Carlos Saura: Ein Spanier verfilmt den Fado
Flamenco, Tango, die großen Opern – und jetzt Fado: Der spanische Groß-Regisseur Carlos Saura hat dem Fado einen ganzen Film gewidmet. Eine kleine Vorschau ist jetzt schon im Internet zu sehen.
Der Fado sei seine “Kindheitsliebe”, bekannte der spanische Regisseur Carlos Saura einmal. Und nun hat er der melancholischen Musik Portugals ein filmisches Denkmal gesetzt: Mit dem Film „Fados”, der im September auf dem Internationalen Filmfestival von Toronto erstmals gezeigt werden soll.
Wie schon in seinen Filmen zum Flamenco oder zum Tango verbindet Saura auch in “Fados” seine ganz eigene visuelle Ästhetik mit der Musik: Mit Tanz, einprägsamen Bildern, tiefen und langen Einstellungen der Sänger. Das hat in Portugal schon Kritiker auf den Plan gerufen – sie fürchten einen Ausverkauf des Fados, der in seiner ursprünglichen Form eigentlich in vollkommener Schlichtheit und Stille gesungen wird.
Andererseits passt Sauras avantgardistischer Blick auf den Fado auch zu den neueren Entwicklungen in dieser Musik. Denn der lange totgeglaubte Fado erlebt dank des Einsatzes junger Künstler einen weltweiten Aufschwung. Mísia hat den Fado als Kunstobjekt stilisiert, neue Stimmen wie Cristina Branco oder Mariza spielen auch mit modernen Texten.
Carlos Saura geht sogar noch weiter: Er blickt auf den ganzen „lusofonen” Fado bis nach Afrika und Brasilien. Das ist auch nur folgerichtig – denn die afro-amerikanische Kultur dürfte schon bei der Entstehung des Fado eine große Rolle gespielt haben. Wegen dieses weiten Blicks hat Sauras auch ganz bewusst den Plural “Fados” als Filmtitel gewählt: Um die vielen Facetten, die vielen Einflüsse dieser Musik abzubilden. Und auch die Liste der mitwirkenden Sänger liest sich wie ein Who’s who der portugiesischsprachigen Weltmusik: Neben populären Sängern aus Portugal wie Mariza, Carlos do Carmo oder Camané wirken auch der brasilianische Großmeister Caetano Veloso oder die kapverdischen Sängerinnen Césaria Evora und Lura mit. Auch die Großmeisterin des Fado, Amália Rodrigues, wird in alten Filmeinspielungen gezeigt.
Carlos Saura wäre nicht der erste ausländische Regisseur, der sich um die portugiesische Musik verdient gemacht hätte. Unvergessen ist Wim Wenders, der in Lisbon Story die Gruppe Madredeus weltweit bekannt machte.
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