Wiesen pflanzen im Ozean: Vor der portugiesischen Küste soll das Seegras wieder zurückkehren
Seegraswiesen gehörten noch vor wenigen Jahrzehnten zu den typischen Lebensräumen vor Portugals Küste. Bis auf eine Ausnahme sind die Seegraswiesen mittlerweile alle verschwunden. Nun versuchen Biologen und Meeresforscher, vor der Küste von Arrábida, mit großem Aufwand das Seegras wieder anzupflanzen. Und erleben dabei so manch eine Überraschung.
Noch vor ein paar Jahrzehnten gehörten Seegraswiesen zu den natürlichen Lebensräumen vor der portugiesischen Küste: Vor allem an den Flussmündungen des Tejo, Sado, des Mira und Mondego breiteten sie sich aus – und sind heute allesamt verschwunden. Allein im Naturparadies Ria Formosa an der Algarve sind noch Seegraswiesen vorhanden. Gibt es eine Chance, die Seegraswiesen wieder neu anzulegen? Diesen Versuch unternehmen derzeit Meeresforscher und Biologen den Versuch, im Parque Marinho Professor Luiz Saldanha an der Küste von Arrábida bei Sétubal, eine Wiese im Ozean zu pflanzen.
Die Seegraswiesen vor den Küsten sind für Fische und andere Meerestiere ein wichtiger Lebensraum. In dem wogenden Seegras können sich Fische verbergen, viele Arten laichen hier auch. Auch Muscheln, Krustentiere oder Seepferdchen finden hier eine Heimat. Die Seegraswiesen haben biologisch eine ähnliche Bedeutung wie Korallenriffe. Die Gründe für den Niedergang der Wiesen in den letzten Jahren waren vielfältig. In der Region Arrábida gehörten wohl vor allem die illegale Fischerei, die mit verschiedenen Haken am Meeresboden für Verwüstungen sorgte. Doch auch der Einfluss von Sport- und Freizeitbooten ist nicht zu unterschätzen: Die speziellen Anker dieser Jachten fragmentieren praktisch den Meeresboden.
Der Versuch, die einzigartige Lebenswelt der Seegraswiesen künstlich wieder herzustellen, ist mit einigem Aufwand verbunden. So muss das Seegras erst an Land gezüchtet werden. Dann wird es, zu Bündeln an Eisenstücken zusammengeschnürt, von Tauchern am Meeresgrund angepflanzt (interessante Fotos dazu gibt’s hier). Bis das Seegras wirklich anwächst, können bis zu zwei Jahre vergehen – wenn es denn überhaupt anwächst. Denn schon jetzt verschwinden immer wieder einmal ganze Abschnitte angepflanzten Grases ohne ersichtlichen Grund, berichtet der Público. Die Forscher vermuten, dass möglicherweise die Erwärmung der Wassertemperatur mit dem unheimlichen Verschwinden in Beziehung steht. Die verwunschenen Seegraswiesen halten wohl noch so manch eine Überraschung für die Wissenschaft bereit.
Projekt-Homepage zur Wiederanpflanzung der Seegraswiesen von Arrábida