansetzen: Prävention, Überwachung und Löscheinsätze.
- Für die Prävention sieht die Regierung ein verstärktes Engagement in nachhaltiger Forstwirtschaft vor – um so die Wälder “immuner” gegen Brände zu machen. Schneisen sollen zudem die Auswirkungen von Feuern begrenzen.
- Viel Geld gab es auch in bessere Brandmeldesysteme investiert. Zudem erhielten die Feuerwehren bessere Ausstattung - vor allem die dringend benötigten Löschflugzeuge.
Und auch in der Öffentlichkeit gewann das Thema an Präsenz. So schlossen sich zwölf große portugiesische Unternehmen zum Movimento Eco zusammen, um gemeinsam mehr Öffentlichkeitsarbeit für ein “Portugal ohne Feuer” zu betreiben. Denn nach Angaben der Wochenzeitung Sol wurden 97 Prozent der Waldbrände in den letzten fünf Jahren durch Brandstiftung entfacht – und dies nicht einmal durch bösen Willen. 70 Prozent der Brandstiftungen seien durch Nachlässigkeit entstanden: Rauchen, offenes Feuer, Verbrennen von landwirtschaftlichen Abfällen.

Portugal ohne Feuer hängt von allen ab: Die Kampagne zur Verhinderung von Waldbränden
Zwei Drittel aller Waldbrände wären also mit ein wenig mehr Aufmerksamkeit der Waldbenutzer vermeidbar gewesen. An diesem Punkt setzen die verschiedenen PR-Kampagnen des “Movimento Eco” ein. In Videospots, großen Werbeaktionen in Supermärkten und sogar auf Zügen werden die Portugiesen daran erinnert, dass der Schutz des Landes vor Waldbränden auch von ihrem Verhalten abhängt.
Kein Zweifel: Portugal hat in Sachen Brandschutz große Fortschritte gemacht. Die Frage ist nur, ob die nun umgesetzten Maßnahmen auch in Zukunft aufrecht erhalten werden können. In diesem Jahr konnten die Wälder Portugals zudem von besonders günstigen Temperaturverhältnissen profitieren – doch die nächste Hitzewelle kommt bestimmt, vielleicht schon im nächsten Jahr. Dann wird sich zeigen müssen, ob die Maßnahmen greifen werden.