Radfahren ist in Portugal noch immer ein Abenteuer
Nur ein Prozent der Portugiesen nutzt das Fahrrad, um sich fortzubewegen. Aus gutem Grund: Autofahrer sehen Radfahrer häufig als Freiwild, Fahrradwege sind so gut wie nicht vorhanden. Doch die Zeiten ändern sich: Vor allem in Lissabon steigen mehr Menschen aufs Rad um – und verlangen mehr Rechte.
Fahrradfahrer bilden in Portugal auch heute noch keinen Teil des vertrauten Straßenbildes. Gerade einmal ein Prozent der Bevölkerung nutzt das Fahrrad, um sich in der Stadt oder auf dem Land zu bewegen. Damit bildet Portugal das Schlusslicht in Europa (der Durchschnittswert der EU liegt bei acht Prozent) – und liegt auch deutlich hinter dem Nachbarland Spanien zurück.
Die Gründe für die geringe Zahl sind klar: Denn noch immer sind Radfahrer auf Portugals Straßen nahezu rechtlos – und der Willkür von Autofahrern ausgesetzt. Anders als beispielsweise in Spanien verpflichtet die portugiesische Straßenverkehrsordnung Autofahrer noch nicht einmal, die Geschwindigkeit beim Annähern an einen Radfahrer zu drosseln: Ein entsprechender Passus fehlt einfach.
Und somit gelten Fahrradfahrer im portugiesischen Straßenverkehr als äußerst gefährdet: Radfahren in Portugal sei fast ein “selbstmörderischer Akt“, schimpfte zum Beispiel José Caetano, Vorsitzender des portugiesischen Fahrradclubs FPCUB in der Wochenzeitung Sol. Nach den Recherchen von FPCUB gab es im Jahr 2006 portugalweit 87 Unfälle mit Beteiligung von Fahrradfahrern, von denen 18 sehr schwer waren. Die tatsächliche Zahl dürfte noch beträchtlich höher liegen – die offizielle Unfallstatistik weist nicht aus, ob Fahrradfahrer an Verkehrsunfällen beteiligt waren.
So gefährlich die Straßen sind, so wenig Ausweichmöglichkeiten auf andere Wege bleiben den portugiesischen Fahrradfahrern. Radwege sind so gut wie nicht vorhanden oder sind zugeparkt. Selbst an sehr stark befahrenen Straßen wie der Avenida Marginal, der Küstenstraße von Lissabon zur Costa do Estoril, dürfen Radfahrer meist nicht den Bürgersteig benutzen.
Einer der Vorreiter in Sachen Fahrrad ist die Stadt Cascais nahe Lissabon. Hier gibt es seit einigen Jahren das Projekt BiCas – Leihfahrräder, die an Sammelpunkten in der gesamten Gemeinde verteilt sind: An der Strandpromenade, am Bahnhof, in der Fußgängerzone… BiCas richtet sich vorwiegend an Touristen – aber immerhin ist schon einmal ein Anfang gemacht. Und mit einem großzügigen Radweg entlang der Guincho-Küste dürfte Cascais auch das Privileg des längsten Radweges in Portugal für sich beanspruchen.
Außerhalb von Cascais sind die Erfahrungen der Fahrradfahrer oft ernüchternd – und so werden die Rufe nach mehr Rechten und mehr Fairness im Verkehr lauter. Es sind vor allem die jungen Kreativen aus Lissabon, die gerade das Fahrrad als günstiges, sportliches und “cooles” Verkehrsmittel entdecken – trotz aller Hügel und Aufstiege, die die Stadt zu bieten hat. Architekten, Designer, Studenten: Sie sind es, die den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Rad bewältigen, wie das Video des Senders SIC Notícias zeigt:
Vielleicht schaffen es diese Vorreiter, auch ihre Lissaboner Mitbürger zum Umstieg aufs Fahrrad zu bewegen. Potenzial gibt es genügend: Nach aktuellen Statistiken haben 66 Prozent der mit dem Auto in Portugal zurückgelegten Wege eine Entfernung von weniger als sechs Kilometern – ideale Radfahrdistanzen also.
Dezember 24th, 2007 um 11:05 am
[...] auch der Weihnachtsmann eine Pause in Lissabon verdient. Doch Vorsicht: Fahrradfahren in Portugal kann nicht ganz ungefährlich sein. Und auch andere bekannte Persönlichkeiten lassen sich hier an der Brücke des 25. April treffen: [...]
Januar 31st, 2008 um 5:56 pm
1999, 2003, 2004 und 2005 bin ich zusammen mit meinem Partner immer wieder drei bis vier wochen durch Portugal geradelt. Vor allem Algarve und Alentejo, vor allem weit weg vom Massenturismus.
In der Nähe von Städten ist es ziemlich gefährlich, obwohl wir im Laufe der Jahren immer mehr verkehrsarme Wege gefunden haben.
Weg von den Städten sind die wege ruhiger und obwohl es A-soziale Autofahrer gibt, wurden wir überwiegend sehr gut behandelt. Überholen geschieht vorsichtig, und sogar Lastwagen überholen uns sehr vorsichtig. Oft wartet man auf ein Zeichen das sie vorbeifahren können. Bergauf bleibt man manchmal Minutenlang hinter uns, weil man sich nicht traut.
Wir haben uns entschlossen auch in diesem Jahr wieder in Portugal zu radeln.
Katarina und Antonio aus den Niederlanden
Dezember 26th, 2008 um 12:21 pm
Hallo, Katharina,
ermunternde Worte tun gut! Wir beabsichtigen im kommenden Jahr von Faro nach Nordportugal zu radeln. Wir möchten allerdings mehr durch die Natur fahren und Wanderwege so weit es geht benutzen. Kannst Du uns einen Tipp geben, wie man an geeignetes Kartenmaterial kommt?
Gruß aus dem Sauerland
Ulla