Segelfahrt mit Hindernissen: Extra-Halt für die “Sagres” in Montevideo
Das Segelschulschiff Sagres zeugt noch heute von der großen Seefahrtsgeschichte Portugals. In diesem Sommer hat die Sagres die Segel zu großer Fahrt gehisst: Es geht nach Südamerika. Brasilien, Uruguay, Argentinien sind das Ziel. Ein kleiner Motorschaden hat das Programm jetzt allerdings gehörig durcheinandergebracht.
Die Sagres ist für Portugal das, was die Gorch Fock für Deutschland ist: Ein großes Segelschulschiff, auf dem junge Marine-Kadetten das Handwerk der Seefahrt erlernen können. Für viele Portugiesen bedeutet die Sagres jedoch noch weit mehr: Das Schiff repräsentiert auf seinen Fahrten über die Weltmeere bis heute die große Seefahrtsgeschichte des Landes.
Bis in die Zeit der Entdecker reicht die Geschichte der Sagres allerdings nicht hinein: Ursprünglich wurde das Motorsegelschiff 1937 unter dem Namen “Albert Leo Schlageter” bei Blohm und Voss in Hamburg für die deutsche Kriegsmarine gebaut. 1944 gelangte das Schiff in die Hände der Alliierten, die es später nach Brasilien weiter verkauften. 1961 griff dann Portugal zu und setzte es unter dem Namen „Sagres III” als Segelschulschiff ein – bis heute (mehr zur Geschichte des Schiffs auf Wikipedia).

Das Segelschulschiff Sagres III. Foto: Portugiesische Marine
In diesem Sommer soll die Sagres den Glanz Portugals nach Südamerika bringen: Brasilien, Argentinien und Uruguay sind Ziele der Sagres in diesem Jahr. Im brasilianischen Santos ist das Segelschiff im Juli bereits begeistert empfangen worden. Als nächstes sollte Buenos Aires angelaufen werden – doch die Reise kam nun ins Stocken: Bei Wartungsarbeiten auf der Höhe des Rio da Prata vor Uruguay entdeckte die Mannschaft einen Defekt am Dieselmotor. Die Sagres musste außerplanmäßig den Hafen von Montevideo anlaufen. Montevideo stand zwar ohnehin auf dem Reiseplan der Sagres, aber erst auf der Rückfahrt von Buenos Aires (hier gibt es eine genaue Karte der Fahrtroute).
Drei Tage lag die Sagres im Hafen von Montevideo zur Reparatur. Nun ist der Defekt gefunden: Eine Pumpe des Dieselmotors war stark verschmutzt und musste gereinigt werden. Die Marine ist beruhigt, dass sich der Schaden in Grenzen hielt und rasch behoben werden konnte – denn schon die kleine Verzögerung brachte einige Arbeit mit sich. Denn in Buenos Aires sollte die Sagres eigentlich mit offiziellem Protokoll empfangen werden: Hier mussten die portugiesischen Botschaften in Uruguay und Argentinien aktiv werden, um die geplanten Empfänge zu kürzen und neu zu organisieren. Während die argentinische Regierung ihr Verständnis für die Verzögerung bekundete, warteten im Hafen von Buenos Aires viele Schaulustige umsonst auf die Einfahrt der Sagres, ohne vom Problem des Schiffes erfahren zu haben (dazu ein Video auf Youtube).
Und eine Gruppe in Argentinien ist besonders enttäuscht: Die der dort lebenden Portugiesen. Denn war die Einfahrt der Sagres ursprünglich für einen Samstag geplant, so wird sie nun unter der Woche stattfinden – wann die meisten Menschen arbeiten müssen. “Stellen Sie sich nur unsere Enttäuschung vor”, erklärte António Canas Antunes von der portugiesischen Gemeinschaft in Buenos Aires dem Expresso: “Für viele von uns ist das weit mehr als ein normales Schiff. Es schien uns, als ob ein Familienmitglied aus Portugal zu Besuch käme. Nun gibt es eine große Traurigkeit.”
Wie dem auch sei: Die Reise der Sagres geht weiter. Und vor allem die Einfahrt in Rio de Janeiro soll zum großen Ereignis werden, auf das sich die Mannschaft besonders freut. Und selbst mit ein wenig Verzögerung, nun sollte eigentlich alles klappen: “Denn man muss auch einmal Glück haben”, erklärte Schiffskapitän José Luis de Vila Matos nach den kleinen Pannen dem Expresso.