Die Costa Alentejana: Portugals “begehrteste Küste” zu Fuß erwandert
Die Costa Alentejana, die Küste südlich von Lissabon bis zur Algarve, galt lange Zeit als Geheimtipp: Wilde, einsame Strände lockten vor allem Individualreisende an. Doch die Gegend verändert sich: Der Tourismus übernimmt die Kontrolle, die Infrastruktur kommt an manchen Orten kaum noch mit. Ein Reporter des Wochenmagazins “Visão” wanderte nun elf Tage lang die gesamte Costa Alentejana ab – und sagt, wie es um die Küste wirklich bestellt ist.
Sie gilt als die Küste der Individualisten, das einsame Gegenstück zur touristischen Algarve: Die Costa Alentejana, die rund 150 Kilometer lange Küstenlinie südlich von Lissabon bis zur Algarve. Wilde, einsame und lange Strände sind das Markenzeichen dieser Küste. Kein Wunder, dass die Costa Alentejana auch als “Portugals begehrteste Küste” gilt: Begehrt bei Touristen für ihre natürliche Schönheit, begehrt auch bei Investoren, die hier zum Beispiel Hotels oder Freizeiteinrichtungen bauen. Und so haben die Betonburgen des Tourismus an der Alentejo-Küste stellenweise bereits Einzug gehalten – und so mancher Ort setzt wie an der Algarve lieber auf Masse statt Klasse.
Der Journalist Luís Ribeiro hat für das Wochenmagazin Visão elf Tage lang die gesamte Costa Alentejana erwandert -und in seinem Reisebericht all die Widersprüche und Entwicklungen aufgezeichnet, die diese Küste prägen. Ja, er berichtet über die vielen besorgniserregenden Dinge, die diese oftmals so unberührte Küste in Gefahr bringen: Die Gefahr des Betons, die etwa über Badeorte wie Almograve schwebt. Er berichtet von Orten, deren Infrastruktur mit dem wachsenden Tourismus nicht mithalten kann. Und er berichtet sogar, wie der Fremdenverkehr im Küstennest Zambujeira do Mar für ein handfestes Drogenproblem gesorgt hat. Denn in Zambujeira do Mar findet seit zehn Jahren Portugals größtes Musikfestival, das „Festival do Sudoueste” statt – und damals, beim ersten Festival, brachten die städtischen Konzertbesucher auch ihre Drogen in das ländliche Zambujeira mit. Seitdem seien viele Menschen drogenabhängig, notiert Ribeiro in seinem Artikel.
All diese besorgniserregenden Entwicklungen an der Küste von Tróia bis Odiceixe schreibt Luís Ribeiro auf. Genauso ist er aber auch beeindruckt von der Schönheit und Einsamkeit, die er immer wieder vorfindet. So zum Beispiel auch beim Praia da Amália – dem Strand, an dem sich die in Portugal höchst verehrte Fadosängerin Amália Rodrigues in ihren Ferien zurückzog.
Der Kontakt mit der Natur machte Luís Ribeiro mitunter auch zu schaffen. Glaubt man seinen Redaktionskollegen, so stand Luís Ribeiro einmal kurz davor, ein Fahrrad zu kaufen – die Wanderung in der sengenden Julisonne wurde selbst für den im Kosovo oder Mosambik erfahrenen Reporter zu viel. Ribeiro hielt aber durch – und liefert uns in seinem Reise-Blog viele wunderschöne Fotos von seiner Küstentour. Auf der Website von Visão gibt es außerdem einige Strand-Videos von der Route zu sehen.
150 Kilometer in elf Tagen: Das wäre sicher auch für Touristen eine interessante Wanderung. Über praktische Tipps für Nachahmer schweigt sich Ribeiros Artikel allerdings aus – weder exakte Wegbeschreibungen finden sich hier, noch konkrete Angaben zu den Hotels. Nachahmer wird Luís Ribeiro bestimmt finden – dafür sorgt schon die Schönheit und Einzigartigkeit dieses Küstenabschnitts.