Kommt die iberische Union?
Portugal und Spanien sollen sich zu einem Land zusammenschließen: Iberia. Eine Schnapsidee? Immerhin: Die “iberische Union” wird in Portugal schon intensiv diskutiert. Und jetzt auch mit prominentem Fürsprecher: Literatur-Nobelpreisträger José Saramago. Die Reaktionen sind gespalten.
Es erscheint uns in Europa mittlerweile fast normal, wenn sich Länder aufspalten. Und auch auf der iberischen Halbinsel gibt es zum Beispiel unter Basken und Katalanen genügend Menschen, die neue Kleinstaaten gründen wollen.
Doch es geht auch anders: Weitgehend unbemerkt vom Rest des Kontinents tobt in Portugal derzeit eine heftige Debatte -nämlich die Frage nach der „União Ibérica”. Iberische Union – das hieße nichts anderes als der Beitritt Portugals zu Spanien.
Ein heißes Thema: Denn die Beziehungen von Portugal und Spanien waren lange Zeit alles andere als herzlich. Vor allem die Portugiesen misstrauten dem großen Nachbarn im Osten immer – und die 60jährige Belagerung Portugals durch Spanien von 1580 bis 1640 ist selbst für Portugiesen von heute immer noch nicht vergessen.
Und dennoch mehren sich die Stimmen für eine iberische Union, vor allem in der Wirtschaft. Denn faktisch ist Portugal heute so abhängig von Spanien wie nie zuvor: so gehört ein Großteil der portugiesischen Banken mittlerweile zu Unternehmen wie Santander oder der Banco de Bilbao. Ein weiteres Argument ist, dass das kleine Portugal in der immer größer werdenden Europäischen Union zunehmend an Bedeutung verliert: Könnte da nicht ein Bündnis mit Spanien mehr Stärke bringen?
Als neuesten Befürworter einer iberischen Union hat sich nun Literatur-Nobelpreisträger José Saramago in einem Interview mit der Zeitung “Diário de Notícias” bekannt. Saramago sieht es als „natürliche Entwicklung” an, dass sich Portugal als Provinz neben Katalonien, Andalusien, dem Baskenland, Galizien und Kastilien eingliedern werde. Spanien müsse sich dann nur in “Iberia” umbenennen, um die Gefühle der Portugiesen nicht allzu sehr zu verletzen.
Auf die Frage, ob die Portugiesen diese Integration in Spanien akzeptieren würden, antwortete Saramago: „Ja, wenn man ihnen das erklärt, denn das Land wird nicht geschlossen, sondern lebt in anderer Form weiter.” In Portugals Medien erzeugte Saramagos Votum für die iberische Union viel Resonanz – und selbst die Regierung sah sich genötigt, darauf zu reagieren. So empfahl Portugals Außenminister Luís Amado, Saramagos Ideen eher in die „Kategorie Literatur” abzulegen. Mit seinem strengen „Não” dürfte der Außenminister auch die Mehrheit seines Landes hinter sich wissen – nach jüngsten Umfragen sind 70 Prozent der Portugiesen gegen die iberische Union. Doch die Diskussion über dieses Thema dürfte dies auch nicht beenden.
Februar 25th, 2008 um 10:46 pm
[...] Und Lissabon ist die Hauptstadt der iberischen Union… [...]
Juli 21st, 2008 um 7:07 pm
[...] Jahr nach dem ersten Beitrag sind mittlerweile 147 weitere Artikel hinzu gekommen. Viele, viele Leser haben den Weg zu diesen [...]