Spiderman in Lissabon: 190 Meter hoch auf schwankenden Seilen
Überraschungsbesuch für die Lissaboner Brücke Ponte 25 de Abril, pünktlich zu ihrem 41. Geburtstag: Der französische Extrem-Kletterer Alain Robert erklomm das 190 Meter hohe Bauwerk mit seinen bloßen Händen – bis die Polizei kam.
Montag, 6. August, kurz vor neun Uhr morgens: Ein Taxi erreicht die Dockanlagen von Lissabon. Ein Mann verlässt das Auto, geht zu einem Pfeiler der Ponte 25 de Abril – und klettert einfach hoch. 190 Meter, ohne Sicherung, ohne Netz. Der erstaunliche „Spiderman” von Lissabon ist Alain Robert: 45jähriger Extrem-Kletterer aus Frankreich, spezialisiert auf Hochhäuser, Fernsehtürme und andere städtische Bauten. Und trotz früherer schwerer Unfälle mit gravierenden Folgen nicht zu stoppen.
Rund 60 Minuten braucht Alain Robert, um den höchsten Punkt auf einem der Pfeiler der 190 Meter hohen Brücke zu erreichen – immer entlang an Seilen, Pfeilern, Stahlrohren. Der Aufstieg auf die Hängebrücke war wohl selbst für einen so erfahrenen Kletterer wie Alain Robert schwieriger als gedacht: Wegen des heftigen Windes hätten die Stahlseile der Brücke stärker als erwartet geschwankt, erklärte der französische Spiderman später der Presse. Schaut man sich Bilder von der Aktion an, so wird die Dimension klar: Wie ein kleines Insekt hängt Alain Robert an den großen Seilen der Brücke, mit dem bloßen Auge fast gar nicht zu erkennen (eine große Bildergalerie gibt es hier).
Und so hätte selbst die Polizei fast nichts von der Spiderman-Aktion an der Ponte 25 de Abril mitbekommen. Erst durch einen beständig über der Brücke kreisenden Hubschrauber bemerkten die Polizisten, dass dort “etwas im Gange war”, wie ein Beamter der Verkehrspolizei im Díario de Notícias erklärte. Der Hubschrauber gehörte zu einem Filmteam, das Alain Roberts Aktion dokumentierte: Mit Hilfe dieses Films will der Bergsteiger neue, bezahlte Kletteraufträge akquirieren und sich für Werbekunden interessant machen.
Die Polizisten nahmen Alain Robert später in Gewahrsam und berechneten ihm eine Strafe von 120 Euro. Robert nahm es gelassen – und freute sich, mit dem 6. August einen ganz besonderen Tag für die Besteigung der Ponte 25 de Abril gewählt zu haben – es ist der 41. Jahrestag der Einweihung der Brücke und ein Tag vor dem 45. Geburtstag des Bergsteigers selbst. Auch andere Lissaboner Hochbauten sind ihm wohl bekannt: Schon vor zwei Jahren bestieg Alain Robert den Torre Vasco da Gama, den Endpunkt des ehemaligen Expo-Geländes im Norden der Stadt. Damals ganz offiziell und wohl bezahlt – im Auftrag des Mobilfunkanbieters Optimus:
Als nächstes Ziel steht für Alain Robert Moskau auf dem Programm. Doch eine Rückkehr nach Portugal ist bestimmt nicht ausgeschlossen – vor allem Lissabon und Porto halten noch eine ganze Menge hoher Häuser und Türme zum Erklimmen parat.