Lissabons schönster Aussichtspunkt in Gefahr: Ist der Miradouro de Santa Luzia noch zu retten?
Lissabon, die Stadt auf sieben Hügeln, bietet ihren Besuchern immer wieder atemberaubende Ausblicke: “Miradouros”, schöne Aussichtspunkte, laden zum Verweilen ein und eröffnen atemberaubende Perspektiven auf den Fluss Tejo. Santa Luzia, einer der schönsten Miradouros der Stadt, ist jedoch vom Verfall bedroht. Eine schnelle Rettung ist nicht in Sicht.
Ein kleiner Garten, eingefasst von Mauern mit den klassischen blauen Azulejo-Kacheln, und dazu noch ein sagenhafter Blick über den Tejo: Der Miradouro de Santa Luzia ist der ideale Rastplatz für erschöpfte Lissabon-Besucher, zumal er genau auf halbem Wege am beschwerlichen Aufstieg von der Unterstadt Baixa hoch hinauf zur Burg liegt.
Doch von diesem einstigen Kleinod am Miradouro de Santa Luzia ist seit einigen Jahren nichts mehr zu spüren. Der Aussichtspunkt befindet sich in einem beklagenswerten Zustand: Besucher müssen einen wahren Geschicklichkeitsparcours durch Löcher im Boden, Müll und vertrockneten Sträuchern vollbringen. Viele Azulejo-Kacheln sind auf den Boden gefallen. Und in der Mitte steht ein großer Beton-Quader, der letztes Jahr noch als Fundament für einen Baukran diente.
Und hier liegt auch der Grund für den erschreckenden Zustand des Aussichtspunkts. Der Miradouro de Santa Luzia wurde als Basis für Bauarbeiten genutzt, die an Häusern in der genau unterhalb liegenden Rua de Norberto Araújo im verwinkelten Alfama-Viertel durchgeführt wurden. Trotz beachtlicher Fortschritte in den letzten Jahren ist der Renovierungsbedarf in der Alfama noch beträchtlich. Bei den Arbeiten unterhalb von Santa Luzia wollte die Stadt Lissabon einige baufällige Wohnhäuser wieder herrichten. Doch irgendwann im letzten Jahr stellte die Stadtverwaltung aus Geldmangel ihre Zahlungen an die beauftragte Baufirma ein. Die wiederum zog ihre Geräte und Bauarbeiter ab – und hinterließ den Miradouro de Santa Luzia im nahezu verwüsteten Zustand.
Die Folgen des Baustopps spüren nicht nur Besucher des Miradouros, sondern auch die rund 350 ehemaligen Bewohner der von der Renovierung betroffenen Häuser in der Rua de Norberto Araújo: Sie wurden in andere Häuser umquartiert und warten nun schon lange auf die Rückkehr in ihre alte Heimat. Für sie müsse die Stadt “höchste Mietzahlungen” in den Ausweichquartieren leisten, erläuterte erst kürzlich der für die Alfama zuständige Stadtteil-Bürgermeister Francisco Maia im Jornal de Notícias.
(Foto: Die Rua de Norberto Araújo unterhalb des Miradouro Santa Luzia)
Die klammen Kassen der Stadt Lissabon haben nicht nur am Miradouro de Santa Luzia für Baustopps gesorgt. Auch andere berühmte Sehenswürdigkeiten von Lissabon liegen zum Teil seit Jahren im Dämmerschlaf – darunter der im Bairro Alto liegende Miradouro und Park São Pedro de Alcântara, der einen prächtigen Blick auf die Burg von Lissabon gewährt. Die Restaurierung dieser Parkanlage sollte eigentlich schon im März dieses Jahres abgeschlossen sein – doch seit Dezember 2006 ruhen die Arbeiten. Zumindest für die Bauarbeiten in diesem Park ist nun eine Lösung in Sicht. Lissabons neuer Bürgermeister António Costa kündigte Ende Juli die Nachzahlung von 9,2 Millionen Euro ausstehender Zahlungen an Bauunternehmen an. Außerdem wolle er auch die 7,2 Millionen Euro auftreiben, um 18 öffentliche Bauprojekte – einschließlich São Pedro de Alcântara – fertig stellen zu können.
Die Stadtteil-Bürgermeister, die schon lange auf eine Lösung der stockenden Bauarbeiten dringen, haben die Ankündigung mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. Und bleiben dennoch skeptisch und wollen erst die Ergebnisse sehen. Für den Miradouro de Santa Luzia besteht noch weniger Hoffnung: Er ist nicht einmal in die Liste der 18 öffentliche Bauprojekte aufgenommen worden, für die die Zahlungen wiederaufgenommen werden sollen. Für Lissabon-Liebhaber bleibt also vorerst weiterhin der Blick auf alte Aufnahmen, um ein wenig die Schönheit des Aussichtspunkts von Santa Luzia genießen zu können. Oder man weicht auf andere Miradouros aus…:
Als Geheimtipp gilt zum Beispiel der Miradouro da Nossa Senhora do Monte – der am höchsten gelegene Aussichtspunkt Lissabons liegt etwas abseits der typischen Touristen-Pfade und ist deshalb wenig besucht. Idyllisch an einer kleinen Kirche gelegen, bietet der Miradouro da Nossa Senhora do Monte einen seltenen Blick auf die Burg, den Tejo und die Brücke des 25. April. Zu erreichen ist dieser Aussichtspunkt mit der Straßenbahn-Linie 28 bis Graça, und dann einem etwa 10-minütigen Fußweg hinauf zum Miradouro (Routenplan auf Google Maps).
Januar 19th, 2008 um 6:58 pm
[...] vorgelagte Miradouro verfügt über schöne Azulejos, die sich aufgrund von Bauarbeiten in einem erbarmungswürdigen Zustand [...]