Lissabon-Reiseführer für Design-Liebhaber: “Nehmen Sie Zimmer 712″
Der “wallpaper City Guide” für Lissabon ist ein ungewöhnlicher Reiseführer: Wenig geeignet für den touristischen Alltag konzentriert sich das Büchlein auf Architektur, Design und einfach “angesagte” Orte der Stadt. Selbst gute Kenner von Lissabon können mit dem „City Guide” noch so manch eine Entdeckung machen.
Die britische Lifestyle-Zeitschrift “wallpaper” sieht sich als weltweites Zentralorgan der Design-Liebhaber. Diesem Anspruch bleibt auch die neue Reiseführer-Reihe von “wallpaper” treu, die in diesem Jahr aufgelegt wurde: Architektur, Design und die angesagtesten Treffpunkte der Stadt stehen im Mittelpunkt. Auch für Lissabon ist ein Band erhältlich.
Gleich vorweg: Für den touristischen Alltag ist der wallpaper-Guide nicht sehr hilfreich: Nur wenig wird über Verkehrsmittel und typische Sehenswürdigkeiten gesagt. Und auch die Hotel- und Restauranttipps scheinen eher nach Schönheit der Einrichtung als nach bezahlbaren Preisen ausgesucht worden zu sein.
Und dennoch enthält der “wallpaper City Guide” für Lissabon sehr viele Hinweise auf interessante Architektur, versteckte Orte und ungewohnte Plätze, die selbst gute Kenner der Stadt überraschen dürften: Oder wer hätte gewusst, dass man auf eine Tasse Tee am besten einmal bei der geografischen Gesellschaft von Lissabon (Rua das Portas de Santo Antão 100) vorbeischauen sollte? Oder dass man zum Verfolgen einer guten Fußball-Partie nicht in die großen Stadien der beiden Großvereine Sporting oder Benfica gehen braucht – sondern bei den Spielen des des wesentlichen kleineren Erstligisten Belenenses Lisboa im Estádio de Restelo einen exklusiven Blick auf den Tejo genießen kann?
Der City Guide Lissabon beschränkt sich vorwiegend auf die Architektur der letzten Jahrzehnte: Typischen Sehenswürdigkeiten wie der Torre de Belém oder das Mosteiro dos Jeronímos werden – wenn überhaupt – nur am Rande erwähnt. Doch damit schließt der “wallpaper City Guide” auch eine Lücke zu herkömmlichen Reiseführern, die die moderne Architektur oft vollkommen vernachlässigen. Mit den Hinweisen zu modernen Kirchenbauten in Lissabon, heute schon wieder coole Cafés im 60er Jahre-Stil und auch auf architektonische Sünden wie die Amoreiras-Türme (das laut Autorin Claudia Saraiva unumstrittenste Gebäude Lissabons: niemand mag es) hilft der „wallpaper”-Guide, mehr über das wahre und heutige Leben der Lissaboner zu erfahren.
Wie es sich für einen Designführer gehört, glänzt der “wallpaper City Guide” für Lissabon mit einer schönen und aufwändigen Ausstattung. Jedes Highlight wird mit einem großen Farbfoto gewürdigt, ergänzt um einen kleinen, locker geschriebenen Text. Für die wahrhaft Kreativen stehen am Ende des Büchleins noch besondere Seiten mit besonders rauem Papier für Skizzen und Notizen zur Verfügung. Und das Büchlein ist so klein und diskret, dass man sich – nach Verlagswerbung – nicht wie ein Tourist fühlen müsse.
Und manchmal gibt es sogar noch ganz exklusive Extra-Tipps – zum Beispiel bei den im Reiseführer beschriebenen Hotels. Hier verrät die Autorin sogar, welches Zimmer man am besten reservieren sollte. Doch Vorsicht ist geboten: Keines der im Reiseführer empfohlenen Hotels bietet Zimmer für weniger als rund 200 Euro pro Nacht.
Guter Geschmack hat eben seinen Preis – dafür ist der „wallpaper City Guide” mit 8,95 Euro wiederum überraschend günstig. Ein Tipp für Lissabon-Liebhaber, die mehr über Architektur und Design erfahren wollen!
Wallpaper City Guide Lissabon. Phaidon Books, London 2007. ISBN 978-0-7148-4724-5, Preis: 8,95 €. Mehr Informationen hier
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